Erhöhter Kaliumspiegel (Hyperkaliämie)

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Was ist eine Hyperkaliämie?

Definition

Von einer Hyperkaliämie spricht man, wenn die Konzentration von Kalium im Blut erhöht ist. Kalium ist ein Mineralstoff, dessen Gleichgewicht eine bedeutende Rolle für die Funktion lebenswichtiger Prozesse in unserem Körper spielt. Je nach Höhe des Wertes unterscheidet man eine leichte, mittelschwere und schwere Hyperkaliämie.

Eine Hyperkaliämie beginnt ab Werten von 5,0–5,4 mmol/l. Man spricht von einer mittelschweren Hyperkaliämie bei Werten zwischen 5,5–6 mmol/l. Eine schwere Hyperkaliämie liegt ab einem Wert von 6 mmol/l vor.

Symptome

In den meisten Fällen handelt es sich bei der Hyperkaliämie, um eine Erkrankung, die langsam entstanden ist. In diesen Fällen treten je nach Höhe des Kaliumwertes selten Beschwerden auf. Häufig handelt es sich um einen Zufallsbefund in einem Routinelabor. Dennoch können manche auf einen zu hohen Kaliumwert im Blut mit Beschwerden reagieren.

So kann es zu Magen-Darm-Beschwerden mit Koliken und Durchfällen kommen. Zu hohe Kaliumwerte können sich auch in Form von Muskelschwäche, Verwirrtheit und/oder Unruhe äußern. Bei einer schweren Hyperkaliämie besteht die Gefahr von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen.

Ursachen

Die Kaliumkonzentration im Blut unterliegt einer engen Regulation, da die Erregbarkeit der Zellen u. a. über Kalium gesteuert wird: Kalium gehört zu den sog. Elektrolyten und ist entscheidend für die Signalübertragung z. B. zwischen Nerven- und Muskelzellen. Ist die Kaliumkonzentration zu hoch oder zu niedrig, ist diese Signalübertragung gestört. 

Kalium kommt zu einem geringen Anteil von ca. 2 % frei im Blut vor. 98 % des Kaliums befinden sich in Körperzellen, v. a. in Muskelzellen. Die Blutuntersuchung misst den kleineren, freien Anteil von Kalium. Dieser wird durch die Aufnahme von Kalium mit der Nahrung im Darm, durch Ein- und Ausstrom in/aus den Zellen sowie v. a. durch eine genau abgestimmte Ausscheidung mit dem Urin über die Nieren gesteuert.

Hauptursachen

  • Vermehrte Aufnahme von Kalium durch die Nahrung oder durch eine Bluttransfusion
    • Kaliumreiche Nahrungsmittel umfassen insbesondere Bananen, Kartoffeln und Kartoffelprodukte wie Chips, Trockenobst, Zartbitterschokolade und Tomatenmark.
  • Verminderte Ausscheidung von Kalium über die Nieren
  • Große Freisetzung von sonst zellgebundenem Kalium ins Blut, z.B. durch Zellschäden bei Verbrennungen
  • Kaliumerhöhende Medikamenten

Verminderte Kaliumausscheidung

Eine verminderte Ausscheidung von Kalium kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein. Der häufigste Grund ist eine eingeschränkte Nierenfunktion (Niereninsuffizienz). Die Niere kann Kalium nicht mehr genügend in den Urin transportieren, weshalb sich Kalium im Blut ansammelt. Dies kann sowohl bei einem akuten Nierenversagen als auch bei einer chronischen Nierenkrankheit der Fall sein.

Die Ausscheidung von Kalium über die Nieren wird außerdem von Hormonen gesteuert. Bestimmte Hormonstörungen begünstigen eine unzureichende Ausscheidung und damit die Anreicherung von Kalium, z. B. die Addison-Krankheit, bei der es an dem Hormon Aldosteron mangelt.

Medikamente und Vorerkrankungen

Zudem greifen viele Arzneimittel in den Kaliumhaushalt ein, z. B. ACE-Hemmer, Betablocker, sog. kaliumsparende „Wassertabletten“ (Diuretika), nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Heparin.

Auch eine Herzinsuffizienz kann zu einer Hyperkaliämie führen. Bestimmte Herzmedikamente sind dafür bekannt, dass sie bei falscher Dosierung ebenfalls zu einer Hyperkaliämie beitragen, wie die sog. Herzglykoside (Digitalis). Am häufigsten liegt bereits eine Vorerkrankung vor, die durch die zusätzliche Einnahme von kaliumerhöhenden Medikamenten zu einer Hyperkaliämie führt.

Eine Umverteilung des Kaliums aus den Zellen ins Blut kann u. a. durch einen Zelluntergang, z. B. wenn Muskeln durch einen Unfall stark geschädigt wurden (Rhabdomyolyse), bei Verbrennungen, im Rahmen einer Krebstherapie oder nach inneren Blutungen entstehen. Auch ein Insulinmangel wie bei einer Diabetes-Erkrankung und einen dadurch stark erhöhten Blutzucker (Hyperglykämie) kann den Kaliumhaushalt in die Höhe treiben.

