Atelektase
Atelektase
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Was ist eine Atelektase?
Definition
Bei einer Atelektase fällt ein Teil der Lunge teilweise oder komplett in sich zusammen. Dadurch kann sich dieser Teil des Lungengewebes beim Einatmen nicht mehr mit Luft füllen. Es entsteht ein Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxämie).
Meist ist nur ein kleiner Lungenabschnitt davon betroffen. Es ist also ein Teil der kleinen Lungenbläschen verschlossen. Der Großteil der Lungenbläschen bleibt jedoch weiterhin geöffnet, sodass die Atmung zwar erschwert, aber noch möglich ist.
Symptome
Kleine Atelektasen verursachen meist keine Symptome. Bei großen Atelektasen haben Betroffene u. U. Luftnot (Dyspnoe), möglicherweise atmen sie schneller als normal (Tachypnoe). Es kann sich eine Blaufärbung an den Fingern, den Zehen oder den Lippen entwickeln (Zyanose – Zeichen für einen Sauerstoffmangel im Blut).
Ursachen
Atelektasen können verschiedene Ursachen haben. Einige Ursachen führen dazu, dass die Bronchien von innen verstopfen (intraluminale obstruktive Atelektasen). Dazu zählen z. B. Fremdkörper in der Lunge, viel Sekret bei Infektionen oder Grunderkrankungen wie Mukoviszidose (zystische Fibrose, eine Stoffwechselerkrankung), Tumore oder angeborene Fehlbildungen.
Geschwollene Lymphknoten, Veränderungen an den Blutgefäßen oder eine Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose) können die Bronchien von außen zusammendrücken und damit eine Atelektase verursachen.
Ein anderer Grund für eine Atelektase ist das Zusammendrücken von Lungengewebe (Kompression des Lungenparenchyms). Verantwortlich dafür kann eine Ansammlung von Flüssigkeit (Pleuraerguss) oder Luft (Pneumothorax) im Spalt zwischen dem Lungenfell und dem Rippenfell sein. Auch eine Zwerchfelllähmung kann eine Atelektase begünstigen.
Wenn Patient*innen nach einer Operation aufgrund von Schmerzen nicht tief durchatmen, können sich ebenfalls Atelektasen bilden (postoperativ). Im Rahmen eines akuten Lungenversagens, bei schweren Infektionen der Lunge, einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder Beinahe-Ertrinken kann es auch zu einer Atelektase kommen.
Besonders bei länger beatmeten Patient*innen gibt es häufig Atelektasen. Das liegt u. a. an dem Zusammendrücken der Lunge durch die Lagerung der Patient*innen im Bett sowie an der fehlenden Bewegung des Zwerchfells. Auch Beatmung mit einem hohen Sauerstoffanteil erhöht das Risiko für eine Atelektase.
Häufigkeit
9 von 10 Patient*innen entwickeln während bzw. nach einer Operation unter Allgemeinnarkose eine Atelektase. Auch beatmete Patient*innen weisen oft Atelektasen auf. Das kann z. B. während einer Behandlung auf der Intensivstation oder nach einer Operation geschehen.
Untersuchungen
Wenn Sie unter Luftnot leiden und z. B. vor kurzem operiert worden sind, kann eine Atelektase ein Grund für die Beschwerden sein. In der körperlichen Untersuchung wird gemessen, wie schnell Sie atmen. Außerdem wird die Lunge abgeklopft und abgehört. Die Ärzt*innen überprüfen auch, ob sich die Haut oder Schleimhäute bläulich verfärbt haben (Zyanose) als Zeichen eines Sauerstoffmangels im Blut (Hypoxämie).
Zusätzlich wird die Sauerstoffsättigung im Blut, z. B. über einen Clip am Finger oder am Ohr, gemessen (Pulsoxymetrie). Für eine genaue Analyse der Blutgase Sauerstoff (O2) und Kohlenstoffdioxid (CO2) wird Blut aus einer Schlagader, z. B. am Handgelenk, abgenommen (arterielle Blutgasanalyse).
Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder CT vervollständigen die Untersuchung und sichern die Diagnose einer Atelektase. Wenn der Verdacht besteht, dass etwas die Bronchien von innen blockiert, kann eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) erforderlich sein.
Sehr kleine Atelektasen werden manchmal nur zufällig im Röntgenbild entdeckt, wenn aus einem anderen Grund ein Röntgenbild gemacht wird.
Behandlung
Das Ziel der Behandlung ist die Beseitigung der Atelektase.
Entsteht die Atelektase im Rahmen einer Operation, bildet sie sich häufig innerhalb von 24 Stunden zurück. Ist eine Grunderkrankung die Ursache für die Atelektase, sollte die Grunderkrankung behandelt werden. Wenn es Hinweise auf eine Infektion mit Bakterien gibt, sollte eine antibiotische Behandlung begonnen werden.
Auch Atem-Physiotherapie kann dabei helfen, dass sich die Lunge wieder gut entfalten kann. Nach einer Operation brauchen Patient*innen eine ausreichende Behandlung der Schmerzen, um eine Schonatmung zu vermeiden. Zudem sollten Betroffene rasch mithilfe der Physiotherapie in Bewegung gebracht werden (Mobilisation).
Autorin
- Lara Kolk, Dr. med., Ärztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin, Bad Schwartau
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Atelektase. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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