Axiale Spondyloarthritis
Axiale Spondyloarthritis
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Was ist die axiale Spondyloarthritis?
Definition
Die axiale Spondyloarthritis (Morbus Bechterew) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis, die hauptsächlich die Wirbelsäule, aber auch Gelenke befällt. Viele Betroffene leiden auch an Entzündungen der Sehnenansätze.
Symptome
Die axiale Spondyloarthritis ist durch entzündliche Veränderungen im Iliosakralgelenk (zwischen Kreuzbein und Darmbein) gekennzeichnet. Typisch sind chronische Schmerzen im unteren Rücken und Steifigkeit am Morgen. Die Erkrankung beginnt häufig schleichend. Eine Rückenversteifung tritt oft nach dem Ruhen oder morgens nach dem Schlafen auf. Auch Rückenschmerzen, die durch Bewegung gelindert werden, finden sich häufig. Zusätzlich können Gelenkschmerzen auftreten.
Bei einigen Patient*innen entzündet sich die Regenbogenhaut des Auges, was zu geröteten, tränenden und schmerzenden Augen führt. Auch allgemeine Krankheitssymptome können vorkommen.
Die axiale Spondyloarthritis tritt häufig zusammen mit Psoriasis (Schuppenflechte) oder mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn auf.
Ursachen
Viele Faktoren spielen bei der Entstehung der Erkrankung eine Rolle, u. a. genetische Veranlagung. Das Auftreten eines bestimmten Gewebetyps mit dem humanen Leukozytenantigen (Abkürzung HLA-B27) wird mit der Krankheit in Verbindung gebracht. Von allen Personen, die an axialer Spondyloarthritis erkranken, weisen 80–95 % solches Gewebe auf; es kommt jedoch auch bei der gesunden Bevölkerung vor.
Rauchen, behandlungsbedürftige Atemwegsinfektionen und schwere körperliche Arbeit erhöhen das Risiko für die Erkrankung.
Häufigkeit
Die Beschwerden beginnen in der Regel vor dem 45. Lebensjahr. Die Erkrankung tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen. Etwa 0,3–0,5 % der Bevölkerung in Deutschland sind betroffen.
Untersuchungen
Die Diagnose wird auf Grundlage der Krankengeschichte, der Befunde der ärztlichen Untersuchung und bildgebender Verfahren gestellt. Andere Ursachen für die Beschwerden sollten ausgeschlossen werden.
Bei der Rückenuntersuchung wird oft ein gerader Lendenbereich und eine erhöhte Krümmung im oberen Rücken festgestellt. Wenn der untere Rücken abgetastet wird, können Schmerzen auftreten. Die Beweglichkeit in der Lendenregion ist oftmals reduziert, sowohl beim Vorbeugen als auch beim seitlichen Beugen des Rückens. Eine Messung des Brustumfangs beim Ein- und Ausatmen zeigt in späteren Krankheitsstadien eine verminderte Beweglichkeit des Brustkorbs an.
Labor
- Der Nachweis des Gewebeantigens HLA-B27 in Blutuntersuchungen verstärkt den Verdacht auf die Krankheit.
- Bei etwa der Hälfte der Patient*innen sind Entzündungswerte (CRP, BSG) im Blut erhöht.
Bildgebende Untersuchungen
- Die Wirbelsäule und die Gelenke zwischen Becken und Rückgrat (Iliosakralgelenk) werden geröntgt. Die Röntgenbefunde sind charakteristisch und erlauben dadurch eine sicherere Diagnose. Veränderungen im Röntgenbild zeigen sich allerdings oft erst im späteren Krankheitsverlauf.
- Magnetresonanztomografie-Untersuchungen (MRT) können frühzeitig eine Entzündung der Gelenke zwischen Rückgrat und Becken nachweisen. Eine MRT wird daher bevorzugt bei jüngeren Patient*innen eingesetzt, bei denen die Symptome erst seit kurzer Zeit bestehen.
Behandlung
Das Behandlungsziel ist es, die Entzündung zu verringern, Beschwerden möglichst vollständig zu lindern, Fehlstellungen zu verhindern und die körperliche Funktionsfähigkeit sowie allgemeine Lebensqualität zu verbessern.
Physiotherapie
- Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.
- Um die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhalten, wird eine angeleitete Bewegungstherapie empfohlen.
- Auch eine manuelle Therapie zur Mobilisation kann hilfreich sein.
Medikamentöse Behandlung
- Häufig werden sog. nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Diese wirken entzündungshemmend und schmerzstillend und unterdrücken die Krankheit bis zu einem gewissen Grad.
- Wenn zusätzlich eine Gelenkentzündung besteht, werden entzündungshemmende Medikamente (bevorzugt Sulfasalazin) zur Langzeitbehandlung verschrieben.
- Bei einer akuten Gelenkentzündung kann auch Kortison in das betroffene Gelenk gespritzt werden.
- Wenn die Symptome mit anderen Maßnahmen nicht unter Kontrolle gebracht werden, können sog. Biologika (z. B. TNF-Alpha-Blocker) eingesetzt werden. Diese reduzieren die Aktivität des Immunsystems.
Operation
- Bei einem stark deformierten Rücken kann eine Operation erwogen werden, um die Wirbelsäule aufzurichten.
- Ein Großteil der Patient*innen entwickelt eine Hüftgelenksarthrose und benötigt in der Folge eine Hüftprothese.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Axiale Spondyloarthritis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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