Bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms
Bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren
Was ist eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms?
Definition
Bei dieser Erkrankung überwuchern sonst harmlose Dickdarmbakterien den Dünndarm. Bakterielle Fehlbesiedlung wird nach ihrem englischen Namen auch SIBO genannt (Small Intestinal Bacterial Overgrowth).
Symptome
Patient*innen leiden unter Bauchbeschwerden, etwa wässrigem Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen. Oft spannt sich der Bauch und Flatulenzen treten auf. Langfristig kann die Fehlbesiedlung die Aufnahme von Nährstoffen im Darm stören, was als Malabsorption bezeichnet wird. Dann kommt es zu Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen. Diese sind abhängig davon, welche Stoffe der Darm noch aufnehmen kann.
- Eine Malabsorption von Kohlenhydraten führt zu Blähungen und später zu Laktoseintoleranz.
- Können Fette nicht aufgenommen werden, dann kommt es zu Fettstuhl – und es besteht das Risiko von Vitaminmangel, weil die Vitamine A, D, E und K fettlöslich sind. Vitamin-A-Mangel schädigt die Augen und führt zu Nachtblindheit, während Vitamin-D-Mangel die Knochen schwächt (Osteomalazie). Vitamin-E-Mangel beeinträchtigt das Nervensystem. Bei Vitamin-K-Mangel wird die Blutgerinnung gestört, es kommt zu Blutungen.
- Auch Vitamin B12 und Eisen können fehlen und die Bildung von roten Blutkörperchen stören. Ein Mangel an roten Blutkörperchen heißt Blutarmut (Anämie). Betroffene Personen haben blasse Haut und Schleimhäute.
Ursachen
Im gesunden Dünndarm befinden sich viel weniger Bakterien als im Dickdarm – und der Körper kontrolliert die Zahl der Bakterien. Zum Beispiel tötet der saure Magensaft Bakterien aus der Nahrung ab. Auch der Verdauungssaft der Bauchspeicheldrüse und die Gallensäure aus der Leber machen Bakterien unschädlich. Beide Substanzen werden im oberen Abschnitt des Dünndarms abgegeben. Im unteren Teil hilft die Anatomie: Eine Art Klappe lässt Nahrung aus dem Dünn- in den Dickdarm, aber nicht umgekehrt. Sollten doch einige der zahlreichen Bakterien die Klappe überwinden, dann transportiert der Darm sie mit dem Nahrungsbrei wieder zurück. Auch eine gesunde Darmschleimhaut und ein starkes Immunsystem schützen vor einer Fehlbesiedlung.
Es kommt zur Fehlbesiedlung, wenn Verdauungssäfte fehlen, die Anatomie verändert ist oder der Darm zu träge arbeitet.
- Magensäure, Enzyme, Gallensalze: Einige Medikamente bremsen die Produktion von Magensäure, z. B. Omeprazol. Bei chronischer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) stellt diese weniger Enzyme her. Bei Erkrankungen wie Leberzirrhose und Hepatitis produziert die Leber zu wenig Galle. Im Alter sinkt die Produktion von Magensäure, das Risiko steigt.
- Anatomie: Dünndarmdivertikel und Veränderungen der Klappe zwischen Dünn- und Dickdarm stellen eine problematische Anatomie dar, sind jedoch eher selten. Auch nach Operationen kann sich der Darm verziehen und verengen.
- Transport: Nicht nur Medikamente bremsen den Darm (z. B. Opiate), sondern auch Erkrankungen wie diabetische Neuropathie und systemische Sklerose („Sklerodermie“).
- Darmwand: Grunderkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beschädigen die Darmwand und erhöhen ebenfalls das Risiko für eine Fehlbesiedlung.
- Immunsystem: Ein schwaches Immunsystem kann den Bakterien zu wenig entgegensetzen.
