Vergiftung durch Acetylsalicylsäure

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Was ist eine Vergiftung durch Acetylsalicylsäure (ASS)?

Definition

Eine Vergiftung entsteht plötzlich oder über längere Zeit durch die Einnahme von zu großen Mengen von Acetylsalicylsäure (ASS). Eine Vergiftung durch ASS kann lebensbedrohlich sein. Die Menge, die zu einer Vergiftung führen kann, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Ab einer Einnahme von mehr als 10 g pro Person oder mehr als 200 mg pro Kilogramm Körpergewicht, besteht eine akute Vergiftungsgefahr. Bei Kindern unter 10 kg kann bereits die Einnahme von 1,5 g giftig sein. Bei Einnahme von mehr als 500 mg pro Kilogramm Körpergewicht ist die ASS Vergiftung tödlich.

ASS ist ein Medikament, das Schmerzen lindert, Fieber senkt und Entzündungen hemmt. Außerdem verhindert ASS, dass sich die Blutplättchen (Thrombozyten) zusammenlagern und Blutgerinnsel bilden. Daher wird es u. a. zur Hemmung der Blutgerinnung eingesetzt (umgangssprachlich „Blutverdünner“).

Symptome

ASS wird im Magen und im ersten Dünndarmabschnitt aufgenommen. Im Körper wird ASS zu Salicylsäure umgewandelt. Das kann bis zu 10 Stunden dauern. Die Salicylsäure führt zu verschiedenen Symptomen, die manchmal erst verspätet auftreten. Insbesondere bei Kindern und bei Patient*innen mit einer Nierenerkrankung (Niereninsuffizienz) entwickeln sich die Symptome langsamer.

Die Salicylsäure stimuliert das Brechzentrum im Hirnstamm. Das führt zu Übelkeit und Erbrechen. Die vergiftete Person atmet sehr schnell und tief (Hyperventilation) durch die Aktivierung des Atemzentrums. Die Hyperventilation verschiebt den Säuren-Basen-Haushalt. Das Blut wird basischer (respiratorische Alkalose). Im Verlauf kann es zu einer Übersäuerung des Stoffwechsels kommen (metabolische Azidose). Der veränderte Säure-Basen-Haushalt kann außerdem Elektrolytstörungen begünstigen. Zusammen mit dem Flüssigkeitsverlust durch das Erbrechen kann dies zu einem starken Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) führen. Es kann sein, dass das Herz schneller schlägt als normal (Tachykardie). Eine Vergiftung durch ASS kann auch Auswirkungen auf das Nervensystem und das Innenohr bzw. den Hörnerv haben. Dadurch können Hörverlust, Ohrgeräusche (Tinnitus) sowie Schwindel und Kopfschmerzen auftreten.

Schwere Vergiftungen verursachen u. a. Unruhe, Reizbarkeit und Verwirrtheit. Sprachstörungen und Halluzinationen treten auf. Es kann zu Krampfanfällen und Bewusstseinsstörungen kommen. Flüssigkeit kann sich in der Lunge sammeln (Lungenödem). Das führt zu Atembeschwerden mit Luftnot. Außerdem können schwere Vergiftungen die Zerstörung von Muskelzellen (Rhabdomyolyse) verursachen. Blutungen in die Haut und im Magendarmtrakt können auftreten. Die Körpertemperatur kann ansteigen (Hyperthermie). Die Nieren versagen möglicherweise durch die Vergiftung.

In schwersten Fällen ist das Atemzentrum im Hirnstamm betroffen und die Atmung ist gestört. Die Atmung kann dadurch langsamer und flacher werden (Atemdepression). Außerdem können Patient*innen in ein Koma fallen oder Krampfanfälle entwickeln. Schließlich kann es zum Atem- und Herzstillstand kommen.

Ursachen

Eine Vergiftung kann entstehen, wenn die Dosierung nicht richtig angegeben oder eingehalten wurde. Manche Medikamente können miteinander in Wechselwirkung treten und so eine Vergiftung durch ASS auslösen.

Auch bestimmte Vorerkrankungen begünstigen eine Vergiftung durch ASS. Manche Menschen, die nicht mehr leben wollen, nehmen absichtlich zu große Mengen ASS ein (suizidale Absicht). Außerdem kommt es vor, dass Kinder versehentlich ASS einnehmen.

Häufigkeit

Eine Vergiftung mit ASS ist häufig. Das Medikament wird oft verschrieben, man kann ASS auch ohne Rezept in der Apotheke kaufen. Durch die freie Verfügbarkeit steigt die Gefahr einer Vergiftung.

Untersuchungen

Personen, die zu große Mengen ASS eingenommen haben, sollten sofort in ein Krankenhaus gebracht werden. In der Notaufnahme wird gefragt, wann und wie viel ASS eingenommen wurden. Es ist auch wichtig, ob die Dosis auf einmal oder über einem längeren Zeitraum eingenommen wurde. Außerdem müssen Ärzt*innen wissen, ob die Betroffenen gleichzeitig Alkohol, Drogen oder andere Medikamente eingenommen haben. Es wird auch danach gefragt, ob Patient*innen nach der Einnahme erbrochen haben.

Bei der körperlichen Untersuchung wird vor allem auf Vergiftungserscheinungen und die Atem- und Kreislauf-Funktionen geachtet.

Im Krankenhaus kann man den Salicylat-Spiegel im Blut messen. Es werden noch weitere Blutwerte bestimmt, um Auswirkungen der Vergiftung festzustellen, z. B. auf den Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt, die Nieren- und Leberfunktion sowie die Gerinnung. Um eine Nierenschädigung und einen Muskelfaserzerfall (Rhabdomyolyse) zu entdecken, wird der Urin untersucht. Bei schweren Vergiftungen wird der Herzrhythmus durch eine Herzstrom-Messung (EKG) überwacht.

Behandlung

Vor allem ist es wichtig, die Atmung, den Kreislauf und die Körpertemperatur zu stabilisieren. Außerdem wird versucht, die Vergiftung und ihre schädlichen Auswirkungen abzumildern. Dafür kann Aktivkohle verabreicht werden. Die Aktivkohle verhindert, dass das Medikament vom Körper aufgenommen wird.

Wenn die Vergiftung frühzeitig (innerhalb von 2 Stunden) behandelt wird, kann der Magen entleert und ausgespült werden. Die Salicylsäure wird besser ausgeschieden durch eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr und eine sog. Alkalisierung des Urins (forcierte alkalische Diurese mit Natrium-Bicarbonat). Dafür werden Patient*innen basische Stoffe verabreicht. Bei schweren Vergiftungen kann eine Dialyse (umgangssprachlich „Blutwäsche“) notwendig sein.

Elektrolytstörungen werden korrigiert und der Flüssigkeitshaushalt wird wieder ausgeglichen. Wenn die Körpertemperatur von Patient*innen steigt, sollten sie gekühlt werden. Mögliche Krampfanfälle können mit Medikamenten behandelt werden.

Es gibt kein Gegenmittel gegen eine Vergiftung durch ASS.

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