Syphilis

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Was ist Syphilis?

Definition

Die Syphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit (sexually transmitted disease, STD), die vom Bakterium Treponema pallidum verursacht wird. Sie wird auch als Lues bezeichnet. Eine unbehandelte Syphilis kann einen langwierigen Verlauf über Jahre hinweg nehmen und dauerhafte Schäden nach sich ziehen, z. B. des Gehirns oder der Blutgefäße. Die Krankheit verläuft in Stadien. Die Symptome können je nach Stadium unterschiedlich und auch nur gering ausgeprägt sein, sodass die Erkrankung in manchen Fällen nicht bemerkt wird. Da die Syphilis bereits in frühen Stadien mit Antibiotika wie Penicillin geheilt werden kann, ist es wichtig, die Symptome der Erkrankung zu kennen, um einem komplizierten Verlauf vorzubeugen.  Bei einem Krankheitsverdacht sollte ärztliche Hilfe gesucht werden. 

Symptome

Die Syphilis verläuft in mehreren Stadien, zwischen denen Monate bis Jahre mit nur geringen oder gar keinen Symptomen vergehen können. Die einzelnen Stadien haben charakteristische Anzeichen. Ungefähr 30 % der unbehandelten Syphilisfälle heilen spontan ab.

Primärstadium (Lues I)

In der ersten Phase der Erkrankung tritt bei etwa 60 % aller Patient*innen zunächst ein Knötchen an der Eintrittsstelle auf, z. B. in der Scheide, an den Schamlippen, am Penis, am Rektum oder im Mund. Anschließend entsteht daraus eine kraterartige, nicht schmerzempfindliche Wunde mit randständiger Verhärtung. Dieser sogenannte harte Schanker (Ulcus durum) tritt ca. 10–90 Tage (im Mittel 3–4 Wochen) nach der Infektion auf. Bei 70–80 % der Betroffenen sind die benachbarten Lymphknoten vergrößert, aber schmerzarm. Dieses Stadium ist ansteckend über direkten Kontakt mit dem Ulcus durum.

Sekundärstadium (Lues II)

Wenn die Syphilis im Primärstadium nicht behandelt wird, kann sich das Bakterium über den Blutweg ausbreiten und 2 Wochen bis 2 Jahre nach Auftreten des Schankers im Sekundärstadium vielfältige, manchmal auch nur unspezifische Symptome verursachen. Die Betroffenen haben eventuell erkältungsähnliche Symptome wie Fieber, Müdigkeit und Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen. Dies kann mit einer Lymphknotenschwellung am ganzen Körper einhergehen. Anschließend kann ein Hautausschlag am ganzen Körper, klassischerweise an Handflächen und Fußsohlen, auftreten und es kann zu Haarausfall kommen. Im Bereich von Vagina, Penis oder Rektum können warzenähnlichen Veränderungen, sogenannte Condylomata lata, entstehen. Unter Umständen sind weitere Organe von der Infektion betroffen, beispielsweise die Leber, Nieren oder Augen.

Im Sekundärstadium sind die Patient*innen äußerst ansteckend. Innerhalb von 6 Monaten nach der Erstinfektion können die Symptome auch ohne Therapie zurückgehen, und die Erkrankung wird weniger ansteckend.

Latente Syphilis

Treten keine Symptome auf, wird die Syphilis als latent bezeichnet. Der Bluttest fällt jedoch weiterhin positiv aus. 12–24 Monate nach der Infektion spricht man von einer frühen latenten, anschließend von einer späten latenten Syphilis. Das latente Stadium kann zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren dauern, aber auch das ganze Leben anhalten.

Tertiärstadium (Lues III)

Eine latente Syphilis kann jederzeit erneut zu Krankheitssymptomen führen. Ohne vorherige Behandlung besteht hierfür ein Risiko von ca. 30 %. Diese sogenannte Spätsyphilis wird auch als Tertiärstadium bezeichnet. Bei frühzeitiger Behandlung ist dieses Stadium eher selten.

Bei einer Tertiärsyphilis können sich gummiartige Geschwülste auf der Haut oder an anderen Organen bilden, welche auch als Gummen bezeichnet werden. Die Blutgefäße können von der Syphilis beeinträchtigt sein und sich aussacken, wodurch Aneurysmen, z. B. ein Aortenaneurysma, entstehen. Diese können aufplatzen (Aneurysmaruptur), was lebensgefährliche Blutungen verursachen kann.

Eine der schwerwiegendsten Ausprägungen der Syphilis ist die Neurosyphilis. Dabei kann es zu neurologischen Symptomen wie einschießenden Schmerzen in Bauch und Beinen, Harn- und Stuhlinkontinenz, Lähmungen, Schwindel, Hörverlust, Empfindungsstörungen, Reflexverlust, Krampfanfällen, psychotischen Episoden und Demenz kommen.

Spezielle Situationen

Besteht vor der Infektion mit dem Syphiliserreger bereits eine Infektion mit dem HI-Virus, kann die Syphilis einen schwereren Verlauf nehmen. Ebenso kann sich eine vorbestehende HIV-Erkrankung durch eine Syphilis verschlimmern.

