Mikroskopische Kolitis

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Was ist eine mikroskopische Kolitis?

Definition

Unter einer mikroskopischen Kolitis versteht man eine chronische Entzündung der Dickdarmschleimhaut, die sich durch wiederkehrende Durchfälle bemerkbar macht. Sie gehört, wie auch Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Im Gegensatz zu den eben genannten Formen führt die mikroskopische Kolitis jedoch in der Regel zu keinen mit dem freien Auge erkennbaren Veränderungen der Darmschleimhaut. Sie spielt sich vielmehr auf Zellebene ab und kann ausschließlich unter dem Mikroskop beurteilt werden.

Abhängig von den typischen entzündlichen Veränderungen in der Darmschleimhaut unterscheidet man zwei Formen der mikroskopischen Kolitis: die kollagene Kolitis und die lymphozytäre Kolitis.

Symptome

Charakteristisch für die mikroskopische Kolitis sind chronische wässrige, nicht blutige Durchfälle, die 5- bis 10-mal täglich auftreten. Teilweise wird die Erkrankung von Bauchschmerzen, Blähungen und Müdigkeit, selten von Gewichtsverlust begleitet. Aufgrund des ständigen Stuhldrangs, der häufig auch nachts auftritt, sind Patient*innen stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt.

Ursachen

Die genauen Ursachen der mikroskopischen Kolitis sind bisher nicht geklärt, vermutlich aber vielfältig. Als mögliche Auslöser werden u. a. eine gestörte Darmflora, genetische Veranlagungen sowie ein überaktives Immunsystem diskutiert.

Es sind jedoch verschiedene Faktoren bekannt, die die Entstehung einer mikroskopischen Kolitis begünstigen können. Dazu zählen autoimmune und rheumatische Erkrankungen, Rauchen sowie zahlreiche Medikamente, beispielsweise Schmerzmittel (NSAR, z. B. Ibuprofen Diclofenac), säurehemmende Magenmedikamente (z. B. Pantoprazol) sowie Blutdruckmedikamente und Fettsenker (Statine). Frauen haben ein erhöhtes Risiko zu erkranken.

Häufigkeit

Von 100.000 Personen sind in Europa etwa 114 von einer mikroskopischen Kolitis betroffen. Das Durchschnittsalter bei der Diagnose liegt bei 60–65 Jahren. Frauen sind 9-mal häufiger betroffen als Männer.

Untersuchungen

Liegen typische Symptome einer mikroskopischen Kolitis vor, müssen zunächst andere mögliche Ursachen wie Infektionen, Morbus CrohnColitis ulcerosa, Zöliakie oder bösartige Neubildungen im Darm ausgeschlossen werden. In der Hausarztpraxis können hierfür Laboruntersuchungen von Blut und Stuhl durchgeführt werden.

Eine eindeutige Diagnose kann jedoch in der Regel erst bei Spezialist*innen für Gastroenterologie gestellt werden. Diese führen eine Darmspiegelung durch und entnehmen dabei Proben der Darmschleimhaut, die anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden.

Behandlung

Wichtige Therapieziele sind die Symptomkontrolle und eine damit einhergehende Verbesserung der Lebensqualität.

Üblicherweise wird zunächst versucht, auslösende Faktoren (Rauchen, Medikamente, schlechte Ernährungsgewohnheiten) zu beseitigen. Zusätzlich kommt ein spezielles Kortisonpräparat namens Budesonid zum Einsatz. Budesonid hat die Besonderheit, dass es, als Tablette eingenommen, fast ausschließlich im Darm wirksam ist und nur in sehr geringen Mengen in den Blutkreislauf übergeht. Dadurch sind Nebenwirkungen vergleichsweise gering. Die Therapie erfolgt zunächst über 6–8 Wochen. Da bei einem Großteil der Patient*innen die Symptome nach Absetzen von Budesonid wieder auftreten, ist oftmals eine längerfristige Therapie in niedriger Dosierung notwendig.

Unterstützend können auch Medikamente gegen Durchfall eingesetzt werden.

Autorin

  • Lisa Huber, Cand. med., München

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mikroskopische Kolitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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