Wirbelkörperfraktur
Wirbelkörperfraktur
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Was ist eine Wirbelkörperfraktur?
Definition
Die Wirbelsäule verläuft vom Kopf bis zum Steißbein und besteht aus 33 Wirbeln. Im Rückenmarkskanal in der Wirbelsäule verlaufen Nervenbahnen (Rückenmark).
Bei einer Wirbelkörperfraktur sind ein oder mehrere Wirbelkörper gebrochen. Die Frakturen werden anhand ihrer Ausprägung und der Beteiligung des Rückenmarks in stabil und instabil unterteilt:
- Bei einer stabilen Wirbelkörperfraktur ist der vordere Teil des Wirbelkörpers gebrochen, und es sind keine Nerven oder Nervenbahnen gefährdet. Die zerbrochenen Wirbelstrukturen können sich nicht verschieben.
- Bei einer instabilen Wirbelkörperfraktur ist ein großer Teil des hinteren Wirbelabschnitts oder alle Teile eines Wirbels gebrochen. Es besteht eine große Gefahr, dass sich die gebrochenen Wirbelkörperstrukturen gegeneinander verschieben, was zu einer Rückenmarksschädigung führen kann oder bereits zu einer Schädigung geführt hat.
Symptome
Eine Wirbelkörperfraktur geht mit akuten Rückenschmerzen einher, die auf einen bestimmten Bereich begrenzt sind. Sie sind oft so stark, dass Betroffene sich schlecht oder nicht mehr bewegen können.
Wurde durch den Knochenbruch das Rückenmark oder Nerven beschädigt, so können Lähmungen, Gefühlsstörungen und Harn- oder Stuhlinkontinenz auftreten. Diese Symptome hängen u. a. von der Höhe des verletzten Wirbels ab.
Etwa 2/3 der Wirbelkörperfrakturen durch Osteoporose verursachen keine Symptome.
Ursachen
Bei jungen Erwachsenen sind Wirbelkörperfrakturen häufig durch eine schwere Verletzung bedingt, z. B.:
- Verkehrsunfälle: Etwa 30 % der Patient*innen, die sich dabei mehrere schwere Verletzungen zugezogen haben (Polytrauma), haben auch eine Verletzung der Wirbelsäule.
- Stürze aus großer Höhe
- Sportverletzungen
Eine Wirbelkörperfraktur kann auch im Rahmen anderer Erkrankungen ohne größere Krafteinwirkung auftreten, z. B. bei einem Sturz aus dem Stand, manchmal sogar nur bei Alltagstätigkeiten:
- Osteoporose (vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren)
- Krebserkrankungen mit Knochenmetastasen
Bestimmte Medikamente erhöhen ebenfalls das Risiko für eine Wirbelkörperfraktur, darunter:
- hochdosiertes Kortison über mehrere Monate
- Antihormontherapie mit Aromatasehemmern, z. B. bei Brustkrebs
- Glitazone (blutzuckersenkende Medikamente) bei Frauen
- Medikamente zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion (Suppressionstherapie)
- Arzneimittel gegen Epilepsie (Antiepileptika)
Häufigkeit
Schätzungen zufolge kommt es pro Jahr zu 10.000 schwerwiegenden Wirbelsäulenverletzungen durch Unfälle, davon 2.000 an der Halswirbelsäule und 8.000 an der Brust- und Lendenwirbelsäule.
Mit dem Alter nehmen Wirbelkörperfrakturen aufgrund von Osteoporose zu: Ab dem 50. Lebensjahr treten sie pro Jahr bei 0,6 % der Männer und 1,1 % der Frauen auf. Das bedeutet, dass etwa jede 3. Frau und jeder 5. Mann über 50 Jahre im weiteren Leben eine Wirbelkörperfraktur bekommt.
