Morbus Waldenström
Morbus Waldenström
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Was ist Morbus Waldenström?
Definition
Morbus Waldenström ist eine seltene Krebserkrankung des lymphatischen Systems. Sie gehört zur Gruppe der sogenannten Non-Hodgkin-Lymphome. Die Krankheit ist durch die überschießende Produktion eines Plasmaproteins (Eiweißkörper) gekennzeichnet, des sogenannten Immunglobulin M (IgM). Die Überproduktion von Immunglobulin M führt zur Hyperviskosität des Blutes – es wird dickflüssig. Charakteristisch für die Erkrankung ist außerdem eine Vermehrung von lymphatischen Tumorzellen im Knochenmark.
Symptome
Die Beschwerden beginnen meist schleichend. Häufig sind:
- Schwäche, Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit
- Ungewollter Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit
- Fieber und Nachtschweiß
- Erhöhte Infektanfälligkeit, leichte Blutergüsse und kleine Hauteinblutungen (Petechien)
- Sehstörungen, Kopfschmerzen oder Kribbeln/Nervenstörungen (Neuropathie) durch zähflüssiges Blut
- Kälteempfindlichkeit der Finger mit Farbveränderungen (Raynaud-Syndrom)
- Vergrößerung von Milz, Leber oder Lymphknoten
Ursachen
Die Ursache für die Entstehung des Morbus Waldenström ist bei mehr als 90 % der Betroffenen eine bestimmte Genveränderung, die die Umwandlung der Lymphzellen in Krebszellen bewirkt. Daher besteht für Personen mit einem an Morbus Waldenström erkrankten engen Verwandten ein deutlich erhöhtes Risiko, auch daran zu leiden.
Womöglich spielen zudem Faktoren eine Rolle, die das Immunsystem chronisch aktivieren, z. B. Infektionen oder bestehende Autoimmunkrankheiten.
Häufigkeit
Die Erkrankung ist selten: In Europa erkranken pro Jahr etwa 7 von 1.000.000 Männern und 4 von 1.000.000 Frauen. Betroffen sind vor allem ältere Menschen über 70 Jahre.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt befragt Sie zu Ihren Beschwerden und untersucht Sie körperlich. Dabei wird u. a. getastet, ob Milz, Leber oder Lymphknoten vergrößert sind. Blut- und Urinuntersuchungen zeigen u. a. Blutbild, Leber- und Nierenwerte sowie die Antikörper im Blut (Immunglobuline). Bei Verdacht auf die Erkrankung werden Sie an Spezialist*innen überwiesen.
Bei Spezialist*innen
Dort erfolgen:
- Knochenmarkpunktion aus dem Beckenkamm (für die Diagnose zwingend erforderlich)
- Untersuchung des Erbguts der Zellen (MYD88- und CXCR4-Mutation): Damit lässt sich klären, ob die Genveränderung vorliegt, was wichtig für die Art der Behandlung ist.
- Genauer Nachweis des IgM-Eiweißes im Labor
- Bildgebung mit Computertomografie (CT) von Brust und Bauch sowie Ultraschall des Bauches
- Herzultraschall (Echokardiografie) vor einer Chemotherapie
- Augenspiegelung bei Sehstörungen
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. Eine vollständige Heilung ist derzeit nicht möglich. Solange Sie keine Beschwerden haben, wird die Erkrankung zunächst nur beobachtet („watch & wait“). Erst wenn Beschwerden auftreten, sich die Blutwerte verschlechtern oder das IgM-Eiweiß stark ansteigt, wird behandelt.
Medikamente
- Bei guter körperlicher Verfassung: Kombination aus dem Antikörper Rituximab und einer Chemotherapie
- Bei eingeschränkter körperlicher Verfassung: Rituximab allein
- Wenn eine Chemotherapie nicht möglich ist: Tabletten mit Ibrutinib (ein Tyrosinkinase-Hemmer). Vorher wird die MYD88-Mutation bestimmt, da das Medikament sonst nur wenig wirkt.
Eingriffe
Wenn Ihr Blut durch zu viel IgM-Eiweiß gefährlich zähflüssig wird, kann eine Blutwäsche (Plasmapherese) nötig sein. Dabei wird das überschüssige Eiweiß aus dem Blut entfernt.
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