Lymphogranuloma venereum
Lymphogranuloma venereum
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Was ist das Lymphogranuloma venereum?
Definition
Das Lymphogranuloma venereum ist eine Geschlechtskrankheit, die durch das Bakterium Chlamydia trachomatis verursacht wird. Weitere Bezeichnungen der Krankheit sind Lymphogranuloma inguinale, Durand-Nicolas-Favre-Krankheit und venerisches Lymphogranulom. Die Erkrankung führt zu einer Harnröhrenentzündung (Urethritis), evtl. auch zu einer Enddarmentzündung (Proktitis) mit schmerzhaftem Stuhldrang, Ausflüssen und Blutungen.
Die Infektion geht auf den Genotyp L1, L2 oder L3 des Bakteriums Chlamydia trachomatis zurück. Die häufigere Chlamydien-Infektion, eine Unterleibserkrankung, die sowohl bei Frauen als auch bei Männern auftritt, wird von den Serotypen D–K verursacht.
Symptome
Die Inkubationszeit (von der der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit) dauert ca. 1–3 Wochen (3–30 Tage).
Am äußeren Geschlechtsorgan oder am Enddarm bildet sich eine nicht schmerzende Wunde oder Blase. Die Wunde verheilt normalerweise nach ca. 1 Woche, aber einige Wochen später entsteht eine lokale Schwellung in den Lymphdrüsen der Leiste. Wenn die Schwellung im Bereich des Enddarms lokalisiert ist, kommt es zu Schmerzen mit Ausfluss und Blutungen aus dem Darm.
Bei Erregeraufnahme über den Mund ist auch eine Racheninfektion mit Beteiligung der Lymphknoten im Hals möglich. Im dritten Stadium kommt es zur Bildung von Narbengewebe und einer Verstopfung der Lymphwege.
Ursachen
Eine Übertragung ist nur durch sexuellen Kontakt sowie durch Übertragung auf das Kind während der Geburt möglich. Die lange Inkubationszeit bewirkt, dass sexuell aktive Patient*innen (unwissentlich) weitere Partner*innen anstecken können, bevor die Erkrankung entdeckt wird.
Häufigkeit
In einigen Ländern Afrikas, Asiens, Südamerikas und der Karibik ist die Krankheit verbreitet. Im Jahr 2016 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geschätzt, dass sich weltweit jährlich 127 Mio. Menschen mit genitalen Chlamydien neu infizieren.
In Deutschland sind Infektionen mit Chlamydien nicht meldepflichtig, das heißt, die Zahl der Neuinfektionen kann nur geschätzt werden. Insgesamt wurden zwischen August 2002 und Januar 2009 164 Fälle mit gesichertem Genotyp L1–L3 freiwillig an das Robert Koch-Institut gemeldet. Zwischen 2012 und 2021 wurden insgesamt 120 Fälle in deutschen Krankenhäusern behandelt.
Untersuchungen
- Die Diagnose kann üblicherweise anhand einer gründlichen körperlichen Untersuchung gestellt werden.
- Das Vorhandensein von nicht schmerzenden Wunden oder Blasen am äußeren Geschlechtsorgan bzw. am oder im Enddarm ist ein Hinweis auf die Infektion.
- Einige Wochen nach der Verheilung der Wunde können geschwollene Lymphdrüsen bemerkt werden.
- Bei einer Entzündung des Enddarms weist die Schleimhaut eine Reihe kleiner leicht blutender Wunden auf, die durch eine Untersuchung (Proktoskopie) nachgewiesen werden können.
- Die endgültige Diagnose erfolgt durch den Nachweis der erregerspezifischen DNA nach einem Abstrich aus den Wunden. Dabei kann zwischen den spezifischen Bakterientypen unterschieden werden (venerisches Lymphogranulom oder „normale“ genitale Chlamydien-Infektion).
- Empfehlenswert ist ein gleichzeitiges Screening auf andere sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV, Syphilis und Hepatitis C.
Behandlung
- Das Ziel der Therapie ist es, die Infektion zu kontrollieren und die weitere Krankheitsausbreitung zu verhindern.
- Behandelt wird mit dem Antibiotikum Doxycyclin 2 x 100 mg für 3 Wochen, alternativ mit Erythromycin.
- Um eine Reinfektion zu verhindern, sollten alle Sexualpartner*innen der letzten 60 Tage untersucht und mitbehandelt werden.
Autor
- Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Lymphogranuloma venereum. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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