Hautveränderungen in der Schwangerschaft

Hautveränderungen in der Schwangerschaft

Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren

Was sind Hautveränderungen in der Schwangerschaft?

Definition

Es handelt sich um Hautveränderungen, die während einer Schwangerschaft auftreten. Es gibt drei wesentliche Typen schwangerschaftsbezogener Hautveränderungen:

  1. typische Hautveränderungen, aufgrund normaler hormoneller Veränderungen in der Schwangerschaft
  2. schwangerschaftsspezifische Hauterkrankungen
  3. Bereits bestehende Hauterkrankungen, deren Symptome sich während der Schwangerschaft verstärken oder bessern.

Andere Hauterkrankungen können auch zeitgleich, aber unabhängig von einer Schwangerschaft auftreten und ebenso andere Menschen betreffen. 

Typische Hautveränderungen während der Schwangerschaft

Hautveränderungen entstehen aufgrund der Dehnung der Haut und der Hormonumstellung in der Schwangerschaft. Die meisten bilden sich innerhalb einiger Wochen nach Entbindung zurück. Hierzu gehören:

  • Schwangerschaftsstreifen (Striae gravidarum)
    • Es handelt sich um Dehnungsstreifen in der Haut, die als rosa bis blauviolette Linien oder Bänder am Bauch, am Gesäß, den Brüsten, den Oberschenkeln oder den Armen auftreten. 
Dehnungsstreifen
Dehnungsstreifen
    • Die meisten Dehnungsstreifen verblassen und werden zu fleischfarbenen Linien. Nach der Geburt werden sie meist kleiner, verschwinden in der Regel aber nicht vollständig.
  •  Verstärkte Pigmentbildung
    • Der Brustwarzenhof, der Genitalbereich und die senkrechte Bindegewebsnaht (Linea alba) sind am häufigsten betroffen.
    • Die sog. Linea alba (lat. weiße Linie) wird zur Linea nigra (schwarze Linie).
10359-2-linea-nigra.jpg
Linea nigra
  • Melasma (Chloasma) sind lokale erhöhte Pigmente, die im Gesicht erscheinen.
Melasma
Melasma
  • Haar- und Nagelveränderungen
    • Erhöhtes oder herabgesetztes Wachstum der Haupt- und Körperbehaarung ist in der Schwangerschaft normal.
  • Veränderungen der Blutgefäße, z. B.:
    • Erweiterung der kleinen Hautgefäße im Gesicht, am Hals, am Brustkorb und an den Armen (Teleangiektasien, Spidernävi)
    • Rötung der Handflächen (Palmarerythem)
    • Krampfadern an den Beinen, im Genitalbereich oder Hämorrhoiden.

Vorbestehende Hauterkrankungen

Schon zuvor bestehende Hauterkrankungen können sich während der Schwangerschaft verändern. Nachfolgend sind die häufigsten Hauterkrankungen erwähnt, die durch die Schwangerschaft beeinflusst werden können:

