Schleudertrauma
Schleudertrauma
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Was ist ein Schleudertrauma?
Definition
Ein Schleudertrauma ist eine Verletzung z. B. nach einem Auffahrunfall, bei dem der Kopf eine starke und unerwartete Bewegung nach vorne und hinten macht. Ähnliche Verletzungen können auch während einer Seitenkollision und beim Ski- oder Snowboardfahren auftreten.
Durch eine beschleunigende Kraft von hinten wird etwa bei einem Heckaufprall der Kopf der Betroffenen mit einer einem Peitschenhieb ähnlichen Bewegung plötzlich nach hinten überstreckt und danach nach vorne geschleudert. Dadurch kommt es zu einer Überdehnung der Bänder, Sehnen und Muskeln der Halswirbelsäule (HWS). Je nach Schmerzen, Nervenschäden und Knochenbrüchen/Gelenkverschiebungen werden HWS-Beschleunigungsverletzungen in 5 Schweregrade eingeteilt. Bestehen die Beschwerden mehr als 6 Monate, spricht man von chronischen Beschwerden.
Anstelle des Begriffs Schleudertrauma werden im medizinischen Bereich häufig die Bezeichnungen HWS-Beschleunigungsverletzung oder HWS-Distorsion verwendet.
Symptome
Das Hauptsymptom sind Kopf- und Nackenschmerzen, die typischerweise muskelkaterartig einige Stunden nach dem Unfall auftreten. Sie werden vermutlich durch kleine Einblutungen in Bänder und Muskulatur verursacht. Die Beschwerden gehen meist innerhalb weniger Monate vorüber.
Manche Patient*innen entwickeln ein posttraumatisches Syndrom mit multiplen Beschwerden. Dazu zählen weitere Schmerzen, u. a. im Nacken, Kopf oder in den Armen, sowie Schwindel, Zittern, Tinnitus, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Leistungsminderungen. Psychische Beschwerden wie eine Antriebs- und Stimmungsreduktion oder Angstzustände können ebenfalls auftreten.
Litt die betroffene Person schon vor dem Unfall an Angst und Depression, erhöht das die Wahrscheinlichkeit langfristiger Beschwerden. Die Entwicklung chronischer Beschwerden ist zudem wahrscheinlich weniger vom Unfallmechanismus und von der Schwere des Unfalls als von prädisponierenden Faktoren abhängig.
Ursachen
Genaue Kenntnisse über die Entstehungsmechanismen des Schleudertraumas liegen nicht vor. Es gibt auch keinen eindeutigen Beleg für einen Zusammenhang zwischen dem Verletzungsgrad und dem späteren Auftreten von Beschwerden. Als Erklärungsansatz für die Entstehung eines Schleudertraumas gilt die passive und unerwartete Beschleunigung des Kopfes nach hinten. Dabei wird die Nackenwirbelsäule überstreckt, und es kommt zu kleinen Einblutungen in Muskulatur und Bänder sowie lokalen Nervenreizungen. Wenn der Kopf anschließend nach vorne zurückgeworfen wird, können entsprechende Gewebeschäden in den Weichteilen an der Hinterseite der Halswirbel entstehen.
Es gibt neben dem fehlenden Benützen der Kopfstütze im Auto eine Reihe prädisponierender Faktoren, die ein Schleudertrauma begünstigen:
- frühere psychische Erkrankungen
- hohes Alter
- weibliches Geschlecht
- Nackenmyalgie, Nackensteifigkeit, Nackenschmerzen oder Kopfschmerzen vor dem Trauma
- starker anfänglicher Schmerz
- juristische Streitigkeiten (das Einschalten von Anwält*innen erhöht das Risiko für eine Chronifizierung um das Vierfache).
Häufigkeit
Etwa 80 % der Betroffenen von PKW-Verkehrsunfällen erleiden ein Schleudertrauma, davon 90–95 % mit nur leichter bis mäßiger Ausprägung. In Deutschland treten jährlich bei geschätzt 400.000 Menschen nach Autounfällen Beschwerden im Nacken auf.
Untersuchungen
- Die Beschwerden treten zeitnah nach dem Vorfall auf, nämlich ab dem Zeitpunkt der Verletzung bis 3 Tage danach. Bei Beschwerden, die sich noch später entwickeln, erscheint ein Zusammenhang mit einem akuten Trauma unwahrscheinlich.
- Die Symptombeschreibung umfasst typischerweise Nackenschmerzen, Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen, weshalb anderweitige Ursachen dafür ausgeschlossen werden müssen.
- Es wird schon früh auf psychische und neurologische Symptome einer akuten Belastungsreaktion geachtet.
- Im Falle eines besonders gefährlichen Unfallhergangs wird möglicherweise eine Röntgenuntersuchung durchgeführt.
- Bei Hinweisen auf ein schwerwiegendes HWS-Beschleunigungstrauma, neurologische Auffälligkeiten oder eine Weichteilverletzung kann eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden.
- Bei lang anhaltenden Schmerzen über einen Zeitraum von 4 Wochen ohne Nachweis eines strukturellen Schadens wird eine MRT zum sicheren Ausschluss einer Weichteilverletzung veranlasst.
- In einigen Fällen und insbesondere bei drohender Chronifizierung werden eine interdisziplinäre psychosomatische Beurteilung und möglicherweise auch eine neuropsychologische Untersuchung empfohlen.
Behandlung
- Es ist wichtig, möglichst früh eine aktive Mobilisierung des Nackens zu beginnen. Das Tragen einer Halskrause wird nicht empfohlen.
- Nackenübungen in Form von sich wiederholenden, sanft drehenden Bewegungen des Halses/Kopfes sollten im Laufe des Tages stündlich wiederholt werden. Normale Bewegungen sind für die Erhaltung der Elastizität der Weichteile wichtig und vermeiden eine dauerhafte Steifigkeit der umliegenden Strukturen. Eine passive Behandlung sorgt für eine langsamere Genesung.
- Durch diese Bewegungen kann bei einem leichten bis mittleren Schleudertrauma kein Schaden entstehen. Die Nackenschmerzen und -steife bestehen im Normalfall für einige Wochen, bevor sie allmählich abklingen.
- In der ersten Zeit, üblicherweise nicht länger als 4 Wochen, kann eine schmerzlindernde medikamentöse Behandlung hilfreich sein. Es können nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), eine Gruppe von entzündungshemmenden Schmerzmitteln, zu denen z. B. Ibuprofen gehört, eingenommen werden.
- Bei schmerzhaften, den Schlaf einschränkenden Muskelverspannungen können befristet Muskelrelaxanzien eingesetzt werden.
- Es besteht kein zusätzlicher Nutzen von intensivierter Physiotherapie im Vergleich zu einer einmaligen Beratung mit einem ausführlichen Trainingsplan.
- Besteht die Gefahr eines chronischen Verlaufs können auch Antidepressiva eingesetzt oder eine Psychotherapie begonnen werden.
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