Echokardiografie

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Echokardiografie – was ist das? 

Eine Echokardiografie ist eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Herzens. Umgangssprachlich wird oft auch von einem „Herzecho” gesprochen. Die Echokardiografie gilt als wichtigstes nichtinvasives Bildgebungsverfahren für das Herz. Nichtinvasiv heißt, dass kein Katheter und keine Geräte in den Körper gebracht werden.

Bei einer Echokardiografie kommt es im Gegensatz zu einer CT (Computertomografie) zu keiner Strahlenbelastung. Und im Vergleich zu einer MRT (Magnetresonanztomografie) ist der technische Aufwand gering.

Allein in Deutschland werden jedes Jahr mehrere Millionen solcher Untersuchungen vorgenommen. Die entsprechenden Geräte sind in allen auf das Herz spezialisierten Krankenhausabteilungen und Praxen vorhanden. Neben Herzspezialist*innen können auch dafür ausgebildete Allgemeinmediziner*innen eine Echokardiografie vornehmen.

Vorgehen

Dabei wird ein mit einem Computer verbundener Schallkopf von außen auf die Brust aufgesetzt. Die Untersuchung ist schmerzfrei und ohne Strahlenbelastung.

Technisch gesehen funktioniert das Verfahren so:  Der Schallkopf sendet nicht hörbare Ultraschallwellen aus. Treffen sie auf Körpergewebe, entsteht ein Echo, das wiederum vom Schallkopf aufgefangen wird. Nach der Verarbeitung im Computer werden die Signale in Echtzeit als Schwarz-Weiß- oder Farbbilder auf einem Bildschirm dargestellt. Da die verschiedenen Arten von Körpergewebe eine unterschiedliche Dichte aufweisen, variieren die Schallsignale (Echos) je nach Organ und Gewebetyp. So lassen sich auf den Bildern verschiedene Gewebearten und Organe gut voneinander unterscheiden.

Die empfangenen Ultraschallsignale liefern dann verschiedene Informationen:

  • Über die Größe der Herzkammern, ob etwa eine der Kammern unnormal vergrößert ist.
  • Über die Dicke der Herzwände
  • Über die Pumpleistung der Herzkammern
  • Über die Struktur und Funktion der Herzklappen
  • Über den Blutfluss im Herzen und in den umliegenden Venen und Arterien

Auch etwaige Blutgerinnsel (Thromben), Tumore oder Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel (Perikarderguss) können auf diese Weise erkannt werden. Außerdem lassen sich chirurgische Eingriffe am Herzen mithilfe der Echokardiografie steuern, etwa die Implantation von Herzklappen-Prothesen. Auch eine Darstellung des gesamten Herzens in Schnittbildern ist möglich. Durch eine Zoom-Funktion können zudem einzelne Strukturen sehr detailliert dargestellt werden.

Einsatz

Typische Anlässe für eine Echokardiografie sind: Herzschwäche, Klappenfehler, Entzündungen der Klappen oder Herzmuskeln, Atemnot vor allem bei Belastung, Bluthochdruck.

Im Notfall ist die Echokardiografie ein entscheidendes Verfahren bei Luftnot oder Schmerzen der Brust.

Spezielle Verfahren

Doppler-Echokardiografie/Farb-Doppler-Echokardiografie

Mit Doppler-Verfahren kann die Flussgeschwindigkeit des Blutes genau erfasst werden, z. B. vor oder nach den Herzklappen. Speziell das Farb-Doppler-Verfahren dient dazu, den Fluss des Blutes auch mehrfarbig darzustellen, um z. B. den Blutrückfluss durch eine undichte Klappe besser zu erkennen. Insgesamt wird die Dopplerechokardiografie vor allem eingesetzt, um Erkrankungen der Herzklappen aufzuspüren oder unnormale Verbindungen zwischen dem venösen und arteriellen Blutkreislauf (Shunt) oder Löcher in den Herzkammern.

