Guillain-Barré-Syndrom

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Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?

Definition

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven und Nervenwurzeln, die sich durch eine fortschreitende Lähmung und Taubheitsgefühle äußert. Meist mit Beginn an den Beinen entwickelt sich eine symmetrische fortschreitende Schwäche der Arme und Beine mit Verschlechterung über meist 2–3 Wochen, maximal 4 Wochen. In sehr schweren Fällen kann es zu einem lebensbedrohlichen Verlauf mit Lähmungen der Atem- und Schluckmuskulatur oder Herzrhythmusstörungen kommen.

Symptome

Frühsymptome können Kribbeln und Brennen in Händen und Füßen sein oder auch Schmerzen. Dann tritt eine zunehmende Schwäche auf, meist zunächst in den Beinen, oft begleitet von Gangunsicherheit oder -unfähigkeit. Die Lähmungen breiten sich innerhalb weniger Tage symmetrisch aus, aufsteigend von den Beinen zu den Armen und evtl. der Atemmuskulatur. Meistens dauert es 2 Wochen (max. 4 Wochen), bis die Erkrankung ihren Höhepunkt erreicht hat.

In schweren Fällen kann die Lähmung die Atemmuskulatur betreffen und zu Atemnot führen. Auch Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen, Blasenentleerungsstörungen oder ein Darmverschluss können durch die Beteiligung des vegetativen Nervensystems hinzukommen.

Falls Hirnnerven (Nerven, die u. a. die Gesichtsmuskeln steuern) betroffen sind, kann es auch zu Lähmungen der Augenmuskeln mit Auftreten von Doppelbildern, zu Schluckstörungen oder einer Gesichtslähmung (Fazialisparese) kommen.

Ursachen

Die Ursache des Syndroms ist vermutlich eine Autoimmunreaktion. Antikörper, die eigentlich Krankheitserreger bekämpfen, richten sich gegen die Nervenwurzeln im Rückenmark sowie gegen Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. In etwa 60 % der Fälle ging dem Guillain-Barré-Syndrom ein akuter Infekt voraus. Das heißt, 1–2 Wochen vor Beginn der Lähmungen hatten die Betroffene eine Atemwegsinfektion oder einen Magen-Darm-Infekt.

Insbesondere nach Kontakt mit bestimmten Erregern können vom Immunsystem produzierte Antikörper fälschlicherweise die schützende Hülle der Nerven angreifen. Eine häufige Ursache ist eine Darminfektion mit Campylobacter jejuni. Auch weitere Erreger können die Krankheit auslösen, u. a.:

Seltener kann die Autoimmunreaktion durch eine Operation, bestimmte Medikamente (zur Krebs- oder Rheumatherapie) oder Schwangerschaft ausgelöst werden. Sehr selten kann das Guillain-Barré-Syndrom durch eine Impfung ausgelöst werden. Nach einer Impfung gegen Grippe (Influenza) beträgt das Risiko 1 zu 1 Mio.

Häufigkeit

  • In Deutschland treten bis zu 1,9 Fälle pro 100.000 Personen pro Jahr auf.
  • Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, auch Kinder können betroffen sein. Die Häufigkeit nimmt mit zunehmendem Alter zu.
  • Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Untersuchungen

Die Diagnose wird anhand der Krankengeschichte der Betroffenen und der Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung gestellt. Bei der Untersuchung werden das Ausmaß Lähmungen untersucht sowie die Muskelreflexe und Gefühlsstörungen überprüft. Wichtig ist die Kontrolle von Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung. Um eine Beeinträchtigung der Herzfunktion zu überprüfen, wird evtl. ein EGK aufgezeichnet.

In der Klinik werden eine Antikörperbestimmung im Blut, eine Untersuchung der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) sowie elektrophysiologische Messungen der Nerven durchgeführt. Zur Abklärung können weitere Untersuchungen notwendig sein.

Behandlung

Bei Verdacht auf ein Guillain-Barré-Syndrom ist eine notfallmäßige Krankenhauseinweisung in eine Klinik mit Intensivstation erforderlich. Ziel der Therapie ist, Symptome zu lindern, Komplikationen zu verhindern und die Rückbildung der Lähmungen zu beschleunigen. Bei schwerem Krankheitsverlauf kann eine Beatmung auf Intensivstation oder die Versorgung mit einem Herzschrittmacher nötig sein.

Bei mittelschwerem und schwerem Krankheitsverlauf werden entweder Antikörper verabreicht oder eine Blutwäsche (Plasmapharese) durchgeführt. Beide Behandlungsformen sind ungefähr gleich wirksam und reduzieren die Beatmungszeit und die Zeit bis zum Widererlangen der Gehfähigkeit.

Sobald sich der Zustand verbessert, sollte möglichst bald mit einer Rehabilitationsbehandlung begonnen werden.

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