Schweißdrüsenentzündung (Acne inversa)
Schweißdrüsenentzündung (Acne inversa)
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Was ist eine Schweißdrüsenentzündung?
Definition
Eine Schweißdrüsenentzündung – in der Fachsprache Acne inversa – ist eine Entzündung der Haarfollikel und Talgdrüsen in Hautfalten. Sie tritt in Bereichen des Körpers mit Schweißdrüsen auf, meist in der Achselhöhle oder der Leistengegend, sie kann aber auch um die Genitalien, das Gesäß oder die Brüste bei Frauen herum vorkommen. Die Erkrankung verläuft chronisch und tritt in Schüben auf. Die Diagnose wird häufig erst nach Jahren gestellt.
Symptome
Die Erkrankung ruft schmerzhafte Abszesse, Knötchen und Pusteln hervor. Die betroffenen Hautbereiche sind gerötet und geschwollen. Die Knoten öffnen sich häufig von selbst und sondern Eiter ab. Im Lauf der Zeit können sich Narben oder Fistelgänge unter der Haut bilden. Am häufigsten sind die Achselhöhlen, die Leistengegend und die Innenseite der Oberschenkel betroffen. Vor allem bei Männern können die Hautveränderungen auch um den After und bei Frauen an den Brüsten auftreten.
Die Beschwerden können zu Hemmungen im sozialen Umgang führen und die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
Ursachen
Verschiedene Faktoren tragen zur Entstehung der Erkrankung bei. Sowohl erbliche und hormonelle Ursachen als auch Umweltfaktoren spielen eine Rolle. Mehr als 75 % der Betroffenen sind übergewichtig.
Die Entzündung wird durch Verstopfen des Talgdrüsenausführgangs in Bereichen des Körpers mit Schweißdrüsen verursacht. In der Folge baut sich unter der Haut eine Entzündungsreaktion auf und evtl. eine zusätzliche Infektion mit Bakterien. Im Verlauf bilden sich Abszesse, die aufplatzen können.
Die Erkrankung ist nicht auf mangelnde Hygiene zurückzuführen, und sie ist nicht ansteckend. Reibung, Verletzungen der Haut, Hitze und Feuchtigkeit können Krankheitsausbrüche hervorrufen. Bei vielen Frauen kommt es zu einer Verschlimmerung während der Menstruation.
Risikofaktoren
- Übergewicht
- Typ-2-Diabetes
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Entzündliche Darmerkrankungen
- Spondylarthropathie
- Depressionen
- Rauchen
- Übermäßiges Schwitzen
Häufigkeit
Schätzungsweise kommt die Erkrankung bei 0,3 % der Bevölkerung in Deutschland vor. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung tritt meist nach der Pubertät auf, bei Frauen bessert sie sich häufig nach den Wechseljahren.
Untersuchungen
- Die Diagnose wird anhand des typischen Verlaufs und Aussehens der Hautveränderungen gestellt.
- Bei Verdacht auf eine bakterielle Superinfektion wird ein Abstrich entnommen.
- Mit einer Blutuntersuchung können evtl. zugrunde liegende Erkrankungen festgestellt werden.
- Zur weiteren Diagnostik und Behandlung werden Sie an eine Hautarztpraxis überwiesen.
Behandlung
Die passende Therapie wird je nach Schweregrad der Erkrankung und Beeinträchtigung der Patient*innen gewählt.
Medikamente
- Um Schmerzen zu lindern, können Sie eine Creme mit Lidocain auftragen oder Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen) einnehmen.
- In leichten Fällen werden die betroffenen Hautstellen mit einer antibiotikahaltigen Lösung behandelt.
- Bei leichten bis mittelschweren Formen kann auch Resorcinol-Creme versucht werden. Der Wirkstoff ist antiseptisch und löst Verhornungen.
- Schwere Entzündungen können mit Antibiotika behandelt werden. Bevorzugt wird Clindamycin über 5 Tage intravenös verabreicht. Alternativ können Antibiotikatabletten (z. B. Doxycyclin) max. 12 Wochen eingenommen werden.
- Außerdem können Retinoide oder TNF-Alpha-Inhibitoren (z. B. Adalimumab) eingesetzt werden, die entzündungshemmend wirken.
- Bei akuten Entzündungen kann Kortison in die Knoten gespritzt werden.
- Wenn sich die Hautentzündung abhängig vom Menstruationszyklus verschlechtert, kann eine antiandrogene Behandlung mit Hormonpräparaten erfolgen.
Operation
- Wegen der Rückfallneigung wird oft ein operativer Eingriff empfohlen, wenn die betroffene Person bereits mehrere Episoden erlebt hat. Eine Operation ist die einzige Behandlungsform, die die Erkrankung dauerhaft heilen kann.
- Wenn die medikamentöse Behandlung nicht ausreicht, können Abszesse geöffnet und entleert werden.
- Zudem können einzelne Abszesse vollständig ausgeschnitten werden.
- Bei schweren, großflächigen Verläufen wird ein Teil der Oberhaut entfernt. Die Operation kann einen stationären Krankenhausaufenthalt erfordern und eine längere Krankschreibung nach sich ziehen.
Weitere Therapien
- Auch eine Lasertherapie stellt für viele Betroffene eine wirksame Behandlung dar.
- Eine weitere Möglichkeit ist eine Lichttherapie mit Intense Pulsed Light (intensiv gepulstes Licht) und Radiofrequenz.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hidradenitis suppurativa. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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