3D-Echokardiografie

Dabei werden spezielle Schallköpfe eingesetzt, um die Strukturen des Herzens dreidimensional darzustellen. Einen besonderen Nutzen hat das Verfahren u. a. zur genauen Bestimmung der Größe der Herzhöhlen, der räumlichen Darstellung der Herzklappen und der Beurteilung von Shunts. Eingesetzt wird es zudem zur Steuerung bestimmter Herzkatheter-Eingriffe.

Stressechokardiografie

Dabei wird die Ultraschalluntersuchung des Herzens während und nach starker Anstrengung vorgenommen. Entweder wird ein Fahrradergometer eingesetzt oder ein Medikament intravenös verabreicht, das das Herz anregt und körperliche Anstrengung „simuliert“. Mithilfe der Stressechokardiografie lässt sich dann gut erkennen, ob das Herz ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, und wie Herzmuskel und Herzklappen bei Anstrengung funktionieren.

Kontrastechokardiografie

Durch eine Gabe von Kontrastmitteln während der Untersuchung lässt sich die Darstellung der Bilder vom Herzen in einigen Fällen noch verbessern. Das gilt insbesondere für die Darstellung von Shunts (Defekte in der Trennwand zwischen den Vorhöfen oder zwischen den Herzkammern), der inneren Schicht der Herzwand sowie manche Blutgerinnsel und Tumore.

Transösophageale Echokardiografie

Bei dieser besonderen Form der Echokardiografie wird der Schallkopf über die Speiseröhre (Ösophagus) in die Nähe des Herzens gebracht. Der Vorteil des Verfahrens ist, dass die Vorhöfe des Herzens, die Herzklappen und bestimmte Abschnitte der Hauptschlagader (Aorta) damit sehr gut sichtbar gemacht werden können. Angeraten ist eine Echokardiografie über die Speiseröhre u. a. bei Verdacht auf eine bakterielle Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) oder eine Aussackung der Hauptschlagader (Aortenaneurysma).

Wie läuft eine Untersuchung ab?

Einer besonderen Vorbereitung auf eine Untersuchung bedarf es nicht. Während der Untersuchung liegen Sie auf der linken Körperseite, der Oberkörper ist leicht angehoben, den linken Arm halten Sie hinter den Kopf. Dadurch erweitern sich die Räume zwischen den einzelnen Rippen, was die Qualität der Bildgebung verbessert. Womöglich liegen Sie auch auf einer speziellen Echoliege, die über eine Aussparung in der Höhe des Brustkorbs verfügt, um den Schallkopf im Bereich der Herzspitze optimal aufsetzen zu können. Grundsätzlich wird ein Gel auf die Haut aufgetragen, damit der Ultraschall möglichst störungsfrei in den Körper hinein und wieder aus dem Körper hinaus übertragen wird. Um die gewünschten Bilder des Herzens zu erhalten, wird der Schallkopf auf verschiedene Bereiche des Brustkorbs und Oberbauchs aufgesetzt. Oft werden noch EKG-Elektroden aufgeklebt, um gleichzeitig ein EKG abzuleiten. Die Untersuchung dauert etwa 15 bis 30 Minuten. 

Die Durchführung einer transösophagealen Echokardiografie ähnelt einer Magenspiegelung. Das heißt, die Betroffenen erhalten ein Beruhigungsmittel und der Rachen wird z. B. durch Betäubungsspray schmerzfrei gemacht. Anders als ein normales Herzecho bedarf ein solcher Eingriff einer gesonderten Aufklärung und der ausdrücklichen Einwilligung der Patient*innen. Sie müssen 4–6 Stunden vor der Untersuchung nüchtern bleiben, Wasser ist bis 2 Stunden vor der Untersuchung erlaubt.

Autor

  • Claus Peter Simon, Wissenschaftsjournalist, Hamburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Echokardiografie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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