Verengung der Harnröhre

Verengung der Harnröhre

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Was ist eine Verengung der Harnröhre?

Definition

Eine Harnröhrenverengung entsteht meist durch Narbenbildung. Die Erkrankung wird auch Urethrastriktur genannt (Urethra = Harnröhre, Striktur = narbige Verengung).

Symptome

Eine Harnröhrenverengung kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen: Das Wasserlassen ist erschwert, dauert länger, und es kann ein starker Harndrang bestehen. Betroffene müssen öfter zur Toilette gehen – auch nachts. Dennoch haben sie oft das Gefühl, dass Harn in der Blase zurückbleibt. Der Harnstrahl kann deutlich auseinanderweichen, vor allem bei einer Engstelle nah an der Harnröhrenöffnung.

Die Harnröhrenstriktur kann zu Entzündungen der Blase, der Prostata (Prostatitis) oder der Nebenhoden (Epididymitis) führen, evtl. auch der Nieren.

Einige Personen mit einer Harnröhrenstriktur entwickeln zu Beginn der Erkrankung einen akuten Harnverhalt. Das heißt, die Harnentleerung ist nicht mehr möglich. Das ist ein urologischer Notfall.

Ursachen

Einer Harnröhrenverengung geht fast immer eine Verletzung oder Entzündung der Harnröhre voraus, bei deren Heilung Narbengewebe entsteht. Das Narbengewebe kann sich zusammenziehen und damit zu einer Verengung der Harnröhre führen. Dadurch können Schwierigkeiten beim Urinieren auftreten, und eine vollständige Entleerung der Harnblase ist dann oft nicht mehr möglich. Bakterien in der Blase oder Harnröhre können sich leichter vermehren und Entzündungen verursachen. Eventuell kann es im Verlauf durch aufsteigende Entzündungen zu einer Schädigung der Nieren kommen.

Etwa 45 % der Harnröhrenstrikturen entstehen nach ärztlichen Eingriffen. Mögliche auslösende Maßnahmen sind:

  • Anlage eines Dauerkatheters
  • Eingriff an der Blase mit Zugang durch die Harnröhre
  • Behandlung einer Hypospadie (Fehlbildung der Harnröhre)
  • Operative Entfernung der Prostata (Prostatektomie)
  • Strahlentherapie bei Krebs mit einer Strahlenquelle direkt am oder im Gewebe (Brachytherapie)

In etwa 20 % der Fälle ist die Ursache eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) durch Bakterien. Unter anderem kann eine unbehandelte Gonorrhö (Tripper) ursächlich sein, eine sexuell übertragbare Erkrankung.

Etwa jeder dritte Fall bleibt unklar. Vermutlich liegt die Ursache oft länger zurück. Mögliche Ursachen sind auch kleinere Verletzungen, etwa eine Dammverletzung beim Fahrradfahren.

Seltene Ursachen sind Hauterkrankungen (Lichen sclerosus) an der Harnröhrenöffnung oder ein Harnröhrenabriss durch einen Beckenbruch bei einem Unfall.

Häufigkeit

  • Knapp 1 von 100 Männern ist betroffen.
  • Die Häufigkeit steigt mit dem Alter exponentiell.
  • Frauen sind nur sehr selten betroffen.

Untersuchungen

In der Hausarztpraxis

Im Arztgespräch schildern Sie Ihre Beschwerden. Anschließend folgt in der Regel eine kurze Untersuchung der Harnröhrenöffnung und der umliegenden Haut. Eine Ultraschalluntersuchung kann zeigen, ob die Blase vollständig entleert wird und ob die Nieren unauffällig sind. Möglicherweise werden Sie um eine Urinprobe gebeten, etwa zur Abklärung, ob ein bakterieller Infekt vorliegt.

Wenn sich der Verdacht auf eine Harnröhrenstriktur ergibt, erhalten Sie eine Überweisung zur Facharztpraxis für Urologie.

Bei Spezialist*innen

Untersuchungen zur genaueren Bestimmung der Harnröhrenenge:

  • Messung des Harnstrahls (Uroflowmetrie)
  • Blasenspiegelung mit Beurteilung der Harnröhre (retrograde Zysturethrografie)
  • Dies kann evtl. kombiniert werden mit einer Röntgenuntersuchung während des Wasserlassens (Miktionszysturetrografie).

Behandlung

Aufdehnung (Bougierung)

Bei diesem Eingriff wird die Engstelle schrittweise aufgedehnt. Diese Methode ist relativ sanft. Der Eingriff kann ambulant und ohne Narkose durchgeführt werden. Innerhalb von 2 Jahren entwickeln allerdings bis zu 85 % der Behandelten eine erneute Harnröhrenverengung.

Harnröhrenschlitzung (Urethrotomie)

Die Urethrotomie ist ein Schnitt in der Harnröhre. Der Eingriff wird endoskopisch durchgeführt, also mit einem schlauchförmigen Instrument von der Harnröhre aus. Nach dem Eingriff wird ein Katheter über mehrere Tage angelegt, um die Harnröhre offen zu halten. Der Eingriff wird oft ambulant durchgeführt oder im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthalts.

Nach der Urethrotomie kann es innerhalb von 4 Jahren bei 40–85 % der Behandelten zu einer erneuten Harnröhrenverengung kommen.

Offene Harnröhrenrekonstruktion

Falls es nach einer Bougierung oder Urethrotomie zu einer erneuten Striktur kommt, wird in der Regel offen operiert. Es gibt viele Verfahren, um die Harnröhre zu rekonstruieren. Die Auswahl hängt u. a. davon ab, welcher Abschnitt betroffen ist und wie lang die Verengung ist. Mögliche Verfahren sind:

  • Operative Vergrößerung im Bereich der vorderen Harnröhre. Dazu wird Mundschleimhaut oder ein Penishauttransplantat verwendet. Der langfristige Erfolg liegt bei mehr als 80 %.
  • Operative Entfernung der Striktur und anschließendes Verbinden der gesunden Abschnitte miteinander (End-zu-End-Anastomose). Je nach Lage beträgt die langfristige Heilungschance dann bis zu 90 %.
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