Bei Kindern von nicht oder nicht ausreichend behandelten schwangeren Müttern mit Syphilis kann eine sogenannte Syphilis connata auftreten. Dabei handelt es sich um eine ab dem 4. Schwangerschaftsmonat über die Plazenta übertragene Syphilisinfektion. In der Frühphase der Schwangerschaft kann es dabei zu vergrößerter Leber/Milz, Hautbläschen oder narbigen Furchen in den Mundwinkeln vor dem ersten Lebensjahr kommen. In der Spätphase können eine sogenannte Hutchinson-Trias (Tonnenzähne, Innenohrschwerhörigkeit, Hornhautentzündung) und Wachstumsstörungen bis zum vollendeten 3. Lebensjahr auftreten.

Ursachen

Die Treponema-pallidum-Bakterien befinden sich bei infizierten Personen in Körperflüssigkeiten, auf Schleimhäuten und im Blut. Meist erfolgt die Ansteckung durch sexuellen Kontakt, z. B. bei Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr. Durch kleine Wunden in der Haut oder Schleimhaut kann der Erreger in den Körper eindringen. Das Risiko, an Syphilis zu erkranken, beträgt nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einer an Syphilis im Frühstadium erkrankten Person ca. 20–30 %. Syphilis im Spätstadium wird bei sexuellem Kontakt nicht übertragen.

Syphilis kann auch durch verunreinigte Nadeln beim Drogenkonsum übertragen werden. Zu beachten ist, dass die Syphilis in der Schwangerschaft über die Plazenta von der werdenden Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden kann. Man spricht dann von einer angeborenen Syphilis (Syphilis connata).

Häufigkeit

In Ländern mit niedrigem sozioökonomischem Standard kommt die Syphilis nach wie vor relativ häufig vor. Weltweit ist die Zahl in den letzten Jahren gestiegen, insbesondere bei Risikogruppen wie Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), Sexarbeiter*innen und intravenös Drogenabhängigen. Nicht selten tritt eine Syphilis bei gleichzeitig HIV-infizierten Personen auf.

2018 wurden in Deutschland 7.332 Syphilisfälle gemeldet. Nach einem Anstieg der Zahlen seit 2010 stagniert die Häufigkeit seit 2017 auf hohem Niveau. Syphilis tritt um ein Vielfaches häufiger bei Männern als bei Frauen auf (14:1).

Untersuchungen

  • Bei der Vorstellung in der Arztpraxis werden im Gespräch die zurückliegenden sexuellen Kontakte erfragt.
  • Zudem erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung, bei der die Vielzahl der möglichen Symptome kontrolliert wird.
  • Im Primärstadium enthält die Flüssigkeit, die aus der Wunde austritt, bakterielle Erreger, die sich mit einem Abstrich aus der Wunde nachweisen lassen (z. B. mittels Mikroskopie oder Gentest). Bluttests, die Antikörper gegen den Erreger nachweisen, sind häufig positiv. Somit wird bestätigt, dass die betroffene Person Kontakt zum Erreger hatte. Das Ergebnis hängt allerdings vom zeitlichen Verlauf der Erkrankung ab und kann zunächst negativ ausfallen. Unter Umständen muss der Test nach 2 Wochen wiederholt werden.
  • Im Sekundärstadium und Latenzstadium werden ebenfalls Bluttests sowie mikroskopische oder genetische Untersuchungen von Proben der Schleimhäute und Hautveränderungen durchgeführt.
  • Bei Syphilis im Tertiärstadium werden zusätzlich Untersuchungen des Liquors (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) und des Herzens durchgeführt. Bei Demenz- oder psychotischen Symptomen erfolgen neurologische bzw. psychiatrische Untersuchungen.
  • Gegebenenfalls werden weitere Laboruntersuchungen in Bezug auf Hepatitis, HIV oder andere sexuell übertragbare Infektionen durchgeführt.
  • Die Syphilis fällt unter das Infektionsschutzgesetz, und alle Fälle von Frühsyphilis (Primär-, Sekundär- und latentes Frühstadium) werden nicht-namentlich an das Robert-Koch-Institut gemeldet.

Behandlung

  • Die Syphilis ist durch Antibiotika gut behandelbar. Bereits bestehende Organschäden können allerdings nicht mehr geheilt werden.
    • Meist wird Penicillin in den Muskel gespritzt oder bei schweren Verläufen auch über die Vene verabreicht.
    • Wenn Patient*innen auf Penicillin allergisch sind, können auch andere Antibiotika gegeben werden.
  • Bei Neurosyphilis stehen weitere spezielle Antibiotika zur Verfügung.
  • In der Schwangerschaft ist zu beachten, dass bestimmte Antibiotika nicht eingesetzt werden können.
  • Manche Patient*innen reagieren auf die Antibiotikabehandlung mit einer sog. Jarisch-Herxheimer-Reaktion, die innerhalb von 24 Stunden nach der Antibiotikagabe auftreten kann. Hierbei entsteht eine Entzündungsreaktion auf die abgestorbenen Bakterienbestandteile. Die Symptome sind Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopf- oder Muskelschmerzen.
    • Ab dem Sekundärstadium kann zur Vermeidung der Jarisch-Herxheimer-Reaktion vor der ersten Antibiotikagabe Kortison gegeben werden.
    • Da es sich um keine Allergie auf das Antibiotikum handelt, wird die Antibiotikatherapie fortgesetzt. Allerdings werden die betroffenen Patient*innen in einer Klinik überwacht und symptomatisch mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt.

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Syphilis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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