Rückfallfieber

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Was ist Rückfallfieber?

Definition

Beim Rückfallfieber handelt es sich um eine bakterielle Infektion, die durch verschiedene Borrelienarten verursacht wird. Es wird durch Läuse (epidemischer Typ, Louse-borne Relapsing Fever = LBRF) oder Zecken (tropisch endemischer Typ, Tick-borne Relapsing Fever = TBRF) übertragen und führt zu plötzlich auftretendem Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Nach wenigen Tagen kommt es zu abrupter Fieberfreiheit und erneuten Fieberepisoden.

Symptome

Läuse- und Zeckenrückfallfieber sind nicht eindeutig voneinander zu unterscheiden. Beim Zeckenrückfallfieber dauert die erste Fieberepisode 1–3 Tage und wird gefolgt von multiplen Fieberepisoden. Beim Läuserückfallfieber dauert die erste Episode 3–6 Tage, woraufhin meist nur eine mildere Fieberepisode folgt.

Am Ende der ersten Fieberepisode entwickelt sich typischerweise ein krisenhafter Zustand, der für 15–30 min andauert. Hierbei kommt es zu einem weiteren Temperaturanstieg, Muskelsteifheit und einem Anstieg von Puls und Blutdruck. Im Anschluss an die krisenhafte Phase kommt es zum Abfall von Temperatur, Puls und Blutdruck begleitet von starkem Schwitzen. Dieser Zustand kann über mehrere Stunden anhalten. Bei unbehandelter Erkrankung treten tödliche Verläufe häufig während der krisenhaften Phase und der anschließende Kreislaufinstabilität auf.

Gerinnungs- und Blutungskomplikationen treten v. a. beim Läuserückfallfieber auf. Neurologische Symptome wie Delir (akute Verwirrtheit), Stupor (Erstarrung) und Koma bzw. Halbseitenlähmung, Gesichtslähmung, Meningitis, Augenentzündung oder Regenbogenhautentzündung sind ebenfalls möglich. Hierbei drohen bleibende Schäden, z. B. Erblindung. Komplikationen wie Herzmuskelentzündung oder akutes Atemnotsyndrom bei Erwachsenen (ARDS) werden häufig bei tödlichen Verläufen beobachtet.

Ursachen

Das Zeckenrückfallfieber (TBRF) wird durch Zeckenstiche und nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Nagetiere oder andere Tiere dienen den Zecken als Reservoir.

Das Läuserückfallfieber (LBRF) wird durch Kleiderläuse übertragen. Die Läuse beißen jedoch nicht, sondern die Erreger gelangen über die durch Juckreiz und Kratzen entstandenen kleinen Verletzungen (der intakten Haut) unter die Haut. Als Reservoir dienen Nagetiere oder infizierte Personen.

Häufigkeit

Das Zeckenrückfallfieber ist in tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas, Asiens, Amerikas und Europas endemisch. In Europa besteht das höchste endemische Risiko auf der Iberischen Halbinsel. In seltenen Fällen wird es durch Reisende importiert. Es ist aufgrund der häufig milden Verläufe unterdiagnostiziert.

Für das Läuserückfallfieber existieren lokale Endemieherde in Afrika, Asien und Südamerika, mit Schwerpunkt in Äthiopien, Eritrea, Somalia und Sudan. Es tritt saisonal gehäuft auf und wird durch schlechte hygienische Bedingungen, z. B. in Massenunterkünften, begünstigt. Zuletzt wurden in Deutschland 2015 (45 Fälle) und 2016 (5 Fälle) Erkrankungen gemeldet.

Untersuchungen

  • Symptome, die für ein Rückfallfieber sprechen, sind ein akuter Beginn mit Schüttelfrost, hohem Fieber sowie starken Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, bei dem es nach einem fieberfreien Intervall von 4–14 Tagen meist zu einem erneuten 2–3 Tage andauernden Fieberanfall kommt. Die folgenden Fieberattacken werden allmählich schwächer.
    • Beim Läuserückfallfieber treten weniger Fieberepisoden auf als beim Zeckenrückfallfieber.
  • Zusätzliche Hinweise geben ein Aufenthalt in Risikogebieten oder eine Unterbringung in Massenunterkünften. Dabei ist eine Inkubationszeit bis zum Ausbruch der Erkrankung von 3–12 Tagen zu beachten.
  • Im Zuge der körperlichen Untersuchung wird nach evtl. nachweisbaren Zecken oder Läusen gesucht.
  • Weitere typische Symptome sind eine Vergrößerung der Leber und der Milz mit einer möglichen Gelbfärbung der Haut sowie neurologische Symptome. Bei Kindern kann Übelkeit und Erbrechen das vorherrschende Symptom sein.
  • Beim Zeckenrückfallfieber kann es evtl. zu Nasenbluten, Blut im Urin sowie sog. Petechien, also punktförmigen Einblutungen in der Haut, kommen.
  • Es wird Blut abgenommen und im Labor bzw. mikroskopisch untersucht.
  • Können im Blut keine Erreger gefunden werden, wird eine PCR-Diagnostik zum Nachweis von genetischem Material der Bakterien empfohlen.
  • Besteht der Verdacht auf eine Infektion des Zentralnervensystems (ZNS), sollte eine kleine Menge Hirn- oder Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) aus der Lendenwirbelsäule entnommen und untersucht werden (Lumbalpunktion).

Behandlung

  • Die Krankheit wird unter stationärem Aufenthalt mit Antibiotika behandelt.
    • Dies ist nötig, da es bei der Behandlung zu einer überschießenden immunologischen Reaktion mit schweren Verläufen bis zum Kreislaufschock kommen kann. Zur Vorbeugung wird 30–60 min vor Beginn der antibiotischen Therapie Kortison verabreicht.
  • Die Therapie dauert beim TBRF aufgrund der höheren Rückfallgefahr länger als beim LBRF.
  • Nach der Erkrankung besteht eine zeitlich begrenzte, typspezifische Immunität.
  • Zur Prävention sollten Zeckenstiche in endemischen Gebieten vermieden werden.
    • Eine schnelle Entfernung von Zecken ist nicht wirksam, da der Erreger bereits kurz nach Beginn der Blutmahlzeit übertragen wird.
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