Epiduralblutung
Epiduralblutung
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Was ist eine Epiduralblutung?
Definition
Eine Epiduralblutung ist eine lebensbedrohliche Blutung innerhalb des Schädels. Dabei sammelt sich Blut zwischen der Innenseite des Schädelknochens und der äußeren Hirnhaut. Ein Bluterguss wird auch Hämatom genannt. Man spricht auch von einem Epiduralhämatom.
Die drei Hirnhäute schützen und stabilisieren das Gehirn. Die äußere Hirnhaut ist die harte Hirnhaut. Sie heißt Dura mater. Sie liegt dem Schädelknochen an. Bei einer Epiduralblutung sammelt sich Blut zwischen der Dura mater und dem Schädelknochen. Das Blut hebt die Dura mater vom Knochen ab. Dazwischen entsteht ein blutgefüllter Raum. Er heißt Epiduralraum.
Symptome
Viele betroffene Personen verlieren aufgrund der Kopfverletzung zunächst das Bewusstsein. Nach dem Aufwachen fühlen sich viele Personen vergleichsweise gut (symptomfreies Intervall). Anschließend kommt es z. B. zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Die meisten Personen leiden unter einer unvollständigen Lähmung der rechten oder linken Körperhälfte (Hemiparese). Die Pupillen können unterschiedlich groß sein (Anisokorie). Auch epileptische Anfälle und (erneute) Bewusstseinsstörungen sind möglich. Die meisten Patient*innen haben durch den Unfall weitere Verletzungen.
Bei einigen Personen verursacht ein Epiduralhämatom keine Beschwerden.
Ursachen
Meistens ist die Ursache eine Verletzung des Schädels, die zu einer Funktionsstörung bzw. Verletzung des Gehirns führt (Schädel-Hirn-Trauma, SHT). Solche Verletzungen entstehen etwa bei Stürzen, bei Sportunfällen und bei Verkehrsunfällen. Der Aufprall liegt oft im Bereich der Schläfe (temporal) oder des Scheitels (parietal). Ein Aufprall im Stirnbereich (frontal) ist seltener. Der Bereich des Rückenmarks ist sehr selten betroffen.
- Arterielle Blutung: In bis zu 90 % der Fälle wird eine Arterie verletzt. Meist handelt es sich um die Arteria meningea media („mittlere Hirnhaut-Arterie”). Die Arteria meningea media leitet Blut zu großen Teilen der Dura mater und des Schädelknochens.
- Venöse Blutung: In ca. 10 % liegt eine venöse Blutung vor. Dann kommt es häufiger zu einem chronischen Verlauf. Verschiedene Venen und venöse Blutgefäße (Sinus) können betroffen sein.
Nicht-traumatische Ursachen sind selten, aber sie kommen vor:
- Blutgerinnsel in einer Gehirnvene oder einem Sinusgefäß (zerebrale Sinus- und Venenthrombose)
- Absiedelungen von Tumoren im Schädelknochen oder in der Dura mater (Schädel- und Durametastasen)
- Operation einer Blutung zwischen der Dura mater und der mittleren Hirnhaut (Subduralhämatom)
- Nasennebenhöhlenentzündung der Keilbeinhöhle (Sinusitis sphenoidalis)
- Sichelzellanämie (erbliche Form der Blutarmut)
- Gerinnungsstörungen
Bei Kindern handelt es sich meist um ein schweres Trauma, bei dem der Schädel entlang seiner Längsachse verletzt wird.
Oft kommt es zu Begleitverletzungen. Die meisten Patient*innen erleiden einen Bruch der Schädelknochen (Schädelfraktur). Bis zu 50 % leiden unter weiteren Verletzungsfolgen innerhalb des Schädels: Oft bildet sich nicht nur ein Hämatom über der Dura mater, sondern auch eines darunter (Subduralhämatom). Auch eine Blutung im Gehirn kann auftreten (intrazerebrale Blutung). Außerdem kann sich Flüssigkeit im Gehirn einlagern (Hirnödem). Ein Hirnödem lässt den Hirndruck zusätzlich ansteigen.
Die Anfälligkeit für ein Epiduralhämatom steigt,
- wenn die betroffene Person ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat,
- wenn die betroffene Person gerinnungshemmende Medikamente einnimmt („Blutverdünner“),
- wenn die betroffene Person unter Blutgerinnungsstörungen leidet,
- wenn in der Vorgeschichte eine neurochirurgische Operation durchgeführt wurde.
Häufigkeit
Ein Epiduralhämatom entsteht bei etwa 2 % aller Schädel-Hirn-Traumata. Bei einem mittelschweren bis schweren Schädel-Hirn-Trauma sind es ungefähr 10 %. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Am häufigsten sind Personen im Alter von 20–30 Jahren betroffen.
