Rachenkrebs, mittlerer Rachen (Oropharynxkarzinom)
Rachenkrebs, mittlerer Rachen (Oropharynxkarzinom)
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Was ist Rachenkrebs des mittleren Rachens?
Definition
Rachenkrebs ist ein bösartiger Tumor in einem bestimmten Bereich des Rachens. Beginnend hinter der Mundhöhle umfasst er den Zungengrund, das Gaumenzäpfchen, die Mandeln und die Rachenhinterwand (medizinisch: Oropharynx). Der Krebs entsteht aus Epithelzellen der Schleimhaut. Unterschieden wird zwischen HPV(humane Papillomaviren)-negativen und -positiven Tumoren. Überdurchschnittlich häufig betroffen sind die Gaumenmandeln und der hintere fixierte Teil der Zunge.
Symptome
Anfangs verursacht die Erkrankung eher wenig Symptome. Typisch sind zunächst Schmerzen im Hals – oft einseitig – und eventuell das Gefühl, dass sich dort ein Fremdkörper befindet. Auch Schwellungen im Halsbereich und Mundgeruch können auf einen Tumor hindeuten. In späteren Stadien kommt es oftmals zu stärkeren Schmerzen, die bis zu den Ohren ausstrahlen können, Schluckbeschwerden und nicht heilenden Wunden.
Ursachen
Die wichtigsten Risikofaktoren für den HPV-negativen Krebs sind Alkohol- und Tabakkonsum über längere Zeit. Das humane Papillomavirus (HPV) verursacht eine spezielle Tumorart im Rachen. Übertragen wird das Virus vor allem durch Sexualverkehr, sowohl durch oralen, genitalen und analen.
Häufigkeit
- Weltweit steigt die Zahl der Fälle, insbesondere durch HPV-Infektionen.
- In Deutschland sind rund 4–16 von 100.000 Männern und 3–7 von 100.000 Frauen betroffen.
- Im Durchschnitt tritt die Erkrankung im 7. Lebensjahrzehnt auf.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Dort werden Sie nach den typischen Symptomen befragt und Ihr Rachen wird genau betrachtet. Dabei sind womöglich einseitig vergrößerte Mandeln zu erkennen, was ein Warnzeichen ist. Manchmal ist auch schon ein Tumor zu sehen. Auffällig sind zudem geschwollene Lymphknoten im Halsbereich, die durch Abtasten erkannt werden können.
Bei Spezialist*innen
Dort werden Mundhöhle und Rachen mit einem Endoskop (dünner Schlauch mit Kamera) eingehender untersucht. Ggf. wird zudem eine spezielle Endoskopie unter Narkose vorgenommen: Damit lassen sich die oberen Atem- und Speisewege sehr genau betrachten, und es kann eine Gewebeprobe entnommen werden (Biopsie). Diese gibt Aufschluss darüber, ob ein Tumor vorliegt und um welche Art des Tumors es sich handelt, ob der durch HPV verursacht wurde (HPV-positiv) oder nicht (HPV-negativ).
Mithilfe eines CT oder MRT kann dann die Ausbreitung des Tumors eingeschätzt werden, evtl. ergänzt durch Ultraschall oder Spezialunterschungen (PET-CT). Auch ein Befall von Lymphknoten oder anderen Organen (Metastasen) wird so ausgeschlossen.
Ist ein Tumor diagnostiziert worden, werden Sie an ein geeignetes Krankenhaus zur Behandlung von Rachenkrebs überwiesen.
Behandlung
Ziel ist meist eine dauerhafte Heilung bei möglichst geringen Einschränkungen, was das Schlucken und Sprechen betrifft. Die Therapie hängt davon ab, um welche Krebsart (HPV-negativ oder HPV-positiv) es sich handelt, wie ausgedehnt der Tumor ist und wie gut Ihr gesundheitlicher Allgemeinzustand ist. Grundsätzlich werden verschiedene Behandlungsmethoden kombiniert, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.
In weit fortgeschrittenen Fällen kann evtl. das Ziel sein, nur das Tumorwachstum zu bremsen und Beschwerden zu lindern (palliative Therapie).
Operation
Dabei wird das Tumorgewebe mit Sicherheitsabstand entfernt. Auch benachbarte Lymphknoten im Halsbereich einseitig oder selten beidseitig werden entnommen und untersucht.
Strahlentherapie/Chemotherapie
Dabei werden Tumorgewebe und benachbarte Lymphknoten mit radioaktiver Strahlung und evt. zusätzlich Zellgiften (Zytostatika) zerstört. Die Erfolgsaussichten sind sehr ähnlich denen einer Operation.
Bei weiter fortschrittenen Tumoren werden diese zunächst operativ entfernt, danach erfolgt eine Strahlen- oder Chemotherapie.
Immuntherapie
Hier werden spezifische Antikörper eingesetzt, z. B. sog. Checkpointinhibitoren, die das Immunsystem verstärken, sodass es besser die Krebszellen bekämpfen kann. Oft Anwendung in Kombination mit Chemotherapie.
Psychologische Betreuung
Im Krankheitsverlauf und durch die Therapie (möglicher Verlust der Stimme) leiden nicht wenige Betroffene an psychischen Begleiterscheinungen wie Angst, Stress und depressiven Symptomen. Außerdem kann es durch die Therapie zu einer Stigmatiserung durch Verlust von Zähnen oder der Stimme sowie Kieferdefekten und Vernarbungen kommen. Daher sind bei der Behandlung von Rachenkrebs Einzel- oder Gruppenpsychotherapie sinnvoll oder auch Entspannungsverfahren, Kunst- und Musiktherapie. Wichtig ist zudem eine hausärztliche Mitbetreuung, da der Kontakt oft auf einem langjährigen Vertrauensverhältnis basiert. Außerdem sollten Betroffene Informationen über Selbsthilfegruppen und Kontaktmöglichkeiten zu anderen Betroffenen erhalten.
Nachsorge
- Im ersten und zweiten Jahr nach der Therapie ein- bis dreimonatliche, im dritten bis fünften Jahr halbjährliche Untersuchungen des betroffenen Bereichs, ggf. mit CT oder MRT. Geschaut wird auch, inwiefern Schmerzen bestehen, das psychische Wohlbefinden beeinträchtigt ist und wie es um die Ernährung steht.
- Danach findet eine Nachsorge in individuellen Zeitabständen statt.
- Nach einer chirurgischen Therapie und einer Strahlentherapie ist insbesondere die Rehabilitation wichtig: Zum einen, um wieder besser Schlucken und Sprechen zu können, zum anderen, um wieder mehr am sozialen Leben teilzuhaben.
- Nach einer Bestrahlung sind oft Zahnimplantate und Prothesen erforderlich, um besser Kauen und Schlucken zu können.
Autor
- Claus Peter Simon, Wissenschaftsjournalist, Hamburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Oropharynxkarzinom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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