Mögliche Messfehler?

Manchmal erhält man bei einer Blutentnahme falsch hohe Kaliumwerte, die durch eine zu lange Stauung mit dem Stauschlauch oder eine falsche Lagerung des Blutröhrchens entstehen können. Wenn die Kaliumwerte in der Vergangenheit immer in Ordnung waren, sollte daher an einen Messfehler gedacht und die Untersuchung wiederholt werden.

Häufigkeit

Bei Betroffenen, die notfallmäßig im Krankenhaus behandelt wurden, zeigte sich in bis zu ca. 10 % der Fälle eine Hyperkaliämie. Dabei waren ältere Menschen häufiger von einer Hyperkaliämie betroffen.

Personen mit einer chronischen Niereninsuffizienz sind in ca. 40–50 % der Fälle von einer Hyperkaliämie betroffen.

Untersuchungen

Patient*innen zeigen oft wenig Symptome. Durchfall, Darmkoliken, Muskelschwäche, Missempfindungen an Armen oder Beinen, Lähmungen, Herzrhythmusstörungen, Herzstolpern, Unruhe und Verwirrung können auftreten.

Die körperliche Untersuchung durch die Ärzt*innen kann Hinweise auf ursächliche Erkrankungen wie eine Herzschwäche, Bluthochdruck bei Nierenschwäche oder eine Krebserkrankung ergeben.

Die wichtigste technische Untersuchung zur Feststellung einer Hyperkaliämie ist eine Blutentnahme mit einer Messung des Serum-Kalium-Werts. Um eine Nierenfunktionsstörung festzustellen, werden außerdem die Nierenwerte bestimmt. Daneben sind der pH-Wert, die Konzentration anderer Elektrolyte (Natrium, Kalzium) Schilddrüsenwerte und der Blutzucker von Bedeutung.

Bei einem erhöhten Serumkalium kann ein EKG Veränderungen aufweisen, die Vorzeichen einer Herzrhythmusstörung sein können.

Sollte es bei einer Untersuchung zu einem unerwartet hohen Kaliumwert kommen, sollte an einen Messfehler gedacht und die Untersuchung wiederholt werden.

Behandlung

Die Therapie der Hyperkaliämie richtet sich nach der Ursache und der Höhe des Serum-Kalium-Wertes.

Bei weniger hohen Kaliumspiegeln erfolgt die Therapie ambulant und richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Medikamente, die eine Erhöhung des Kaliums verursachen, werden, wenn möglich, abgesetzt und durch andere Präparate ausgetauscht. Kaliumhaltige Nahrungsmittel sollten sparsam konsumiert oder gänzlich gemieden werden.

Bei einer leichten Hyperkaliämie reicht es in der Regel aus, die Ernährung umzustellen, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und evtl. Medikamente, die kaliumbindend wirken, einzunehmen. Auch bestimmte „Wassertabletten“ (Diuretika) fördern das Ausschwemmen von Kalium mit dem Urin und können therapeutisch genutzt werden.

Handelt es sich um eine schwere Hyperkaliämie mit Zeichen von Herzrhythmusstörungen, so muss die Therapie unter engmaschiger Überwachung im Krankenhaus erfolgen. Bei Patient*innen mit einer schweren Nierenfunktionsstörung kann eine Dialyse (Blutwäsche) erwogen werden. Ebenfalls erfolgt die Behandlung im Krankenhaus, wenn andere Beschwerden mit Muskellähmungen oder Verwirrtheit aufgrund der Hyperkaliämie auftreten.

Autorin

  • Susanna Allahwerde, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Berlin

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hyperkaliämie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Gerhardt LMS, Angermann CE. Hyperkaliämie. Dtsch Med Wochenschr 2019; 144(22): 1576-84. www.thieme-connect.com
  2. Schnyder A, Hüsler C, Binet I. Hyperkaliämie – was der Hausarzt wissen muss. Praxis 2015; 104(7): 335-40. econtent.hogrefe.com
  3. Arzneimittelkomission der deutschen Ärzteschaft, Arzneiverordnung in der Praxis, Hyperkaliämie im Praxisalltag, 2019, 46, 1-2, 59-64 www.akdae.de
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  6. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Natriumzirkoniumcyclosilicat (Lokelma) bei Hyperkaliämie. Stand Juli 2021. Letzter Zugriff 01.09.2021. www.gesundheitsinformation.de
  7. Rosano GMC, Tamargo J, Kjeldsen KP et al. Expert consensus document on the management of hyperkalaemia in patients with cardiovascular disease treated with renin angiotensin aldosterone system inhibitors: coordinated by the Working Group on Cardiovascular Pharmacotherapy of the European Society of Cardiology. Eur Heart J – Cardiovasc Pharmacother 2018; 4: 180-8. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
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