Hautveränderungen in der Schwangerschaft
Hautveränderungen in der Schwangerschaft
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Was sind Hautveränderungen in der Schwangerschaft?
Definition
Es handelt sich um Hautveränderungen, die während einer Schwangerschaft auftreten. Es gibt drei wesentliche Typen schwangerschaftsbezogener Hautveränderungen:
- typische Hautveränderungen, aufgrund normaler hormoneller Veränderungen in der Schwangerschaft
- schwangerschaftsspezifische Hauterkrankungen
- Bereits bestehende Hauterkrankungen, deren Symptome sich während der Schwangerschaft verstärken oder bessern.
Andere Hauterkrankungen können auch zeitgleich, aber unabhängig von einer Schwangerschaft auftreten und ebenso andere Menschen betreffen.
Typische Hautveränderungen während der Schwangerschaft
Hautveränderungen entstehen aufgrund der Dehnung der Haut und der Hormonumstellung in der Schwangerschaft. Die meisten bilden sich innerhalb einiger Wochen nach Entbindung zurück. Hierzu gehören:
- Schwangerschaftsstreifen (Striae gravidarum)
- Es handelt sich um Dehnungsstreifen in der Haut, die als rosa bis blauviolette Linien oder Bänder am Bauch, am Gesäß, den Brüsten, den Oberschenkeln oder den Armen auftreten.
-
- Die meisten Dehnungsstreifen verblassen und werden zu fleischfarbenen Linien. Nach der Geburt werden sie meist kleiner, verschwinden in der Regel aber nicht vollständig.
- Verstärkte Pigmentbildung
- Der Brustwarzenhof, der Genitalbereich und die senkrechte Bindegewebsnaht (Linea alba) sind am häufigsten betroffen.
- Die sog. Linea alba (lat. weiße Linie) wird zur Linea nigra (schwarze Linie).
- Melasma (Chloasma) sind lokale erhöhte Pigmente, die im Gesicht erscheinen.
- Haar- und Nagelveränderungen
- Erhöhtes oder herabgesetztes Wachstum der Haupt- und Körperbehaarung ist in der Schwangerschaft normal.
- Veränderungen der Blutgefäße, z. B.:
- Erweiterung der kleinen Hautgefäße im Gesicht, am Hals, am Brustkorb und an den Armen (Teleangiektasien, Spidernävi)
- Rötung der Handflächen (Palmarerythem)
- Krampfadern an den Beinen, im Genitalbereich oder Hämorrhoiden.
Vorbestehende Hauterkrankungen
Schon zuvor bestehende Hauterkrankungen können sich während der Schwangerschaft verändern. Nachfolgend sind die häufigsten Hauterkrankungen erwähnt, die durch die Schwangerschaft beeinflusst werden können:
- Psoriasis (Schuppenflechte)
- Verbessert sich oft während der Schwangerschaft, nach Entbindung kann es zum Schub kommen.
- Systemischer Lupus erythematodes
- Verschlechtert sich oft während einer Schwangerschaft und bessert sich danach.
Schwangerschaftsspezifische Hauterkrankungen
- Polymorphe Schwangerschaftsdermatose
- Die Erkrankung tritt im 3. Trimenon oder kurz nach der Geburt auf.
- Sie verursacht starken Juckreiz mit leicht erhabenen, geröteten Knötchen, Ekzemen und teilweise auch Bläschen.
- Der Ausschlag ist oft girlandenförmig, zeigt sich zuerst am Bauch im Bereich der Dehnungsstreifen und breitet sich auf Gesäß und Oberschenkel aus.
- Der Bauchnabel bleibt ausgespart.
- Der Ausschlag heilt meist innerhalb von 4 bis 6 Wochen ab.
- Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Erkrankung ein Risiko für das ungeborene Kind darstellt.
