Hepatitis E

Hepatitis E

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Was ist Hepatitis E?

Definition

Hepatitis E ist eine Infektion der Leber mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV). In Deutschland wird die Erkrankung meist über infiziertes Schweine- oder Wildfleisch übertragen, in Ländern mit niedrigem Hygienestandard über verunreinigtes Wasser. Die Erkrankung nimmt den gleichen Verlauf wie eine Hepatitis-A-Infektion, heilt von selbst aus und wird nur selten chronisch. Bei einer akuten Leberentzündung nach einer Reise in Gegenden, in denen HEV stark verbreitet ist (Endemiegebiete), und wenn andere bekannte Hepatitisviren ausgeschlossen sind, sollte an Hepatitis E als mögliche Ursache gedacht werden.

Das Hepatitis-E-Virus wurde erstmals 1983 bei einer Immunelektronenmikroskopie von Stuhlproben entdeckt.

Symptome

Die Erkrankung beginnt meist mit grippeähnlichen Symptomen mit Fieber und Übelkeit. Bei vielen Betroffenen mit Hepatitis E treten jedoch keine Krankheitssymptome auf, sondern sie verläuft als sog. asymptomatische Infektion. Bei Personen mit HEV-Infektion, die erkranken, unterscheidet sich das klinische Bild meist nicht von anderen Typen einer Virushepatitis, z. B. einer Hepatitis A. Manche Betroffene entwickeln allerdings einen Verlauf mit Stauung der Gallenflüssigkeit und erhöhten AP-Werten. Selten sind auch das Nervensystem, die Nieren oder andere Organe betroffen. Die Erkrankung klingt üblicherweise nach einigen Wochen ab, ohne dauerhafte Schäden zu hinterlassen.

Zu Beginn der Erkrankung treten allgemeine Symptome und Beschwerden auf, wie Muskel- und Gelenkschmerzen, leichtes Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Gewichtsabnahme (2–4 kg), Austrocknung und Schmerzen im rechten Oberbauch (die sich bei körperlicher Aktivität verstärken).

In der Gelbsuchtphase kommt es zu den typischen Erscheinungen einer Gelbsucht. Bei Personen mit dunkler Haut kann die Gelbsucht schwerer zu erkennen sein, allerdings zeigt sie sich auch immer in einer Gelbfärbung des Weißen im Auge (Sklera). In dieser Periode ist der Urin dunkel und der Stuhl hell/weißlich verfärbt. Häufig tritt auch Juckreiz auf. Andere Symptome können Nesselsucht und Durchfall sein.

Ursachen

Verbreitung

Das Hepatitis-E-Virus ist weltweit verbreitet, die Verbreitung der verschiedenen Typen ist jedoch unterschiedlich.

In Deutschland, anderen europäischen Ländern und Nordamerika kommt vor allem HEV Typ 3 vor, das durch infiziertes Schweine- oder Wildfleisch übertragen wird.

Hepatitis-E-Viren vom Typ 1 oder 2 kommen in den meisten subtropischen und tropischen Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Mittelamerika vor. In diesen Ländern verursacht das Virus Hepatitis-Infektionen durch verunreinigtes Wasser, wobei es manchmal zu großen Ausbrüchen kommt, z. B. bei Überschwemmungen. Die ersten bekannten Epidemien fanden in Somalia, Sudan und Mexiko 1985 und 1986 statt. Insbesondere bei Epidemien treten auch in Industrieländern einzelne Fälle bei Personen auf, die sich in Verbreitungsgebieten infiziert haben.

Ansteckung

Zu Epidemien kommt es normalerweise, wenn Trinkwasser aufgrund schlechter sanitärer Verhältnisse durch Ausscheidungen verunreinigt wurde. Die direkte Übertragung von Person zu Person ist dagegen viel seltener, kann aber insbesondere bei HEV Typ 1 und Typ 2 durch Schmierinfektion erfolgen. Mangelhafte Hygiene geht mit einem höheren Ansteckungsrisiko einher.

Hepatitis-E-Viren können außerdem durch den Verzehr von unzureichend gegartem Wild- und Schweinefleisch und dessen Produkten sowie von Muscheln übertragen werden. In Ländern mit unzureichendem Hygienestandard können auch andere Lebensmittel mit HEV verunreinigt sein.

Aus Risikogebieten wurden auch Übertragungen von der Mutter aufs Kind und Infektionen über Bluttransfusionen berichtet.

Die Inkubationszeit (die Zeit zwischen Ansteckung und Beginn der Symptome) beträgt 15–64 Tage, im Durchschnitt 40 Tage. Etwa eine Woche nach Auftreten der ersten Symptome können Viren im Blut und im Stuhl nachgewiesen werden.

Häufigkeit

In Deutschland nahm die Zahl der gemeldeten Hepatitis-E-Infektionen in den letzten 10 Jahren stark zu. Wahrscheinlich beruht diese Zunahme vor allem auf einer vermehrten Diagnosestellung. Etwa 3/4 der gemeldeten Infektionen betreffen Personen über 40 Jahre. 16,8 % der erwachsenen Bevölkerung haben Antikörper gegen HEV.

Untersuchungen

  • Der Verdacht auf Hepatitis E ergibt sich aus den Symptomen und der Krankengeschichte. Insbesondere bei Symptomen einer Leberentzündung nach einem Aufenthalt in Risikogebieten sollte an Hepatitis E gedacht werden.
  • Eine Blutuntersuchung, bei der die Leberwerte und Antikörper gegen HEV bestimmt werden, kann die Diagnose klären. Das Virus kann auch direkt in Blut- oder Stuhlproben nachgewiesen werden.
  • Zusätzlich kann eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums durchgeführt werden.

Behandlung

  • Das wesentliche Ziel der Therapie ist, die weitere Krankheitsübertragung zu verhindern, indem für sauberes Trinkwasser, gute sanitäre Verhältnisse und gute persönliche Hygiene gesorgt wird.
  • Die Hepatitis E ist eine selbstbegrenzende Infektion, die in der Regel keine besondere Behandlung benötigt. Nur die Symptome können gelindert werden.
  • Wie aktiv die Patient*innen während der Erkrankung sein können, richtet sich nach dem jeweiligen Allgemeinzustand. Es gibt keinerlei Nachweis dafür, dass Bettruhe die Genesung beschleunigen würde, ganz im Gegenteil.
  • Bei chronischer Hepatitis-E-Infektion (über 3 Monate) wird eine antivirale Therapie mit Ribavirin empfohlen.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hepatitis E. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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