Untersuchungen
Körperliche Untersuchung
Typisch für eine Wirbelkörperfraktur ist ein starker, lokal begrenzter Schmerz beim Abklopfen der Wirbelsäule. Ein weiterer Hinweis ist, wenn Patient*innen einen Schmerz in der Wirbelsäule durch die Erschütterung spüren, wenn sie sich auf die Zehenspitzen stellen und auf die Fersen fallen lassen.
Außerdem werden die Bewegungsfähigkeit, die Schmerz- und Berührungsempfindlichkeit sowie Reflexe der Beine und, bei höhergelegener Verletzung im Bereich der Halswirbelsäule, auch der Arme untersucht. Schmerzen, die von einer oder mehreren Nervenwurzeln im Bereich der Wirbelsäule ausstrahlen, sowie Lähmungen, Gefühlsstörungen und krankhafte Reflexe sind Anzeichen einer Wirbelkörperfraktur mit Schädigung von Nerven und/oder Rückenmark.
Eine Wirbelkörperfraktur durch Osteoporose macht häufig keine Beschwerden. Sie kann u. U. äußerlich erkennbar sein, wenn die Wirbelkörper deutlich an Höhe verloren haben und sich „tannenbaumähnliche“ Hautfalten am Rücken gebildet haben. Dazu kommt es bei einem Zusammenbrechen des Wirbelkörpers (Kompressionsfraktur). Solche Frakturen sind in der Regel stabil und verursachen keine Schädigung von Nervenbahnen.
Personen mit vermuteter Wirbelsäulenverletzung und Gefühlsstörungen, Lähmungserscheinungen oder mit Verdacht auf eine (drohende) Rückenmarksverletzung werden notfallmäßig in ein Unfallkrankenhaus eingewiesen, das für die Versorgung von Wirbelsäulen- und Rückenmarksverletzungen geeignet ist.
Bildgebende Untersuchungen
Durch Röntgenuntersuchungen lässt sich die Fraktur meist nachweisen. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) wird durchgeführt, wenn das Röntgenbild ein unklares Ergebnis liefert oder um Nervenverletzungen und andere Ursachen wie Knochenmetastasen zu identifizieren. Alternativ kann eine Computertomografie (CT) erfolgen, um ein genaueres Bild der Knochenstrukturen zu liefern.
Weitere Untersuchungen
Bei Verdacht auf Osteoporose und andere Krankheiten, die der Fraktur zugrunde liegen, folgen Blutuntersuchungen sowie eine Überweisung an Fachärzt*innen für Orthopädie, z. B. um eine Knochendichtemessung vorzunehmen.
Behandlung
Je nach Ausprägung wird eine Wirbelkörperfraktur durch Orthopäd*innen oder im Krankenhaus weiterbehandelt.
Konservative Behandlung
Eine stabile Wirbelkörperfraktur, z. B. eine Kompresisonsfraktur durch Osteoporose, kann häufig konservativ behandelt werden, d. h. ohne Operation, durch
- anfangs Bettruhe (so kurz wie möglich)
- Schmerzmittel, z. B. Novaminsulfon in Kombination mit Tramadol, bis Bewegung wieder möglich ist.
- Physiotherapie
- Orthese zur Stabilisierung der Wirbelsäule und um ungünstige Bewegungen zu vermeiden.
Eine vorliegende Osteoporose wird leitliniengerecht behandelt.
Operation
Bei instabilen Frakturen, einer Schädigung von Nerven oder Rückenmark oder wenn unter konservativer Behandlung weiter starke Schmerzen bestehen, erfolgt meist eine Operation. Dabei wird die Fraktur nach Möglichkeit stabilisiert und Nerven werden entlastet. Dafür werden Schrauben oberhalb und unterhalb der Bruchstelle eingesetzt und ggf. Knochengewebe entfernt, das auf das Rückenmark drückt (Dekompression). Bei einer Kompressionsfraktur aufgrund einer Osteoporose kann der gebrochene Wirbelkörper durch Einspritzen von Knochenzement wieder aufgerichtet werden.
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