Vergrößerte Brustdrüsen bei Männern (Gynäkomastie)

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Was sind vergrößerte Brustdrüsen bei Jungen und Männern?

Die Vergrößerung einer oder beider Brustdrüsen bei Männern aufgrund von vermehrtem Drüsengewebe nennt man Gynäkomastie. Eine vergrößerte Brust bei Jungen und Männern kann auch durch eine Fettansammlung im Brustbereich bedingt sein und wird dann als Lipomastie oder Pseudogynäkomastie bezeichnet.

Die Erscheinung ist bei den meisten Jungen in der Pubertät harmlos und geht wieder vorüber. Bei Erwachsenen kann sie jedoch auf eine Erkrankung hindeuten. Bei 1/4 der Betroffenen kann keine Ursache gefunden werden.

Häufigkeit

  • Bis zu 90 % der männlichen Neugeborenen haben vergrößerte Brustdrüsen, die sich innerhalb von 4 Wochen zurückbilden.
  • Rund 60 % aller Jungen in der Pubertät haben vorübergehend vergrößerte Brustdrüsen, besonders im Alter von 14 Jahren. 
  • Ab etwa dem 50. Lebensjahr steigt der Anteil der Männer mit Gynäkomastie.

Was kann die Ursache sein?

Häufige und meist nicht behandlungsbedürftige Ursachen 

  • Physiologische Gynäkomastie
    • Vergrößerte Brustdrüsen sind bei neugeborenen Jungen und Jungen im jugendlichen Alter normal, können aber auch bei Männern über 50 Jahren auftreten.
    • Die Brustdrüse bildet sich bei Neugeborenen innerhalb von 4 Wochen zurück.
    • Über die Hälfte aller Jungen in der Pubertät bekommt vergrößerte Brustdrüsen, die durch die hormonellen Veränderungen hervorgerufen werden. Der typische Verlauf beginnt im Alter von 13–14 Jahren und verschwindet nach 6 Monaten bis 2 Jahren von selbst wieder.
  • Anhaltende Gynäkomastie in der Pubertät
    • Wenn die Symptome nach 2 Jahren oder nach Vollendung des 17. Lebensjahrs noch bestehen, sollte eine Untersuchung eingeleitet werden.
    • Die häufigsten Ursachen der nicht-physiologischen Gynäkomastie sind die Einnahme bestimmter Medikamente oder Drogen oder eine zugrunde liegende Erkrankung.

Häufige Ursachen mit möglichem Behandlungsbedarf

  • Einnahme von Medikamenten
    • An zweiter Stelle der Ursachen für nicht-physiologische Gynäkomastie steht die Einnahme von Medikamenten oder Drogen.
    • Häufige Ursachen sind Neuroleptika, antiretrovirale Medikamente zur Behandlung von HIV, Antiandrogene zur Behandlung von Prostataerkrankungen sowie Spironolacton. Auch bestimmte Kosmetika, z. B. östrogenhaltiges Haarwasser, können eine Brustdrüsenvergrößerung verursachen.
    • Wenn Sie diese Medikamente absetzen, normalisiert sich das Brustgewebe innerhalb von 3 Monaten wieder.
  • Drogen
    • Anabolika führen oft zu einer dauerhaften Vergrößerung der Brustdrüsen.
    • Ebenso kann der Konsum von Cannabis, Heroin oder Alkohol eine Brustdrüsenvergrößerung zur Folge haben.
  • Schrumpfleber (Leberzirrhose)
    • Die häufigste Ursache dafür ist Alkoholmissbrauch.
    • Eine reduzierte Leberfunktion führt dazu, dass Östrogen schlechter abgebaut wird, wodurch es zu einem erhöhten Östrogenspiegel kommt.

Seltene Ursachen 

  • Hypogonadismus, z. B. Klinefelter-Syndrom
    • Die Hoden produzieren zu wenig Testosteron.
    • Die Erkrankung ist selten, sollte aber bei Jugendlichen mit anhaltender Brustdrüsenvergrößerung in Betracht gezogen werden.
    • Die Hoden sind klein. Die sekundären Geschlechtsmerkmale, wie z. B. Schambehaarung, fehlen. Das einzige Anzeichen kann eine vergrößerte Brustdrüse sein.
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
    • Bei 10–40 % aller betroffenen Männer tritt eine vergrößerte Brustdrüse auf.
  • Hodenkrebs
    • Diese Erkrankung kann zu einer veränderten Produktion der Geschlechtshormone führen.
    • Meistens sind Männer im Alter von 20–40 Jahren betroffen.
    • Dabei fühlt sich der Hoden fest an und ist meist nicht schmerzempfindlich. Bei manchen Patienten kann sich die Brust vergrößern.
  • Chronische Nierenkrankheit
    • Verschiedene Faktoren führen zu einem Testosteronmangel bei fortgeschrittenen Nierenerkrankungen. Dadurch können sich die Brustdrüsen vergrößern.
  • Brustkrebs bei Männern
    • Brustkrebs ist bei Männern sehr selten. Nur rund 1 % aller Brustkrebs-Betroffenen sind Männer.
    • Trotzdem sollte die Erkrankung vor allem bei einseitiger Brustvergrößerung ausgeschlossen werden.
    • Männer mit Klinefelter-Syndrom haben im Vergleich zu anderen Männern ein 16- bis 30-mal höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.
  • Selten sind andere hormonproduzierende Tumoren die Ursache, z. B. Nebennierentumore.

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

Wenn Sie sich hinsichtlich der Ursache unsicher sind und starke Beschwerden haben, sollten Sie ärztlichen Rat suchen.

Untersuchungen

  • Bei einer allgemeinen körperlichen Untersuchung wird auf Anzeichen einer Erkrankung geachtet.
  • Die Brust wird abgetastet und der Verlauf der Brustdrüsenvergrößerung kontrolliert.
  • In vielen Fällen sind keine weiteren Untersuchungen notwendig.
  • Ggf. werden Blut- und Hormonuntersuchungen durchgeführt.
  • Je nach Verdacht auf bestimmte Grunderkrankungen können Ultraschall- oder Röntgenaufnahmen veranlasst werden.
  • Das Klinefelter-Syndrom kann mit einer Chromosomenanalyse nachgewiesen werden.

Behandlung

  • In den meisten Fällen ist keine Behandlung erforderlich. Vergrößerte Brustdrüsen in der Pubertät bilden sich in der Regel innerhalb von 2 Jahren von selbst zurück.
  • Wenn die Brustdrüsenvergrößerung durch Medikamente ausgelöst wird, verschwindet sie nach dem Absetzen der Medikamente wieder. 
  • Zugrunde liegende Erkrankungen sollten behandelt werden.
  • Wenn keine Ursache gefunden wird, kann eine anhaltende Brustdrüsenvergrößerung in einer kosmetischen Operation korrigiert werden.
  • Vermeiden Sie mechanische Irritationen, die zu einer Schwellung der Brustdrüse führen können.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Gynäkomastie . Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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