Zittern
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Was versteht man unter Zittern?
Unter Zittern versteht man rhythmische Bewegungen verschiedener Körperteile. Rhythmisches, unwillkürliches Zittern wird in der medizinischen Fachsprache als Tremor bezeichnet.
Tremor wird einerseits anhand der klinischen Eigenschaften kategorisiert, d. h., ob Vorerkrankungen oder Risiken bestehen oder das Zittern nur in bestimmten Situationen wie in Ruhe, Bewegung oder einer bestimmten Körperhaltung auftritt:
- Ruhetremor: Zittern, wenn sich das betreffende Körperteil in Ruhe befindet, z. B. wenn die Hände entspannt im Schoß liegen.
- Haltetremor: Zittern in Körperteilen, die aktiv in einer bestimmten Position gehalten werden, z. B. ausgestreckte Arme.
- Intentionstremor: Zittern bei gezielten Bewegungen, z. B. beim Trinken aus einem Glas.
Andererseits erfolgt die Einteilung danach, ob das Zittern im Zusammenhang mit einer Krankheit, erblich bedingt oder ohne identifizierbare Ursache auftritt. Der essenzielle Tremor (beidseitiger Halte- und Aktionstremor) ist mit einer Häufigkeit von 0,9–5,1 % die häufigste Bewegungsstörung überhaupt. In Deutschland sind mindestens 75.000 Personen betroffen. Die Häufigkeit nimmt mit steigendem Alter zu.
Was kann die Ursache sein?
Häufige, nicht behandlungsbedürftige Ursachen
Verstärkter physiologischer Tremor
- Ein leichtes Hintergrundzittern der Gliedmaßen ist bei allen Menschen zu finden.
- Es kann durch Angst, Aufregung, Krankheiten oder Medikamente/Medikamentenentzug verstärkt werden.
- Besteht das merkbar verstärkte Zittern seit Wochen bis Monaten, ist vor Behandlungsbeginn eine Ursachensuche notwendig. Diese Ursache ist meist behandelbar, gegebenenfalls ist eine neurologische Untersuchung zum Ausschluss eines essenziellen Tremors nötig.
Häufige Ursachen, die möglicherweise behandlungsbedürftig sind
Essenzieller Tremor
- Ein essenzieller Tremor wird diagnostiziert, wenn seit mindestens 3 Jahren ein beidseitiges Zittern der Hände vorliegt.
- Er beginnt an der dominanter Hand mit unleserlicher Schrift und zunehmender Beeinträchtigung von Tätigkeiten wie Trinken aus der Kaffeetasse. Im Verlauf wird das Zittern zunehmend symmetrisch.
- Oft wird eine familiäre Häufung und eine vorübergehende Symptombesserung unter Alkoholkonsum beobachtet.
- Am häufigsten sind Halte- und Bewegungstremor.
Parkinson-Krankheit
- Morbus Parkinson tritt in der Regel bei Personen über 60 Jahre auf und verschlechtert sich im Lauf der Zeit.
- Typische Symptome sind der Verlust des Mitschwingens der Arme beim Gehen, der Verlust der Mimik und eine monotone Stimme.
- Physiologisch beruht Parkinson auf einem Dopamin-Mangel.
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
- Diese Erkrankung tritt deutlich häufiger bei Frauen als bei Männern auf.
- Typische Symptome sind Zittern, Gewichtsverlust, Schwitzen und Schlaflosigkeit.
Chronischer Alkoholismus
- Häufig kommt es nach längerem Alkoholkonsum zu einem Zittern der Hände.
- Ursache eines Tremors kann ebenso ein Alkoholentzug sein.
- Meist bessern sich die Symptome nach Einnahme von geringen Mengen Alkohol mit einem Rückfall nach 3–4 Stunden.
Durch Arzneimittel ausgelöster Tremor
- Zu den auslösenden Medikamenten zählen u. a. Lithium, Amphetamine und Steroide. Auch Koffein kann Zittern auslösen.
- Bei Benzodiazepin- oder Drogenabhängigkeit kann Zittern als Entzugssymptom auftreten.
Seltene Ursachen, die möglicherweise eine Behandlung erfordern
Erkrankungen des Gehirns
- Ein psychogener Tremor beginnt meist plötzlich und kann genauso plötzlich oder bei Ablenkung aufhören.
- Es treten unübliche klinische Kombinationen von Ruhe-, Halte- und Bewegungstremor auf.
- Andere Ursachen für diese Art des Zitterns könnten auch ein Schlaganfall oder Hirntumor sein.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
- Wenn das Zittern plötzlich stärker wird und im Alltag deutlich auffällt, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen.
- Auch wenn Sie das Zittern einschränkt oder eine Belastung darstellt, sollten Sie sich ärztlich beraten lassen.
Untersuchungen
- Wichtig ist eine genaue Beschreibung, seit wann, in welchen Situationen und wie das Zittern auftritt.
- Begleitsymptome, Zittern bei Familienangehörigen, Medikamenteneinnahme oder Alkoholkonsum können ebenfalls Hinweise auf die Ursache geben.
- Eine körperliche Untersuchung zeigt, um welchen Typ von Tremor es sich handelt und ob Anzeichen für typische Grunderkrankungen vorhanden sind.
- Eine Schriftprobe kann Hinweise auf eine Parkinson-Krankheit geben.
- Es werden neurologische Untersuchungen und – abhängig von der vermuteten Diagnose – eventuell Bluttests durchgeführt.
- Bei Verdacht auf bestimmte Erkrankungen kann eine Untersuchung per MRT erforderlich sein.
- Bei Kindern mit Tremor, Unsicherheit bezüglich der Einteilung des Tremors, abruptem Beginn ohne eruierbare Ursache oder essenziellem Tremor, der sich unter Therapie nicht bessert, erfolgt eine Überweisung an eine neurologische Praxis.
Behandlung
- Ein essenzieller Tremor kann durch Medikamente oder elektrische Hirnstimulation behandelt werden.
- Sind Medikamente die Ursache für das Zittern, werden diese (vorübergehend) abgesetzt oder ihre Dosis reduziert.
- Wird der Tremor durch eine zugrunde liegende Erkrankung wie Parkinson ausgelöst, wird diese behandelt.
Autor
- Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Zittern (Tremor). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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