Untersuchungen
Ggf. erfolgen eine erste Untersuchung des Kopfes und eine neurologische Beurteilung am Unfallort. Es werden Puls, Atmung, Sauerstoffsättigung und Blutdruck überwacht. Der Bewusstseinszustand wird anhand der Glasgow Coma Scale beurteilt und im Verlauf wiederholt kontrolliert. Der Unfallhergang wird möglichst geklärt, und die Symptome werden festgestellt. Der Körper wird auf Begleitverletzungen hin untersucht.
Zeichen einer lebensbedrohlichen Situation bei einem Schädel-Hirn-Trauma
- Erweiterte Pupillen, gestörte Pupillenreaktion auf Licht
- Unvollständige Halbseitenlähmung (Hemiparese)
- Krampfartige Beuge-/Streckreaktion der Gelenke bei einem Schmerzreiz (Beuge- und Strecksynergismen)
- Instabiles Herz-Kreislauf-System
Bei Spezialist*innen
- Computertomografie (CT): In der Regel sollte bei einem Schädel-Hirn-Trauma eine CT des Schädels (cCT) gemacht werden. Dies geht meist schnell. Eine cCT ist besonders wichtig bei Koma, Bewusstseinstrübung oder anderen neurologischen Störungen, bei Gedächtnisverlust (Amnesie), Erbrechen nach dem Trauma und bei einem epileptischen Anfall. Gleiches gilt für Anzeichen auf eine Schädelfraktur, Gerinnungsstörungen, eingedrungene Fremdkörper und dann, wenn sich der Zustand der Person verschlechtert. Außerdem sollte eine cCT unbedingt durchgeführt werden, wenn Hirnwasser aus der Nase oder einem Ohr austritt (Liquorfistel).
- Kontroll-cCT: Oft wird zur Kontrolle später erneut eine cCT gemacht.
- Ultraschall (Sonografie): Dies ist v. a. eine Möglichkeit bei Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre. Ultraschall führt zu keiner Strahlenbelastung.
- Blutentnahme: Es wird u. a. ein Blutbild erstellt, und die Blutgerinnung wird überprüft.
- Eine Magnetresonanztomografie (MRT) ist für Akutsituationen in der Regel weniger geeignet. Sie dauert eher lange und ist nicht immer verfügbar.
Einweisung ins Krankenhaus
Nach einer Kopfverletzung ist in diesen Fällen eine notfallmäßige Krankenhauseinweisung nötig:
- Koma oder Bewusstseinstrübung
- Gedächtnisverlust (Amnesie)
- Andere neurologische Störungen
- Epileptischer Anfall
- Anzeichen für eine Schädelfraktur (aufgrund der Symptome oder aufgrund von Röntgenbildern)
- Verdacht auf Verletzungen durch Fremdkörper (penetrierende Verletzung)
- Verdacht auf Austritt von Hirnwasser aus der Nase oder aus dem Ohr
- Erbrechen im zeitlichen Zusammenhang zur Gewalteinwirkung
- Anzeichen auf Gerinnungsstörungen bzw. anhaltende Blutungen aus oberflächlichen Verletzungen
Bei Kindern zusätzlich:
- Bei starken, anhaltenden Kopfschmerzen
- Bei Verdacht auf Kindesmisshandlung mit Wiederholungsgefahr
- Bei jedem Zweifel, z. B. weil das Kind sich ungewöhnlich verhält (besonders bei Kindern unter 2 Jahren).
Behandlung
Eine Epiduralblutung nimmt Platz ein (Raumforderung) und verdrängt das Gehirngewebe. Deswegen kann der Hirndruck steigen. Nervenzellen reagieren jedoch empfindlich auf Druck. Sie können innerhalb weniger Minuten unwiderruflich geschädigt werden. Auch die Begleitverletzungen können sehr gefährlich sein. Daher kann jede Minute zählen.
Wenn nötig und möglich, beginnt die Behandlung deswegen noch am Unfallort. Äußere Blutungen werden gestillt. Die Atmung und der Kreislauf können unterstützt werden. Bei entsprechend schweren Verletzungen wird die Person anschließend mit dem Rettungswagen oder mit der Luftrettung ins Krankenhaus gebracht. Im Krankenhaus werden betroffene Patient*innen operiert. Wenn sie weniger schwer verletzt sind, werden sie auf einer Station engmaschig überwacht.
Operation
Zur Behandlung ist meist eine Notoperation nötig. Sie findet möglichst bald nach einer Computertomografie statt. Die Operation soll eine weitere Hirnschädigung begrenzen. Bei dem neurochirurgischen Eingriff wird der Schädel geöffnet (Kraniotomie). Anschließend wird das Hämatom ausgeräumt (Hämatomevakuation). Außerdem sollen blutende Gefäße verschlossen werden. Danach wird der Schädel, wenn möglich, wieder verschlossen. Dazu kann ggf. das entfernte Knochenstück wieder eingesetzt werden.
Es kann sein, dass die betroffene Person auch nach der Operation unter Beschwerden leidet. In diesem Fall kann u. U. eine Rehabilitation oder Frührehabilitation begonnen werden.
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