- Reizdarmsyndrom: Es ist unklar, ob das Reizdarmsyndrom zu SIBO führt. Einige Patient*innen mit Reizdarmsyndrom profitieren von einer SIBO-Therapie.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
SIBO kann bei Ihnen vorliegen, wenn Sie etwa unter Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall leiden und andere Ursachen ausgeschlossen sind, denn Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Zöliakie können sich ähnlich äußern.
Es sollte geklärt werden, ob Sie ein erhöhtes Risiko für eine Fehlbesiedlung haben, beispielsweise durch Medikamenteneinnahme. Ihre Blutwerte werden beurteilt. Wichtig ist es dabei, einen eventuellen Vitaminmangel aufzudecken. Blutarmut (Anämie) aufgrund der verringerten Aufnahme von Vitamin B12 kann ein Hinweis sein. Manchmal bestätigt sich der Verdacht aber erst durch einen erfolgreichen Therapieversuch.
Wenn bei Ihnen der Verdacht auf eine Fehlbesiedlung vorliegt, erhalten Sie eine Überweisung an eine Facharztpraxis für Gastroenterologie.
Atemtest
Wenn Dickdarmbakterien in den Dünndarm wandern, beginnen sie, bestimmte Moleküle zu produzieren. Eines dieser Moleküle ist Wasserstoff (H2), der sich im Körper verteilt und von Ihnen ausgeatmet wird. Diesen Wasserstoff kann man in der Atemluft messen. Zuvor erhalten Sie ein süßes Getränk, das einen Zucker enthält, den die Bakterien verstoffwechseln. Bei dem Zucker handelt es sich um Glukose (Traubenzucker) oder Laktulose.
Endoskopie
In der Regel wird keine Magen- oder Darmspiegelung durchgeführt. Selten kann dies jedoch sinnvoll sein. In diesem Fall wird bei der Spiegelung eine Probe des Dünndarminhalts entnommen und auf Bakterien hin untersucht.
Behandlung
Medikamente
Antibiotika sind der wichtigste Bestandteil der Behandlung. Ein Antibiotikum ist ein Medikament, das Bakterien abtötet. Zur Therapie der Fehlbesiedlung dienen etwa Amoxicillin und Doxycyclin. Oft wird Rifaximin verschrieben. Nach 7–10 Tagen Therapiedauer klingen die Beschwerden meist für einige Monate ab.
Die Behandlung der Grunderkrankung ist wichtig, um die Wahrscheinlichkeit für ein Wiederauftreten zu verringern. Wenn dagegen ein Medikament als Auslöser unter Verdacht steht, sollten Sie es nach Absprache nicht mehr einnehmen. Sie können dann beispielsweise ein Medikament erhalten, das die Darmaktivität anregt (Metoclopramid).
Ernährung
Ihre Ernährung sollten Sie anpassen. Fehlbesiedelnde Bakterien gedeihen durch fermentierbare Stoffe wie Fruktose (Fruchtzucker) und Laktose (Milchzucker). Daher sollten Sie auf diese Stoffe verzichten. Dies kann beispielsweise im Rahmen der FODMAP-armen Ernährung gelingen, auch wenn die Wirksamkeit bei Fehlbesiedlung noch nicht sicher nachgewiesen worden ist. Falls Sie unter Fettstuhl leiden, können Sie Ihre Ernährung mit mittelkettigen Fettsäuren anreichern (z. B. in Kokosfett und Palmkernöl). Eine Wirkung von Probiotika wie Laktobazillen ist noch nicht belegt.
Operation
Eine Operation ist nur dann sinnvoll, wenn anatomische Auslöser wie Fisteln oder Divertikel vorliegen. Dies ist selten der Fall.
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.
Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.
In unserer Gesundheitsdatenbank suchen
Inhaltsverzeichnis anzeigenWissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Wissen, wann genug ist
Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.
Zum Beitrag

Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen
Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.
Zum Beitrag

Sind das die Wechseljahre?
Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind
Zum Beitrag