- Eine Behandlung mit kortisonhaltigen Salben (z. B. Hydrokortison) oder antiallergischen Medikamenten wie Loratadin (Antihistaminika) ist während Schwangerschaft und Stillzeit möglich. Bei ausbleibender Besserung kann ein Kortisonpräparat (Prednisolon) als Tablette eingenommen werden. Dies kann allerdings das Risiko für eine Frühgeburt steigern und sollte nur kurzzeitig und niedrig dosiert zur Anwendung kommen.
- Atopische Schwangerschaftsdermatose
- starker Juckreiz
- ekzematöse oder knötchenförmige Hautveränderungen v. a. bei Patientinnen mit Allergien in der Vorgeschichte oder bei Familienangehörigen mit Allergien
- Die Haut ist oft sehr trocken.
- Tritt meist bereits im 2. Trimenon auf.
- In einer Folgeschwangerschaft kommt es oft zum Wiederauftreten.
- Es besteht keine Gefährdung des Kindes.
- Behandlung: Feuchtigkeitsspende oder niedrig dosierte kortisonhaltige Cremes oder Salben. In der Frühschwangerschaft ist eine Behandlung mit UV-B-Strahlen möglich.
- Schwangerschaftsbedingter Gallestau der Leber (intrahepatische Cholestase)
- Typisch ist ein sehr starker Juckreiz ohne Ausschlag v. a. im Bereich der Handflächen und Fußsohlen, im Verlauf möglicherweise auch an den Vorderseiten der Arme und Beine sowie am Bauch und Gesäß.
- Tritt meist im letzten Trimenon auf.
- Aufgrund des starken Juckreizes bestehen oft Kratzspuren, bis hin zu sog. „Juckknoten“.
- Behandlung: Medikamentös mit Ursodesoxycholsäure, dies fördert den Galleabfluss.
- Schwangerschafts-Pemphigoid
- seltene Erkrankung
- Tritt meist ab der 2. Schwangerschaftshälfte, oder kurz nach Entbindung auf
- Zu Beginn besteht ein starker Juckreiz mit roten Knötchen, dann können Plaques (scharf begrenzte, gerötete, leicht erhabene Areale), Bläschen und pralle Blasen folgen
- Das Risiko für Frühgeburtlichkeit und vermindertes fetales Größenwachstum ist erhöht
- Behandlung: Kortisonhaltige Creme, antiallergische und/oder Kortisontabletten
Ursachen
Durch komplexe hormonelle Prozesse kann es zu Veränderungen der Gefäße, des Immunsystems oder des Stoffwechsels kommen, wodurch Hautveränderungen ausgelöst, oder bestehende Hauterkrankungen beeinflusst werden.
Häufigkeit
- Vermehrte lokale Pigmentierung der Haut (Melasmen): bei bis zu 90 % der Schwangeren
- Dehnungsstreifen (Striae distensae): bei bis zu 90 % der Schwangeren
- Krampfadern: bei 35 % der Erstgebärenden und 70 % der Mehrfachgebärenden
- Haar- und Nagelveränderungen: bei der Mehrzahl der Schwangeren
- Polymorphe Schwangerschaftsdermatose: 1:160–1:200
- Atopische Schwangerschaftsdermatose: 1:5–1:20
- Gallestau in der Leber während der Schwangerschaft: 1:50–1:5.000
- Schwangerschafts-Pemphigoid: 1:2.000–1:50.000
Untersuchungen
Die meisten Hautveränderungen in der Schwangerschaft sind Blickdiagnosen und erfordern keine weitergehenden Untersuchungen. Bestehen Unklarheiten, kann z. B. Blut untersucht oder Hautproben genommen werden.
Bestehen juckende Hautveränderungen in der Schwangerschaft, müssen die Symptome weiter abgeklärt werden.
Behandlung
Typische Hautveränderungen wie z. B. Dehnungsstreifen, Melasmen, Veränderungen der Nägel sind aus medizinischer Sicht nicht behandlungsbedürftig. Juckende Hautveränderungen können oft mit Kortisonpräparaten behandelt werden.
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