Malignes Melanom

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Was ist ein malignes Melanom?

Definition

Ein malignes Melanom wird auch als schwarzer Hautkrebs bezeichnet und ist ein bösartiger Tumor, der meist von den Pigmentzellen der Haut (Melanozyten) ausgeht. Maligne Melanome können aber auch in den Schleimhäuten oder Augen entstehen.

Der Tumor kann sich horizontal und vertikal ausbreiten und Metastasen (Tochtergeschwüre) bilden. Da die Prognose vor allem vom Durchmesser und von eventuell bereits vorhandenen Metastasen in den Lymphknoten abhängt, ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung entscheidend.

Symptome

Schwarzer Hautkrebs kann durch Veränderungen an einer bestehenden Pigmentstelle (Nävus) der Haut oder die schnelle Entwicklung einer neuen pigmentierten (verfärbten) Hautstelle bemerkt werden. Die Unterscheidung zwischen einem normalen (z. B. Muttermal) und einem atypischen Nävus ist nicht immer klar. Etwa 10 % aller Melanome der Haut sind nicht pigmentiert und können als gutartige Veränderungen übersehen werden. Verdächtige Hinweise sind Asymmetrie und eine unscharfe und unregelmäßige Abgrenzung zur gesunden Haut. Die Farbe reicht von rötlich braun bis schwarz und unterscheidet sich oft von anderen Pigmentstellen der Patient*innen.

Die Größe von Melanomen liegt im Durchmesser meist über 5 mm. Besonders verdächtig sind immer Veränderungen hinsichtlich Farbe, Größe oder Asymmetrie.

Vier Hauptformen der malignen Melanome

  1. Superfiziell spreitende Melanome sind leicht erhöhte, unregelmäßig abgegrenzte und pigmentierte, braune bis schwarzblaue, evtl. auch vollkommen schwarze Tumore der Haut. Sie machen etwa 70 % aller Melanome aus und treten bei Frauen meist an den Beinen, bei Männern meist am Rumpf auf.
  2. Noduläre (knotige) Melanome können sich aus bestehenden Pigmentstellen oder normaler Haut entwickeln und erscheinen als schwarzer bis blauer Knoten, evtl. mit roten oder blauweißen Bereichen. Betroffen sind meist der Körper oder die Gliedmaßen. Sie machen etwa 10–15 % aller Melanome aus und treten am häufigsten in der Altersgruppe von 50–60 Jahren auf. Noduläre Malignome wachsen tief in das darunter liegende Gewebe ein und entstehen ohne anfängliche horizontale Wachstumsphase. Sie metastasieren früh und haben eine schlechtere Prognose als superfiziell spreitende Melanome. Noduläre Melanome können an jeder Hautstelle auftreten.
  3. Lentigo-maligna-Melanome entstehen aus einer sog. Lentigo maligna, das sind durch die Sonne geschädigte Hautstellen älterer Menschen, meist im Gesicht oder am Hals. Sie zeigen sich als hellbraune bis dunkelbraune/schwarze und ungleichmäßige Pigmentierung auf der Haut. Ein Lentigo-maligna-Melanom wächst langsam und horizontal. Diese Form macht etwa 5 % aller Melanome aus.
  4. Akrolentiginöse maligne Melanome entstehen an den Gliedmaßen, am häufigsten auf nicht der Sonne ausgesetzter Haut wie an den Zehen, Fußsohlen, Fingern, Handflächen oder unter den Nägeln. Sie machen etwa 1–3 % aller Melanome aus und werden oft spät erkannt. Bei Menschen dunkleren Hauttyps ist das akrolentiginöse maligne Melanom das häufigste Melanom.

Daneben gibt es noch seltene andere Varianten, z. B. amelanotische maligne Melanome, die aus Zellen ohne sichtbare Melaninproduktion bestehen und keine dunkle Farbe aufweisen.

Ursachen

Es gibt zwar auch eine genetische Komponente bei der Entstehung, dennoch ist UV-Strahlung eine wichtige Ursache für die Entwicklung von Melanomen. Man geht davon aus, dass die Entwicklung von 5–10 % der Melanome genetisch bedingt ist, während UV-Strahlung bei 2/3 aller Patient*innen der auslösende Faktor ist. Sonnenbrand in der Kindheit und Jugend hat offenbar eine größere Bedeutung als Sonnenbrand im späteren Leben. Auch Solarien sind ein Risikofaktor für Melanome.

