Marburg-Viruskrankheit

Marburg-Viruskrankheit

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Was ist die Marburg-Viruskrankheit?

Definition

Bei der Marburg-Viruskrankheit, auch Marburg-Fieber genannt, handelt es sich um eine seltene, hochansteckende Viruserkrankung, die durch das sog. Marburg-Virus verursacht wird. Die Viruserkrankung gehört wie auch Gelb-, Dengue- und Ebola-Fieber zur Gruppe der hämorrhagischen Fiebererkrankungen, deren Krankheitsverlauf durch hohes Fieber und starke Blutungen gekennzeichnet ist (weiter Informationen zum hämorrhagischen Fieber finden Sie hier). Das Marburg-Fieber ist eine potenziell tödliche Erkrankung und ist meldepflichtig nach dem Infektionsschutzgesetz.

Das Virus befällt üblicherweise zunächst die weißen Blutkörperchen, verbreitet sich im Verlauf jedoch über die Lymphknoten und die Blutbahn im ganzen Körper, wo es zum Absterben des befallenen Gewebes führt. Vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung vergehen in der Regel 3–21 Tage.

Symptome

Das Marburg-Fieber beginnt typischerweise mit plötzlich auftretenden grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Müdigkeit. Ab dem dritten Krankheitstag können wässrige Durchfälle, Bauchkrämpfe Übelkeit und Erbrechen hinzukommen. Ab dem siebenten Tag kann ein fleckig-knotiger Hautausschlag auftreten.

Zwischen dem fünften und siebten Krankheitstag kommt es üblicherweise erstmals zu Blutungen aus Mund, Nase und Vagina. Frisches Blut kann auch im Stuhl und Erbrochenen sichtbar werden. Befällt das Virus die Leber, kann dies zu einer Gelbfärbung der Haut und Augen führen (Ikterus). Beim Mann kann es zusätzlich zu einer Entzündung der Hoden (Orchitis) kommen. Eine Beeinträchtigung des Gehirns kann zu Verwirrtheit, Delir und Aggressivität führen.

Durch die massiven Blutungen und die ausgeprägte Organzerstörung ist der Krankheitsverlauf oft schwer und endet nicht selten in einer lebensgefährlichen Kreislaufstörung (Schock), die zum Tod führen kann.

Ursachen

Das Marburg-Virus ist eine Zoonose, das heißt, die Infektion kann zwischen Menschen und Tieren übertragen werden. Das natürliche Erregerreservoir scheint der Nilflughund zu sein, eine Flughundeart, die in Afrika und im Nahen Osten heimisch ist. Wie das Virus vom Tier auf den Menschen übertragen wird, ist nicht abschließend geklärt, wahrscheinlich aber über kontaminierten Speichel, Urin, Kot oder kleinste Schwebeteilchen in der Atemluft der Tiere.

Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt über den direkten Kontakt von verletzter Haut oder Schleimhaut mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten von Infizierten oder über kontaminiert Gegenstände. Die Samenflüssigkeit eines ehemals infizierten Mannes bleibt auch nach überstandener Erkrankung ansteckend.

Häufigkeit

Die Marburg-Viruskrankheit wurde erstmals 1967 beschrieben, als es in Marburg, Frankfurt und Belgrad zeitgleich zu Ausbrüchen kam. Seither kam es neben zwei größeren Epidemien im Kongo (1998–2000) und Angola (2004–2005) nur noch zu vereinzelten Erkrankungen in Afrika und Russland. Insgesamt wurde bisher von 473 Fällen berichtet (Stand August 2022).

Untersuchungen

Da die Symptome des Marburg-Fiebers jenen anderer hämorrhagischer Fiebererkrankungen ähneln, kann es schwierig sein, diese voneinander zu unterscheiden. Hinweisend auf eine Infektion mit dem Marburg-Virus kann neben den oben beschriebenen Symptomen auch ein Aufenthalt in einem Gebiet sein, in dem der Nilflughund heimisch ist oder es zuletzt zu Ausbrüchen der Erkrankung gekommen ist.

Bei einem begründeten Verdacht erfolgt die weitere Diagnosestellung bei Spezialist*innen. Das Marburg-Virus kann nur durch geeignete Tests in Speziallaboren nachgewiesen werden.

Behandlung

Die Behandlung der Marburg-Viruskrankheit kann nur unterstützend erfolgen, da es bisher keine spezifischen Medikamente gibt, die sich gegen das Marburg-Virus richten. Die unterstützende Therapie kann einen Flüssigkeitsersatz sowie Maßnahmen zur Fiebersenkung, Blutungskontrolle und zur Kreislaufstabilisierung beinhalten. So wird versucht, einen Schock und folgenden Tod zu verhindern.

Entscheidend ist ebenso eine strenge Isolation der infizierten Patient*innen gemäß den Regeln für hochansteckende Erreger.

Autorin

  • Lisa Huber, Cand. med., München

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Marburg-Viruskrankheit. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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