Lassa-Fieber

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Was ist das Lassa-Fieber?

Definition

Das Lassa-Fieber ist ein durch Viren verursachtes hämorrhagisches Fieber (hämorrhagisch = mit Blutungen einhergehend), das durch Nagetiere und von Mensch zu Mensch übertragen wird.

Die Krankheit kommt in folgenden westafrikanischen Ländern vor: Guinea, Liberia, Sierra Leone, Nigeria, Benin, Ghana, Mali, Burkina Faso, Togo und Elfenbeinküste.

Symptome

Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Krankheitsbeginn) beträgt 6–21 Tage. Bei etwa 80 % der Infizierten zeigt die Krankheit einen milden Verlauf ohne sichtbare Symptome, nur 20 % erleiden eine schwere Erkrankung.

Der Krankheitsverlauf ist sehr variabel: Die Krankheit beginnt schleichend mit Fieber, grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Hals- und Gliederschmerzen sowie Husten. An der Haut kann ein knotig-fleckiger Ausschlag auftreten. Auch Magen-Darm-Probleme mit Erbrechen und Schmerzen sind möglich. Typisch ist auch eine Rachenentzündung (Pharyngitis), die schwere Atemnot auslösen kann. Wenn das Zentralnervensystem beteiligt ist, können Krämpfanfälle, Bewusstseinsstörungen und Koma auftreten.

Bei etwa 40 % der Erkrankten entwickelt sich ein klassisches hämorrhagisches Fieber mit Blutungen an den Schleimhäuten (Nase, Mund, Vagina, Verdauungstrakt). Die Sterblichkeit bei einem hämorrhagischen Verlauf ist hoch. Ein schwerer Krankheitsverlauf zeigt sich mit Nieren- und Leberversagen bis hin zum Ausfall weiterer lebenswichtiger Organe (Multiorganversagen) und Blutvergiftung (Sepsis).

Die akute Krankheitsphase dauert 1–4 Wochen.

Ursachen

Das Lassa-Fieber wird durch Viren verursacht, deren natürlicher Wirt Nagetiere sind, vor allem die Vielzitzenmaus (Mastomys natalensis). Obwohl diese Maus in West-, Zentral- und Ostafrika weit verbreitet ist, sind nur Tiere in Westafrika Überträger des Virus.

Menschen infizieren sich über verunreinigte Lebensmittel und den Kontakt zu infizierten Tieren (deren Exkrementen oder deren Verzehr). Beim Einatmen oder Hantieren mit dem infektiösen Material kann das Virus über die Atemwege, durch die Schleimhäute oder kleine Wunden in den Körper gelangen. Erkrankte können das Virus an andere Menschen durch enge Kontakte weitergeben, wobei der Grad der Ansteckungsfähigkeit von der Viruslast abhängig ist, die im Laufe der Erkrankung zunimmt.

Auch Laborinfektionen sind möglich, da das Virus in Körperflüssigkeiten außerhalb des menschlichen Körpers bis zu ca. 10 Tage überleben kann.

Die Übertragungen finden gehäuft während der Trockenzeit von Januar bis März statt, wenn die Nagetiere aufgrund von Wasserknappheit vermehrt in Häuser eindringen. Sie kommen aber auch zu anderen Zeiten vor.

Ansteckung

Vor Krankheitsbeginn sind die Betroffenen nicht ansteckend. In den ersten Tagen der Erkrankung ist eine Ansteckung lediglich über Blut möglich. Ab dem 7.–10. Krankheitstag kann die Übertragen dann auch über Speichel und Urin oder durch sexuelle Kontakte erfolgen, bei engem Kontakt zu Erkrankten auch über die Atemwege. Bei Schwangeren kann das Virus auf das ungeborene Kind übertragen werden.

Erkrankte Menschen sind ansteckend, solange die Viren im Speichel, Blut oder anderen Ausscheidungen vorhanden sind. Im Urin ist eine Virusausscheidung noch bis zur 9. Woche nach Krankheitsbeginn möglich, im Sperma ist das Virus bis zu 3 Monate lang nachweisbar.