Melanome entwickeln sich nicht ausschließlich an den Körperstellen, die der Sonne am meisten ausgesetzt sind, sondern können überall entstehen, wo es Melanin-produzierende Zellen gibt, z. B. in der Haut, in den Schleimhäuten (wie in der Mundhöhle, im Nasenraum, in den Nasennebenhöhlen, in der Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts und in der äußeren Genitalschleimhaut), in den Augen und in den Lymphknoten. Bei Personen mit vielen (> 100) Nävi ist das Melanomrisiko ebenfalls erhöht. Auch Menschen, bei denen Verwandte ersten Grades ein malignes Melanom haben, tragen selbst ein erhöhtes Risiko für Melanome.

Häufigkeit

Das lebenslange Risiko für die Entwicklung von schwarzem Hautkrebs beträgt etwa 2 %. 2020 erkrankten 11.320 Frauen und 12.240 Männer in Deutschland neu an einem malignen Melanom. Es macht 3–5 % aller Hautkrebsarten aus, ist jedoch bei 90 % aller Todesfälle durch Hautkrebs die Todesursache. Das Auftreten des malignen Melanoms hat sich in Deutschland seit 1970 mehr als verfünffacht, dieser Anstieg scheint jedoch wesentlich auf verbesserten Untersuchungsmethoden zu beruhen. Zusätzlich könnten Änderungen im Freizeitverhalten mit vermehrter Sonnenexposition sowie Klimaveränderungen eine Rolle spielen.

Seit Einführung des Hautkrebs-Screenings 2008 nahm überwiegend die Häufigkeit früher Erkrankungsstadien und der prognostisch günstigen Form, dem superfiziell spreitenden Melanom, zu. Ein Rückgang fortgeschrittener Tumorstadien hat sich bis 2013 jedoch nicht erwiesen. Ebenso wenig sank mit Einführung des Hautkrebs-Screenings und der erhöhten Entdeckungsrate die Sterblichkeit am Melanom.

Das mittlere Erkrankungsalter beträgt bei Frauen 63, bei Männern 69 Jahre. Die weltweit höchste Neuerkrankungs- und Sterberaten gibt es in Ozeanien, gefolgt von Nordamerika und Europa. In weiten Teilen Asiens und Afrikas ist das maligne Melanom eine Rarität.

Untersuchungen

  • Häufig bemerken die Patient*innen selbst Veränderungen wie Größenzunahme, Farbveränderung, Blutungen, Wunden, Juckreiz, Schmerzen oder Stiche an einer bestehenden oder die schnelle Entstehung einer neuen Pigmentstelle.
  • Melanome entwickeln sich in etwa 40 % der Fälle am Rumpf, in ca. 15 % der Fälle an Kopf und Hals, in ca. 15 % der Fälle an den Armen und in ca. 30 % der Fälle an den Beinen.
    • Bei Frauen treten sie besonders an den Beinen auf, bei Männern vor allem am Rücken/Oberkörper.
  • Mithilfe einer Untersuchung durch ein spezielles Mikroskop für die Haut (Dermatoskop) können erfahrene Ärzt*innen Melanome mit hoher Sicherheit nachweisen.
  • Neue Techniken können die Früherkennung von malignen Melanomen oder die Unterscheidung zwischen bösartigen und gutartigen Hautveränderungen verbessern.
  • Ausgehend davon kann die Überweisung an Fachärzt*innen notwendig sein, die über das weitere Vorgehen entscheiden. Dazu können Untersuchungen wie Computertomografie, Magnetresonanztomografie oder Ultraschall eingesetzt werden.
  • Personen, in deren Familie eine Häufung von schwarzem Hautkrebs vorliegt, kann eine genetische Beratung angeboten werden.
  • Eine zellbiologische Untersuchung (Biopsie) ist wichtig für die Behandlungsplanung.

Behandlung

  • Das Therapieziel ist die vollständige Entfernung des Melanoms unter Einhaltung eines sicheren Abstandes.
  • Alle Nävi, die aus medizinischen Gründen (mögliches Melanom) entfernt werden, sollen vollständig entfernt und ihr Gewebe untersucht werden.
  • Wird in der Gewebeuntersuchung des entfernten Nävus der Verdacht auf ein malignes Melanom bestätigt, sollte ein erweiterter chirurgischer Eingriff erfolgen.
  • Zusätzlich kann eine Bestrahlung oder medikamentöse Behandlung erforderlich sein.
    • Diese Methoden werden auch zur symptomlindernden Therapie bei fehlenden Heilungschancen (Palliativmedizin) aufgrund nicht entfernbarer Metastasen eingesetzt.
  • Die Medikamente können zu Nebenwirkungen führen, die entsprechend behandelt werden.

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Malignes Melanom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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