Kryptokokkose
Kryptokokkose
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren
Was ist eine Kryptokokkose?
Definition
Unter einer Kryptokokkose versteht man eine Infektion mit dem Erreger Cryptococcus neoformans, einem Hefepilz, der in der Natur vorkommt. Die Erkrankung betrifft fast ausschließlich Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Den größten Anteil der Betroffenen machen mit rund 80–90 % Patient*innen aus, die ebenfalls mit dem HIV-Virus infiziert sind.
Der Erreger siedelt sich üblicherweise zunächst in der Lunge an, kann sich im Verlauf jedoch über das Blut im ganzen Körper verteilen. Am häufigsten streut die Infektion in das zentrale Nervensystem, wo sie zu einer lebensbedrohlichen Entzündung des Gehirns und/oder der Hirnhäute führen kann. Man spricht dann von einer Meningoenzephalitis.
Symptome
Die Infektion bleibt häufig zunächst unbemerkt, kann sich jedoch auch als Lungenentzündung darstellen.
Der Verlauf der Erkrankung ist stark davon abhängig, wie gut das Immunsystem der Betroffenen in der Lage ist, den Erreger im Zaum zu halten. Streut der Hefepilz über das Blut in andere Organe, kann er auch dort Symptome verursachen. An der Haut kann dies z. B. zu pickel- oder dellwarzenähnlichen Veränderungen führen. Augen, Knochen und Gelenke können ebenfalls betroffen sein. Im Gehirn kommt es zu einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis), die sich durch Kopfschmerzen, Müdigkeit und Fieber bemerkbar macht. Bei fortschreitender Erkrankung können zudem Verwirrtheit, neurologische Ausfallserscheinungen, Übelkeit sowie Erbrechen beobachtet werden.
Ursachen
Cryptococcus neoformans kommt natürlicherweise in Hinterlassenschaften von bestimmten Vogelarten vor, wie etwa von Tauben und verschiedenen Papageienarten, sowie in mit Vogelfäkalien kontaminierter Erde oder Staub. Auch kann der Hefepilz mit bestimmten Baumarten in Verbindung gebracht werden.
Die hitze- und austrocknungsresistenten Erreger werden dann vom Menschen eingeatmet, können aber auch in offene Wunden gelangen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch kann ausgeschlossen werden. Auch Tiere können sich mit dem Erreger infizieren, wobei eine Übertragung vom Tier zum Menschen bislang nicht beobachtet wurde.
Vom Erstkontakt mit dem Erreger bis zum Ausbruch der Erkrankung könne Monate vergehen.
Verschiedene Faktoren können die Entstehung einer Kryptokokkose begünstigen. Dazu zählen vor allem Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, wie etwa Krebserkrankungen (insbesondere Morbus Hodgkin), HIV, Sarkoidose und angeborene Immundefekte. Auch eine Langzeitbehandlung mit Kortisonpräparaten kann die Funktion des Immunsystems beinträchtigen.
Häufigkeit
Die meisten Menschen werden dem Erreger schon vor dem fünften Lebensjahr ausgesetzt, wobei es bei Immungesunden jedoch zu keiner Infektion kommt. Mit dem Anstieg an HIV-Infektionen nahm auch die Häufigkeit von Kryptokokkosen in der Bevölkerung zu. In Deutschland ist die Erkrankung jedoch selten.
Untersuchungen
Die verschiedenen Symptome einer Kryptokokkose können sich in einer gründlichen körperlichen und neurologischen Untersuchung zeigen. Liegt ein begründeter Verdacht vor, erfolgt die weitere Diagnosestellung bei Spezialistin*innen. Diese können den Erreger im Blut oder Nervenwasser nachweisen. Das Nervenwasser wird mittels einer Nadel aus dem Wirbelsäulenkanal am unteren Bereich der Wirbelsäule gewonnen (Lumbalpunktion).
Auch bildgebende Verfahren vom Kopf, wie etwa eine MRT oder CT, können sinnvoll sein, um Entzündungszeichen im zentralen Nervensystem sichtbar zu machen.
Behandlung
Eine frühzeitige Erkennung und Therapie sind entscheidend für den Behandlungserfolg. Bei schweren Verläufen ist eine Einweisung ins Krankenhaus notwendig. Ziel ist es, den Erreger mittels geeigneter Medikamente zu bekämpfen. Dabei kommen sog. Antimykotika zum Einsatz, die den Hefepilz auslöschen sollen. Bis die Infektion überstanden ist, vergehen in der Regel 6–8 Wochen.
Autorin
- Lisa Huber, Cand. med., München
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Kryptokokkose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie. S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie HIV-1-assoziierter neurologischer Erkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 030-044, Stand 2020. register.awmf.org
- Diamond RD. Cryptococcus neoformans. I: Mandell GL, Douglas RG, Bennett JE, red. Principles and practice of infectious diseases. New York: Churchill Livingstone, 2000: 2707-18.
- Robert Koch-Institut. Kryptokokkose. Stand 2020. www.rki.de
- Hollender A, Kvaløy S, Lote K, Nome O, Holte H. Prognostic factors in 140 adult patients with non-Hodgkin's lymphoma with systemic central nervous system (CNS) involvement. A single centre analysis. Eur J Cancer 2000; 36: 1762-8. PubMed
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.
Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.
In unserer Gesundheitsdatenbank suchen
Inhaltsverzeichnis anzeigenWissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Wissen, wann genug ist
Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.
Zum Beitrag

Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen
Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.
Zum Beitrag

Sind das die Wechseljahre?
Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind
Zum Beitrag