Risikofaktoren

  • Aufenthalt in Ländern, in denen Lassa-Fieber vorkommt, insbesondere im ländlichen Raum.
  • Krankenhausaufenthalt oder berufliche Tätigkeit im Gesundheitswesen in diesen Ländern, insbesondere mit Kontakt zu Erkrankten
  • Kontakt zu erkrankten Reiserückkehrer*innen

Häufigkeit

  • Das Lassa-Fieber kommt in westafrikanischen Ländern vor.
  • Jedes Jahr gibt es schätzungsweise 500.000 Fälle von Lassa-Fieber in Westafrika und dabei über 5.000 Todesfälle.
  • Die in Europa dokumentierten Fälle der letzten Jahre traten bei erkrankten Reiserrückkehrer*innen und deren Kontaktpersonen auf.
  • Der zunehmende Tourismus erhöht das Risiko für das Auftreten der Krankheit auch in Europa. Darum ist es wichtig, bei einer entsprechenden Krankheitsgeschichte an das Lassa-Fieber zu denken.

Untersuchungen

Das Lassa-Fieber lässt sich nur schwer von anderen viralen Fiebererkrankungen wie Ebola oder Malaria unterscheiden, da die Beschwerden ähnlich sind. Das kann die Diagnose erschweren. 

Besteht ein begründeter Verdacht auf die Erkrankung (Aufenthalt in Westafrika, Kontakt zu Erkrankten, Fieber und typische Symptome), wird das Virus durch eine RT-PCR-Analyse (Reverse Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion) ermittelt. Der Nachweis kann aus dem Blut, aber auch aus Sekreten wie Speichel (Rachenabstrich), Liquor (Gehirnflüssigkeit) oder Urin erfolgen. Bei der Probenahme sollte das medizinische Personal Schutzkleidung (Gesichtsschutz, Kittel, Handschuhe) tragen.

Die Lassa-Virus-Diagnostik wird in Speziallaboren – in Deutschland im Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin, im Institut für Virologie der Universität Marburg und im Robert Koch-Institut – durchgeführt.

Behandlung

Ziele der Behandlung sind: Symptome lindern, die Sterblichkeit senken und die Ansteckung anderer Menschen verhindern. Erkrankte (und auch Verdachtsfälle!) sollten umgehend isoliert werden.

Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Kompetenz- und Behandlungszentren. In Deutschland gibt es sieben Behandlungszentren in Hamburg, Berlin, Leipzig, Frankfurt/M., München, Düsseldorf und Stuttgart.

Empfohlen ist eine intensivmedizinische Betreuung der Erkrankten und die Behandlung der Symptome. Ggf. kann Ribavirin gegeben werden, ein Arzneistoff, der in Deutschland für die Behandlung des Lassa-Fiebers nicht zugelassen ist, aber in Ermangelung von Alternativen eingesetzt wird.

Autorin

  • Ulrike Boos, Redakteurin von Deximed, Freiburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Lassa-Fieber. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Robert F. Garry. Lassa fever — the road ahead. nature reviews microbiology 2022; 21: 87–96. www.nature.com
  2. Robert Koch-Institut. Lassa-Fieber. RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand 05/2019. www.rki.de
  3. Ehlkes L, George M, Samosny G. Management of a Lassa fever outbreak, Rhineland-Palatinate, Germany, 2016. Euro Surveill. 2017; 22: 16-00728. www.ncbi.nlm.nih.gov
  4. World Health Organization (21 February 2022). Disease Outbreak News; Lassa fever – United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland. www.who.int
  5. World Health Organization. Lassa fever. Fact sheet No 179. Geneva, July 2017. www.who.int
  6. Feldt T, Guggemos W, Kellner N. Hinweise zur Therapie von Lassafieber. Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) beim Robert Koch-Institut 2023. www.rki.de
  7. Wichmann D, Matthews H, Nentwich MF. Intensivmedizinisches Back-up bei infektiologischen Katastrophen. Med Klin Intensivmed Notfmed 2020; 115(8): 641–648. link.springer.com
  8. Cummins D, McCormick JB, Bennett D, Samba JA, Farrar B, Machin SJ, et al. Acute sensorineural deafness in Lassa fever. JAMA 1990;264: 2093-6. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Arbeitskreis Krankenhaus- & Praxishygiene der AWMF. S1-Leitlinie Hygienemaßnahmen beim Patiententransport. AWMF-Leitlinie Nr. 029-029, Stand 2019. register.awmf.org
  10. McCormick JB, King IJ, Webb PA, Scribner CL, Craven RB, Johnson KM, et al. Lassa fever. Effective therapy with ribavirin. N Engl J Med 1986;314: 20-6. PubMed
  11. Alex P. Salam, Alexandre Duvignaud, Marie Jaspard. Ribavirin for treating Lassa fever: A systematic review of pre-clinical studies and implications for human dosing. PLoS Negl Trop Dis. 2022. pmid:35353804 PubMed
  12. How to safely collect blood samples by phlebotomy from patients suspected to be infected with Lassa fever, WHO, 2018 www.who.int
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