Schulterluxation (ausgerenkte Schulter)

Schulterluxation (ausgerenkte Schulter)

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Was ist eine ausgerenkte Schulter?

Definition

Eine Ausrenkung (Luxation) des Schultergelenks bedeutet, dass die Schulter „aus dem Gelenk gesprungen“ ist. Im Schultergelenk treffen das Schulterblatt und der Oberarmknochen aufeinander. Das Schulterblatt bildet die Gelenkschale, die einen guten Schutz gegen Verschiebungen des Gelenkkopfes nach oben und nach hinten bietet. An der Vorderseite verhindern jedoch in erster Linie Muskeln eine Verschiebung des Gelenkkopfes. Der Gelenkkopf kann sich in mehrere Richtungen aus der Gelenkschale bewegen, die vordere Schulterluxation ist jedoch die am häufigsten vorkommende Form. Das bedeutet, dass der Gelenkkopf an der Vorderseite aus dem Schultergelenk gleitet.

Symptome

Plötzliche auftretende Schmerzen in der Schulter und eingeschränkte Beweglichkeit nach einer Verletzung sind typisch. Der betroffene Arm wird in Schonhaltung gestützt. Das Schulterdach (Akromion) ist von der Seite als eckige Kontur sichtbar, da es nicht mehr vom Oberarmknochen verdeckt wird. Wenn Nerven verletzt sind, kommt es zu Sensibilitätsstörungen im Bereich des Armes.

Ursachen

Das Schultergelenk ermöglicht durch seine kleine Gelenkpfanne und den großen Gelenkkopf einen großen Bewegungsumfang, ist dadurch aber anfällig für Ausrenkungen (Luxationen).

Die Schulter kann durch Unfälle oder Verletzungen, z. B. beim Sport, ausgerenkt werden. Eine vordere Schulterluxation kann z. B. durch einen Schlag auf den Wurfarm von Handballspieler*innen ausgelöst werden. Die hintere Schulterluxation entsteht infolge direkter Krafteinwirkung auf den Oberarmkopf, z. B. bei einem Krampfanfall oder Elektrounfall.

Häufig führt die Verletzung zu einer geringeren Stabilität der Schulter, sodass wiederholte Luxationen auftreten können. Ein erhöhtes Risiko besteht auch bei Epilepsieüberstreckbaren Gelenken (Hypermobilität) und Sportler*innen.

Häufigkeit

  • Die Schulter ist von allen großen Gelenken am häufigsten von Ausrenkung betroffen.
  • Bei 95 % der ausgerenkten Schultern handelt es sich um vordere Schulterluxationen.

Untersuchungen

  • Beide Schultern werden begutachtet und abgetastet.
  • Zudem werden Nerven und Blutgefäße im Arm untersucht, um Schädigungen an diesen auszuschließen.
  • Wenn die Schulter zum wiederholten Mal ausgerenkt ist, werden Beweglichkeit und Stabilität mit verschiedenen Tests überprüft.
  • Die Diagnose wird mit einer Röntgenuntersuchung der Schulter gesichert. Häufig werden sowohl vor als auch nach der Behandlung Aufnahmen gemacht.
  • Um Begleitverletzungen zu beurteilen, kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden.

Behandlung

  • Die Behandlung erfolgt im Krankenhaus.
  • Ziel der Behandlung ist es, den Gelenkkopf in die Gelenkpfanne zurückzuführen (Reposition) und gleichzeitig Komplikationen zu vermeiden.

Notfallmaßnahmen

  • Zunächst wird der betroffene Arm ruhiggestellt.
  • Zudem werden Schmerzmittel und ggf. Beruhigungsmittel verabreicht.

Reposition

  • Die Reposition sollte möglichst zeitnah und schonend durchgeführt werden, um Folgeschäden zu vermeiden.
  • Es gibt unterschiedliche Methoden für die Reposition.
  • Wenn die Schulter sich wieder im Gelenk befindet, wird der Arm mit einem Verband und einer Schlinge ruhiggestellt.
  • Zur Nachbehandlung werden physiotherapeutische Übungen empfohlen. Dabei werden Muskeln aufgebaut sowie Koordination und Selbstwahrnehmung trainiert.
  • Bei älteren Patient*innen ohne Begleitverletzungen ist eine konservative Behandlung häufig ausreichend.

Operation

  • In der Regel wird eine operative Therapie zur Stabilisierung des Schultergelenks und Behandlung von Begleitverletzungen empfohlen. Insbesondere bei jungen, sportlich aktiven Patient*innen sollte eine Operation durchgeführt werden.
  • Die Art der Operation und Nachbehandlung hängt von den Begleitverletzungen ab.
  • Anschließend wird die Schulter für 4–6 Wochen ruhiggestellt und vorsichtig mobilisiert.

Videos

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schulterluxation. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Posttraumatische Schulterinstabilität. AWMF-Leitlinie Nr. 012-013. Stand 2019. www.awmf.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Schultergelenk-Erstluxation. AWMF-Leitlinie Nr. 012-012. Stand 2017. www.awmf.org
  3. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Schulterluxation, rezidivierend und habituell. AWMF-Leitlinie Nr. 033-027. Stand 2009 (abgelaufen). www.leitliniensekretariat.de
  4. Mahnke A, Biber R. Schulterluxation. MMW - Fortschritte der Medizin 2019; 161: 50-51. link.springer.com
  5. Ventzke MM, Segitz O. Einfach und praktisch: Reposition der Schulterluxation. Notfall Rettungsmed 2019; 22: 533-6. link.springer.com
  6. Pfeiffer M, Eibl P, Schuh A. So untersuchen Sie die Schulter richtig — Teil 2. MMW - Fortschritte der Medizin 2019; 161: 57-61. link.springer.com
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