LADA–Diabetes (spät auftretender Typ-1-Diabetes)

LADA–Diabetes (spät auftretender Typ-1-Diabetes)

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Welche Formen von Diabetes gibt es?

Die Zuckerkrankheit, der Diabetes mellitus, führt zu erhöhtem Blutzuckerspiegel. Die Ursachen hierfür sind jedoch verschiedene, und je nach Ursache lassen sich verschiedene Formen des Diabetes unterscheiden: Diabetes Typ 1, der hauptsächlich im Kindesalter entsteht, und Diabetes Typ 2, der sich hauptsächlich im Erwachsenenalter zeigt. Eine meist vorübergehende Zuckerkrankheit kann zudem während der Schwangerschaft auftreten (Schwangerschafts-/Gestationsdiabetes).

Typ-1-Diabetes beruht auf einer Autoimmunkrankheit, also einer Funktionsstörung der Immunzellen, in deren Folge die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. Die Folge ist ein Mangel oder das völlige Fehlen von Insulin, dem Hormon, das dafür zuständig ist, dass Zucker aus der Nahrung nicht im Blut verbleibt, sondern in die Zellen aufgenommen werden kann.

Die typische Zuckerkrankheit bei Erwachsenen (Typ-2-Diabetes) ist hingegen eine Folge davon, dass die Körperzellen nicht mehr auf die Wirkung des Insulins reagieren können (Insulinresistenz) und sich deshalb der Zuckerspiegel im Blut erhöht.

Inzwischen ist jedoch bekannt, dass auch Kinder an einem Typ-2-Diabetes erkranken können und auf der anderen Seite auch bei Erwachsenen ein Typ-1-Diabetes infolge einer Autoimmunkrankheit auftreten kann. Dieser letztgenannte Typ wird auf Englisch als „Latent Autoimmune Diabetes in Adults“ bezeichnet, daher die Abkürzung LADA. Bei den betroffenen Patient*innen wird meist zunächst die Diagnose Typ-2-Diabetes gestellt, bevor Ärzt*innen herausfinden, dass spezielle Antikörper wie bei Typ-1-Diabetes (als Hinweis auf die Autoimmunkrankheit) vorliegen. Die Patient*innen mit LADA benötigen in den ersten 6 Monaten nach Diagnose in der Regel noch kein Insulin und sind älter als 35 Jahre.

Autoantikörper im Blut

Der Entstehungsmechanismus bei LADA (Latent Autoimmune Diabetes in Adults) ist ähnlich dem des klassischen Typ-1-Diabetes. Die in der Bauchspeicheldrüse vorhandenen insulinproduzierenden Betazellen werden durch eine fehlerhafte Funktion von körpereigenen Immunzellen zerstört – die Folge ist ein Insulinmangel. Diese Zerstörung wird möglich durch die versehentliche Produktion von bestimmten Antikörpern, die sich jedoch nicht (wie üblich) gegen fremde Strukturen richten (z. B. Bakterien), sondern gegen eigene Zellen: In der Regel lassen sich GAD-Antikörper nachweisen, das sind Antikörper gegen das Enzym Glutaminsäure-Decarboxylase, ein Enzym, das in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse hergestellt wird. Wie bei der normalen Abwehr von Krankheitserregern dienen die Antikörper dazu, bestimmte Strukturen zu markieren, damit das Abwehrsystem diese erkennt und beseitigt (nur sind es im Fall von Autoimmunkrankheiten versehentlich eigene Zellen).

Kriterien

Im Unterschied zum klassischen Typ-1-Diabetes, der sich häufig im Kindes- und Jugendalter manifestiert, tritt LADA erst im Erwachsenenalter auf. Die insulinproduzierenden Zellen werden in der Regel nicht so schnell zerstört, der Insulinmangel entwickelt sich also eher langsam. Da es sich um Patient*innen in einem Alter zwischen 35 und meist 50 Jahren handelt und die Zuckerkrankheit sich langsam entwickelt, stellen Ärzt*innen häufig zunächst die Diagnose Typ-2-Diabetes und verordnen entsprechende Tabletten zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels. Im Verlauf einiger Monate (oder auch Jahre) benötigen die meisten Patient*innen jedoch eine Insulintherapie, weil die Tabletten nicht mehr ausreichend wirken.

Im Unterschied zu „typischen" Patient*innen mit Typ-2-Diabetes sind Patient*innen mit LADA seltener übergewichtig; sie zeigen jedoch auch Symptome einer allgemeinen Stoffwechselstörung (z. B. Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen). Besteht der Verdacht, dass es sich doch um LADA handeln könnte, werden Blutuntersuchungen durchgeführt, um nach den entsprechenden Antikörpern zu fahnden; der positive Nachweis bestätigt die Diagnose.

Therapie

Den Verdacht auf LADA sollte man also wie beschrieben besonders bei nicht übergewichtigen erwachsenen Personen mit Diabetes haben, die (zunächst) keine Insulintherapie benötigen.

Zu Beginn wird LADA wie Typ-2-Diabetes mit Ernährungsanpassung, körperlicher Aktivität und bei Übergewicht mit einer Gewichtsreduktion behandelt. Im Verlauf wird jedoch die Insulinproduktion bei den meisten Patient*innen auf zu niedrige Werte fallen bzw. ganz versiegen, sodass die Patient*innen wie bei Typ-1-Diabetes auf eine Insulintherapie angewiesen sein werden. Allerdings gibt es Ausnahmen: Je nach Alter, Höhe der Antikörpermengen und anderen Faktoren ist es auch möglich, dass Patient*innen mit LADA noch eine Restfunktion ihrer Betazellen behalten und daher kein Insulin, sondern nur Tabletten gegen die Zuckerkrankheit benötigen. Daher gilt für LADA wie für andere Formen des Diabetes: Therapieplan und -ziele sollten ganz individuell mit dem ärztlichen Personal besprochen werden.

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Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Typ-1-Diabetes. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
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