Schwangerschaftsspezifische Hauterkrankungen

  • Polymorphe Schwangerschaftsdermatose
    • Die Erkrankung tritt im 3. Trimenon oder kurz nach der Geburt auf.
    • Sie verursacht starken Juckreiz mit leicht erhabenen, geröteten Knötchen, Ekzemen und teilweise auch Bläschen.
    • Der Ausschlag ist oft girlandenförmig, zeigt sich zuerst am Bauch im Bereich der Dehnungsstreifen und breitet sich auf Gesäß und Oberschenkel aus.
    • Der Bauchnabel bleibt ausgespart.
    • Der Ausschlag heilt meist innerhalb von 4 bis 6 Wochen ab.
    • Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Erkrankung ein Risiko für das ungeborene Kind darstellt.
    • Eine Behandlung mit kortisonhaltigen Salben (z. B. Hydrokortison) oder antiallergischen Medikamenten wie Loratadin (Antihistaminika) ist während Schwangerschaft und Stillzeit möglich. Bei ausbleibender Besserung kann ein Kortisonpräparat (Prednisolon) als Tablette eingenommen werden. Dies kann allerdings das Risiko für eine Frühgeburt steigern und sollte nur kurzzeitig und niedrig dosiert zur Anwendung kommen.
PUPP
Polymorphe Schwangerschaftsdermatose
  • Atopische Schwangerschaftsdermatose
    • starker Juckreiz
    • ekzematöse oder knötchenförmige Hautveränderungen v. a. bei Patientinnen mit Allergien in der Vorgeschichte oder bei Familienangehörigen mit Allergien
    • Die Haut ist oft sehr trocken.
    • Tritt meist bereits im 2. Trimenon auf.
    • In einer Folgeschwangerschaft kommt es oft zum Wiederauftreten.
    • Es besteht keine Gefährdung des Kindes.
    • Behandlung: Feuchtigkeitsspende oder niedrig dosierte kortisonhaltige Cremes oder Salben. In der Frühschwangerschaft ist eine Behandlung mit UV-B-Strahlen möglich.
  • Schwangerschaftsbedingter Gallestau der Leber (intrahepatische Cholestase)
    • Typisch ist ein sehr starker Juckreiz ohne Ausschlag v. a. im Bereich der Handflächen und Fußsohlen, im Verlauf möglicherweise auch an den Vorderseiten der Arme und Beine sowie am Bauch und Gesäß.
    • Tritt meist im letzten Trimenon auf.
    • Aufgrund des starken Juckreizes bestehen oft Kratzspuren, bis hin zu sog. „Juckknoten“.
    • Behandlung: Medikamentös mit Ursodesoxycholsäure, dies fördert den Galleabfluss.
  • Schwangerschafts-Pemphigoid
    • seltene Erkrankung
    • Tritt meist ab der 2. Schwangerschaftshälfte, oder kurz nach Entbindung auf
    • Zu Beginn besteht ein starker Juckreiz mit roten Knötchen, dann können Plaques (scharf begrenzte, gerötete, leicht erhabene Areale), Bläschen und pralle Blasen folgen
    • Das Risiko für Frühgeburtlichkeit und vermindertes fetales Größenwachstum ist erhöht
    • Behandlung: Kortisonhaltige Creme, antiallergische und/oder Kortisontabletten
Schwangerschafts-Pemphigoid. Die Bullae treten häufig zunächst periumbilikal auf, später können erythematöse Papeln, Plaques, Bläschen und große Bullae hinzukommen.
Schwangerschafts-Pemphigoid

Ursachen

Durch komplexe hormonelle Prozesse kann es zu Veränderungen der Gefäße, des Immunsystems oder des Stoffwechsels kommen, wodurch Hautveränderungen ausgelöst, oder bestehende Hauterkrankungen beeinflusst werden.

Häufigkeit

  • Vermehrte lokale Pigmentierung der Haut (Melasmen): bei bis zu 90 % der Schwangeren
  • Dehnungsstreifen (Striae distensae): bei bis zu 90 % der Schwangeren
  • Krampfadern: bei 35 % der Erstgebärenden und 70 % der Mehrfachgebärenden
  • Haar- und Nagelveränderungen: bei der Mehrzahl der Schwangeren
  • Polymorphe Schwangerschaftsdermatose: 1:160–1:200
  • Atopische Schwangerschaftsdermatose: 1:5–1:20
  • Gallestau in der Leber während der Schwangerschaft: 1:50–1:5.000
  • Schwangerschafts-Pemphigoid: 1:2.000–1:50.000

Untersuchungen

Die meisten Hautveränderungen in der Schwangerschaft sind Blickdiagnosen und erfordern keine weitergehenden Untersuchungen. Bestehen Unklarheiten, kann z. B. Blut untersucht oder Hautproben genommen werden.

Bestehen juckende Hautveränderungen in der Schwangerschaft, müssen die Symptome weiter abgeklärt werden.

Behandlung

Typische Hautveränderungen wie z. B. Dehnungsstreifen, Melasmen, Veränderungen der Nägel sind aus medizinischer Sicht nicht behandlungsbedürftig. Juckende Hautveränderungen können oft mit Kortisonpräparaten behandelt werden.

Logo von Deximed

Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.

Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.

In unserer Gesundheitsdatenbank suchen

Inhaltsverzeichnis anzeigen

Wissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Stopp
Gesundheit
Wissen, wann genug ist

Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.


Zum Beitrag
Heuschnupfen
Gesundheit
Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen

Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.


Zum Beitrag
Frau mit Hitzewallung
Gesundheit
Sind das die Wechseljahre?

Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind


Zum Beitrag

Kontaktieren Sie uns

Haben Sie Fragen zu den hausärztlichen Praxen?fragen@team-praxis.de

Zum Kontaktformular

Haben Sie Fragen zum Hausarztprogramm?hausarztprogramm@team-praxis.de

Zum Kontaktformular

Möchten Sie eine detaillierte Beratung zum Programm?Dann rufen Sie uns an.

Jetzt anrufen
TeamPraxisHausärtzinnen- und Hausärzteverband

TeamPraxis ist das Portal der hausärztlichen Praxen in Deutschland. Denn Gesundheit ist Teamsache.

Sie sind Ärzt*in und haben Interesse am Hausarztprogramm?
Informieren Sie sich unter www.hzv.de.