Kleinwuchs
Kleinwuchs
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Was ist Kleinwuchs?
Definition
Als kleinwüchsig gelten Kinder, die deutlich kleiner sind als gleichaltrige Kinder. Medizinisch gesehen ist Ihr Kind kleinwüchsig, wenn seine Körpergröße unter der 3. Perzentile liegt. Das heißt: Von 100 gleichaltrigen Kindern sind 97 größer und nur 3 ebenso groß oder kleiner.
In den meisten Fällen kann keine erkennbare Ursache gefunden werden und die Eltern sind normal groß. In dem Fall spricht man von „idiopathischem Kleinwuchs“. In der Regel handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine normale Variante des kindlichen Wachstums.
Davon abzugrenzen sind zwei Varianten:
- Familiärer Kleinwuchs: Die Eltern selbst sind klein – das Kind ist genetisch entsprechend klein.
- Konstitutionelle Entwicklungsverzögerung: Das Kind wächst langsamer und kommt später in die Pubertät, erreicht aber meist eine normale Endgröße.
Symptome
Das einzige auffällige Merkmal ist die geringe Körpergröße. Ihr Kind ist ansonsten gesund und zeigt keine weiteren Krankheitszeichen. Typisch ist: Die Wachstumskurve verläuft unterhalb, aber parallel zu der gesunder Kinder. Ihr Kind wächst also gleichmäßig – nur insgesamt auf einem niedrigeren Niveau.
Ursachen
Wahrscheinlich liegen dem idiopathischen Kleinwuchs verschiedene, bisher unbekannte Mechanismen zugrunde.
Die Diagnose wird erst gestellt, wenn andere mögliche Gründe für eine geringe Körpergröße ausgeschlossen wurden, zum Beispiel:
- Hormonstörungen wie Wachstumshormonmangel oder Schilddrüsenunterfunktion
- Stoffwechselerkrankungen
- Genetische oder chromosomale Veränderungen (z. B. Down-Syndrom)
- Erkrankungen des Skeletts
- Mangelernährung
- Chronische Erkrankungen wie Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), Mukoviszidose oder Nierenschwäche
- Verzögertes Wachstum schon im Mutterleib
- Seelische Belastungen, etwa Depressionen oder schwere Vernachlässigung
Häufigkeit
Per Definition sind etwa 3 % aller Kinder kleinwüchsig. Der idiopathische Kleinwuchs ist die häufigste Form. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.
Untersuchungen
In der Hausarzt- oder Kinderarztpraxis
Wichtig ist, das Wachstum Ihres Kindes über einen längeren Zeitraum zu beobachten – eine einzelne Messung reicht nicht aus. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird:
- Größe und Gewicht regelmäßig messen und in eine Wachstumskurve eintragen
- Die zu erwartende Erwachsenengröße aus der Größe der Eltern berechnen
- Sie zu Größe und Pubertätsentwicklung von Eltern und Geschwistern befragen
- Nach Ernährung, Familiensituation und dem Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Kind fragen
- Ihr Kind körperlich untersuchen – auch auf stimmige Körperproportionen und die altersgerechte Entwicklung der Geschlechtsmerkmale
Als Faustregel gilt: Ab dem 4. Lebensjahr bis zur Pubertät sollte Ihr Kind mindestens 5 cm pro Jahr wachsen.
Bei Spezialist*innen
Eine Überweisung an eine Kinderärztin, einen Kinderarzt oder in die Endokrinologie (Fachgebiet für Hormone und Stoffwechsel) ist sinnvoll, wenn:
- Die Körpergröße Ihres Kindes deutlich unter der erwarteten familiären Endgröße liegt
- Ein schwerer Kleinwuchs vorliegt
- Die Wachstumskurve „abknickt“
- Ihr Kind bei der Geburt zu klein war und nicht aufgeholt hat
- Auffälligkeiten oder ungewöhnliche Körperproportionen bestehen
Folgende Untersuchungen können vorgenommen werden:
- Eine Röntgenaufnahme der linken Hand zeigt das sogenannte Knochenalter – also die Reife des Skeletts. Daraus lässt sich die zu erwartende Endgröße abschätzen.
- Blut- und Urinwerte geben Hinweise auf Mangelzustände, Entzündungen, Zöliakie sowie Schilddrüsen-, Leber- oder Nierenerkrankungen.
Behandlung
Beim idiopathischen Kleinwuchs steht das Akzeptieren der geringen Körpergröße im Mittelpunkt. Eine medikamentöse Therapie ist nur dann nötig, wenn das Wachstum krankhaft nachlässt.
Psychologische Unterstützung
Manchmal hilft eine kinderpsychologische Begleitung dabei, mit der besonderen Körpergröße umzugehen. Sie soll Ihr Kind und Sie als Eltern darin unterstützen, mit dem Kleinwuchs gut zu leben und persönliche Kräfte für den Alltag zu stärken.
Medikamente
Eine Behandlung mit Wachstumshormonen ist nicht bei jedem kleinwüchsigen Kind sinnvoll. Sie kommt vor allem in folgenden Fällen infrage:
- Nachgewiesener Wachstumshormonmangel
- Turner-Syndrom, Prader-Willi-Syndrom
- Chronisches Nierenversagen (Niereninsuffizienz)
- SHOX-Mangel-Kleinwuchs
- Ausbleibendes Aufholwachstum nach zu geringem Geburtsgewicht
Beim idiopathischen Kleinwuchs ist eine solche Behandlung umstritten. Sie kann die Erwachsenengröße um etwa 3–6 cm steigern. Allerdings sind über mehrere Jahre – meist ab dem Alter von 4–7 Jahren – tägliche Spritzen nötig. Das ist für Kinder und Familien sehr belastend und nicht jedes Kind spricht gleich gut darauf an; manche profitieren kaum oder gar nicht.
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