Kopfschmerzen bei Kindern
Kopfschmerzen bei Kindern
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Was sind Kopfschmerzen bei Kindern?
Definition
Kopfschmerzen kommen oft vor – bei Erwachsenen und auch bei Kindern und Jugendlichen. Nicht immer lässt sich jedoch eine Ursache finden. Kopfschmerzen bei Kindern unter 6 Jahren sind ein Warnzeichen und müssen abgeklärt werden.
Symptome
Bei Kindern und Jugendlichen handelt es sich meistens um Spannungskopfschmerz oder Migräne. Die beiden Arten können sich vermischen. Wenn er mindestens 15 Tage im Monat auftritt, spricht man von chronischem Kopfschmerz.
Spannungskopfschmerz
Im Gegensatz zur Migräne betrifft Spannungskopfschmerz oft den ganzen Kopf – ein diffuser, haubenartiger Schmerz. Er kann lange anhalten – bis zu einer Woche – und ist weniger stark. Leichte Bewegung führt sogar zu einer Linderung. Auch Ablenkung ist hilfreich. Spannungskopfschmerz wird nicht von anderen Beschwerden begleitet.
Migräne
Sie äußert sich durch Schmerzattacken, die 2–72 Stunden lang anhalten. Der Schmerz ist pulsierend-pochend und mindestens mittelstark, kann aber auch sehr intensiv werden. Anders als beim Spannungskopfschmerz tut oft nur eine Seite des Kopfes weh. Der Schmerz nimmt bei Bewegung zu.
Oft treten einige Begleitsymptome auf:
- Übelkeit und Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit
- Geräuschempfindlichkeit
- Aura-Symptome: Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen
Ursachen
Der Schmerz ist lästig – aber meistens ungefährlich. Oft lässt sich kein genauer Grund für die Schmerzen bestimmen. Dies ist bei Spannungskopfschmerz und Migräne der Fall. Dann spricht man von primären Kopfschmerzen. Eher selten stecken andere Erkrankungen dahinter (sekundäre Kopfschmerzen). Auch wenn man nicht genau sagen kann, wie Spannungskopfschmerzen und Migräne entstehen, gibt es einige Faktoren, die die Schmerzen begünstigen:
Risikofaktoren
- Übergewicht
- Das Kind treibt keinen Sport.
- Schlafmangel, unregelmäßiger Schlaf
- Das Kind trinkt Kaffee, Cola oder Alkohol oder raucht Zigaretten.
- Zu wenig Freizeit
- Mobbing
- Leistungsdruck in der Schule
- Erwartungsdruck zu Hause
Sekundäre Kopfschmerzen
Selten findet sich eine Grunderkrankung, die den Schmerz auslöst. Dies kann eine Kopfverletzung durch einen Sturz sein. In einigen Fällen handelt es sich um eine Mittelohrentzündung. Auch eine Fehlsichtigkeit führt gelegentlich zu Schmerzen. Manchmal ist es eine Hirnhautentzündung (Meningitis). Hirntumore bei Kindern sind sehr selten.
Häufigkeit
Kopfschmerzen kommen bei Grundschulkindern seltener, mit dem Alter aber immer häufiger vor. Die meisten Jugendlichen haben mindestens einmal im Monat Kopfschmerzen. Oft handelt es sich um Spannungskopfschmerz oder Migräne – oder einen Mischtyp. Sekundäre Kopfschmerzen durch eine Grunderkrankung wie eine Mittelohrentzündung sind bei Kindern selten. Ungefähr 1 von 200 Kindern leidet unter chronischen Kopfschmerzen.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Kinder mit Kopfschmerzen haben bei der ärztlichen Untersuchung meistens keine feststellbaren körperlichen Ursachen. Haubenartiger, leichterer Schmerz nennt sich Spannungskopfschmerz. Übelkeit und Lichtempfindlichkeit bei starken einseitigen Schmerzen sprechen für eine Migräne.
Informieren Sie die Ärztin/den Arzt, wenn der Schmerz plötzlich eingesetzt oder Ihr Kind durch den Schmerz erbrochen hat und ob es zu einer Wesensveränderung gekommen ist.
Bei Spezialist*innen
Eine Blutentnahme ist normalerweise nicht notwendig. In der Praxis können Anzeichen für seltene neurologische Ursachen überprüft werden. Bei auffälligen Untersuchungsbefunden wird Ihr Kind an eine neurologische Praxis überwiesen. Eventuell werden dort die Hirnströme gemessen (EEG), ein Ultraschall gemacht oder eine andere bildgebende Untersuchung angeordnet. Bei entsprechendem Verdacht werden die Nasennebenhöhlen in der HNO-Praxis beurteilt.
Warnzeichen
Wenn Ihr Kind jünger als 6 Jahre ist, muss der Schmerz abgeklärt werden. Gleiches gilt für Schmerz, der „wie ein Donnerschlag” einsetzt oder sich verändert. Sie sollten aufmerksam werden, wenn der Schmerz so stark wird, dass er nächtliches oder morgendliches Erbrechen auslöst. Auch bei einer Wesensveränderung des Kindes sollten Sie dringend ärztliche Hilfe aufsuchen.
Behandlung
Allgemeines
Es ist sinnvoll, bei starken Beschwerden mehrere Ansätze gleichzeitig auszuprobieren. Dazu gehören körperliche und psychotherapeutische Wege:
- Physiotherapie für die Nacken-Schulter-Muskultatur
- elektrische Nervenstimulation
- muskuläres Biofeedback
- Entspannungsverfahren
Spannungskopfschmerz
Kopfschmerz ist meist harmlos. Normalerweise sind keine Medikamente nötig – Sie sollten sehr zurückhaltend mit Schmerzmitteln umgehen. Folgende Maßnahmen haben sich als nützlich erwiesen:
- leichte Bewegung
- Ablenkung
- Pfefferminzöl 10 % auf die Schläfen
- Schmerzmittel wie Ibuprofen sollten zurückhaltend eingesetzt werden.
Migräne
Bei kurzen Attacken helfen Basismaßnahmen (siehe unten). Eine Kühlung der Stirn sowie Rückzugsmöglichkeit und Schlaf können helfen.
Die Migräne führt jedoch oft zu starken Schmerzen. Folgende Medikamente können angewendet werden:
- Ibuprofen (sicherer als Paracetamol)
- Paracetamol
- Triptane ab dem 12. Lebensjahr als Nasenspray
Autor
- Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Kopfschmerzen bei Kindern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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