Trypanosomiasis (afrikanische Schlafkrankheit)
Trypanosomiasis (afrikanische Schlafkrankheit)
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Was ist die afrikanische Schlafkrankheit (Trypanosomiasis)?
Definition
Die afrikanische Trypanosomiasis (umgangssprachlich „Schlafkrankheit“) ist eine Tropenkrankheit, die vor allem das Lymphsystem und das zentrale Nervensystem befällt. Die Krankheitserreger Trypanosoma brucei gambiense und Trypanosoma brucei rhodesiense werden durch den Stich der Tsetse-Fliege übertragen.
Unbehandelt verläuft die Schlafkrankheit nahezu immer tödlich, durch eine frühzeitige Behandlung kann die Krankheit jedoch geheilt werden.
Symptome
Der Stich der Tsetse-Fliege ist schmerzhaft, die Einstichstelle kann anschwellen, jucken und gerötet sein.
Der Krankheitsverlauf ist abhängig vom auslösenden Erreger. Bei einer Infektion mit Trypanosoma brucei gambiense ist der Krankheitsverlauf milder und langsamer, bei einer Infektion mit Trypanosoma brucei rhodesiense in der Regel schneller und ausgeprägter. Oft tritt bei Trypanosomiasis rhodiense an der Einstichstelle eine Hautveränderung (sog. „Trypanosomenschanker“) auf, die einem Abszess ähnelt und 2–3 Wochen bestehen bleiben kann. Häufig entwickeln sich hohes Fieber (40–41 °C) und eine Lymphknotenschwellung in der Nähe der Einstichstelle.
Die Erkrankung verläuft in zwei Stadien: Im ersten Stadium treten Malaria-ähnliche Symptome mit hohem Fieber, Gelenkschmerzen und Juckreiz auf, später entwickeln sich eine Blutarmut (Anämie) und Herz- und Nierenerkrankungen, evtl. auch ein ringförmiger und juckender Hautausschlag.
In zweiten Stadium greift der Parasit das zentrale Nervensystem an: Müdigkeit, Apathie, Schlafstörungen, Persönlichkeitsveränderungen und neurologische Beschwerden kommen hinzu. Koma und Tod können eintreten.
Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung) beträgt bei Trypanosoma brucei rhodesiense 1–3 Wochen und bei Trypanosoma brucei gambiense Wochen oder Monate.
Ursachen
Die Krankheit wird durch zwei Arten des Parasiten Trypanosoma brucei – Trypanosoma brucei gambiense und Trypanosoma brucei rhodesiense – verursacht und durch den Stich der Tsetse-Fliege übertragen. Die Fliege ist etwa doppelt so groß wie eine Stubenfliege und ähnelt einer Bremse. Sie greift in großen Schwärmen an und sticht vor allem tagsüber im Freien. Es gibt 23 Arten der Tsetse-Fliege, von denen nur wenige Arten die Krankheit auf den Menschen übertragen (weniger als 10 %).
Eine Übertragung der Schlafkrankheit ist auch über Kratzwunden oder die Schleimhäute des Auges, Bluttransfusionen oder Transplantationen sowie während Schwangerschaft und Geburt von der Mutter auf das Kind möglich.
Trypanosoma gambiense kann durch den Stich der Tsetse-Fliege von Mensch zu Mensch übertragen werden, während Trypanosoma rhodesiense eine reine Zoonose ist, also eine Erkrankung, die vom Tier auf den Menschen übertragen wird.
Gefährdet sind Menschen, die sich in den Gebieten, in denen die Erkrankung auftritt, aufhalten – vor allem in den Nationalparks in Ostafrika. Besonders die Landbevölkerung, Farmer*innen, Jäger*innen und Mitarbeiter*innen von Hilfsorganisationen sind betroffen, weniger die Tourist*innen.
Häufigkeit
- Die afrikanische Schlafkrankheit tritt endemisch (örtlich begrenzt) in Afrika auf, ca. 70 Mio. Menschen sind in diesen Gebieten dem Risiko einer Infektion ausgesetzt.
- Trypanosoma brucei gambiense (West- und Zentralafrika) ist für ca. 92 % der Fälle und Trypanosoma brucei rhodesiense (Ost- und Südafrika) für ca. 8 % der Fälle verantwortlich.
- Die Zahl der Neuerkrankungen ging in den letzten 20 Jahren um ca. 97 % zurück.
- 2018 wurden ca. 1.000 Fälle gemeldet.
- Die Krankheit kommt bei Europäer*innen kaum vor, Tourist*innen infizieren sich nur selten.
Untersuchungen
Bei einem Aufenthalt in Risikogebieten und entsprechenden Symptomen sollte an die Erkrankung gedacht werden. Hinweisend können eine mehrere Tage nach dem Stich zunehmende Schwellung und ggf. eine Hautveränderung (sog. „Trypanosomenschanker“) an der Einstichstelle, Fieber oder eine Lymphknotenschwellung sein.
Die Erreger der Schlafkrankheit können durch Untersuchungen des Bluts, der Lymphknoten oder der Gehirn-Rückmark-Flüssigkeit (Liquorpunktion) nachgewiesen werden. Die Liquorpunktion sollte bei Verdacht auf eine Enzephalitis (Hirnentzündung) erfolgen, um einen Befall des Zentralnervensystems auszuschließen.
Da die afrikanische Trypanosomiasis eine schwer zu stellende Diagnose ist und die Behandlung mit Medikamenten erfolgt, die relativ viele Nebenwirkungen aufweisen, sollten Diagnostik, Behandlung und Überwachung dieser Patient*innen in spezialisierten Kliniken erfolgen.
In Gebieten, die von der Schlafkrankheit betroffen sind, wird der Schnelltest CATT (Card Agglutination Trypanosomiasis Test) zur Früherkennung auf eine Infektion mit Trypanosomiasis gambiense eingesetzt.
Behandlung
Die Schlafkrankheit wird medikamentös behandelt. Da diese Medikamente (sog. Antiparasitika) relativ viele Nebenwirkungen haben, werden die Patient*innen in den meisten Fällen im Krankenhaus behandelt.
Die Behandlung der Trypanosomiasis gambiense und Trypanosomiasis rhodesiense unterscheiden sich, und die Therapie hängt auch davon ab, in welchem Stadium sich die Infektion befindet.
Autorin
- Ulrike Boos, Redakteurin von Deximed, Freiburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Trypanosomiasis (Schlafkrankheit). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Krishna S, Lindner A. Human African trypanosomiasis: Epidemiology, clinical manifestations, and diagnosis. UpToDate, last updated Oct 2023. www.uptodate.com
- World Health Organization. Trypanosomiasis, human African (sleeping sickness). Fact Sheet. May 2023. www.who.int
- Robert Koch-Institut. Trypanosomiasis, afrikanische Form (Schlafkrankheit). In: Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten. Stand 2011. www.rki.de
- Tropeninstitut. Schlafkrankheit. Abruf 22.07.2024. tropeninstitut.de
- Gesellschaft für Neuropädiatrie. S1-Leitlinie Nicht-eitrige ZNS Infektionen von Gehirn und Rückenmark im Kindes- und Jugendalter. AWMF-Leitlinie Nr. 022-004, Stand 2024. register.awmf.org
- Pépin J. Sleeping sickness: time for dreaming. The Lancet Infectious Diseases. November 29, 2022. www.thelancet.com
- Krishna S, Lindner A. Human African trypanosomiasis: Treatment and prevention. UpToDate, last updated Jan 2024. www.uptodate.com
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