Harninkontinenz während der Schwangerschaft und nach der Geburt

Harninkontinenz während der Schwangerschaft und nach der Geburt

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Was ist eine Harninkontinenz während der Schwangerschaft und nach der Geburt?

Definition

Eine Harninkontinenz bezeichnet den unfreiwilligen Abgang von Urin. Eine Schwangerschaft und eine Geburt sind bekannte Risikofaktoren für eine Harninkontinenz.

Symptome

Die Harninkontinenz lässt sich unterteilen in eine Stressinkontinenz und eine Dranginkontinenz, zudem gibt es Mischformen.

Bei einer Stressinkontinenz verlieren Sie beim Springen, Laufen, raschen Gehen, Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen, Husten, Niesen oder Lachen unkontrolliert geringe Mengen Urin.

Man spricht von einer Dranginkontinenz, wenn Sie einen plötzlichen zwingenden Drang verspüren, die Blase zu entleeren. Es kommt zum unfreiwilligen Abgang von größeren Mengen Urin.

Ursachen

Die Stressinkontinenz entsteht durch einen geschwächten oder geschädigten Beckenboden durch die Schwangerschaft oder die Geburt.

Bei der Dranginkontinenz ist die Koordination des Wasserlassens gestört. Es wird angenommen, dass die Signalübertragung im zentralen Nervensystem gestört ist.

Das Risiko für Harninkontinenz steigt mit dem Alter und dem Körpergewicht bzw. dem Body-Mass-Index (BMI). Vorausgegangene vaginale Entbindungen, besonders von schweren Neugeborenen mit großem Kopfumfang, erhöhen das Risiko. Geburtsverletzungen wie größere Risse in Vagina oder Damm in Richtung des Enddarms bei einer früheren Geburt führen häufiger zu Harninkontinenz. Wenn die letzte Phase der Geburt (Austreibungsphase) lange dauert, wird viel Druck auf den Beckenboden ausgeübt. Auch das kann das Risiko einer Harninkontinenz in einer späteren Schwangerschaft erhöhen.

Frauen mit Harninkontinenz vor der Schwangerschaft leiden eher unter Harninkontinenz während der Schwangerschaft. Auch eine starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft begünstigt eine Harninkontinenz. Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) haben ein erhöhtes Risiko.

Häufigkeit

Eine Harninkontinenz während der Schwangerschaft ist häufig: 30–70 % der Schwangeren leiden unter einer Harninkontinenz. In knapp 2 von 3 Fällen handelt es sich um eine Stressinkontinenz.

3 Monate nach der Geburt klagen noch 16–29 % der Frauen über einen unfreiwilligen Urinabgang.

Untersuchungen

Um die Diagnose einer Harninkontinenz stellen zu können, werden Sie nach Ihren Beschwerden gefragt. Es ist wichtig, in welchen Situationen Sie Urin verlieren, wie häufig die Inkontinenz auftritt und wie viel Urin Sie verlieren. Auch Risikofaktoren und weitere Symptome werden erfragt. Zur Unterstützung der Diagnose können Fragebögen, z. B. der Inkontinenzfragebogen ICIQ-SF, ausgefüllt werden. Unter Umständen ist es hilfreich, ein Tagebuch über das Wasserlassen zu führen. Dort wird notiert, wie viel Sie trinken und ob Sie Harndrang haben, sowie wann Urin abgegangen ist.

Ergänzend zum Arztgespräch wird eine Urinprobe untersucht, um einen Harnwegsinfekt auszuschließen. Zudem kann in einer Ultraschalluntersuchung festgestellt werden, wie viel Urin nach dem Wasserlassen noch in der Blase ist. Weitere Untersuchungen sind normalerweise nicht erforderlich.

Bei Unklarheit der Beschwerden kann eine sog. urodynamische Untersuchung notwendig sein. Hierbei wird die Funktion der Harnblase eingeschätzt.

Bei einer komplizierter Stressinkontinenz oder wenn Sie länger als 3 Monaten unter einer Inkontinenz leiden, sollten Sie zu Spezialist*innen überwiesen werden.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung der Kontinenz, sodass Sie den Urin wieder halten können und damit die Verbesserung der Lebensqualität. In den Monaten nach der Geburt verbessern sich die Beschwerden oft.

Stressinkontinenz

Das Beckenboden-Training steht im Vordergrund der Behandlung. Dafür sollten die Schwangeren professionell angeleitet werden von speziell ausgebildeten Physiotherapeut*innen. Richtig durchgeführtes Training des Beckenbodens ist sowohl wirkungsvoll als auch kostengünstig und hat keine Nebenwirkungen.

Unter Umständen kann das Medikament Duloxetin bei einer Stressinkontinenz eingesetzt werden. Jedoch sollte das Medikament nur verschrieben werden, wenn der Nutzen die möglichen Risiken übersteigt. Unter einer Behandlung mit Duloxetin sind Anpassungsstörungen des Neugeborenen möglich.

Die Beschwerden können durch Schaumstoff-Tampons oder Urethrapessare gelindert werden. Ein Urethrapessar ist ein Silikon-Ring und wird in die Vagina eingeführt. Es gibt auch eine Lasertherapie. Die Ergebnisse sind hier jedoch von gemischter Qualität.

Dranginkontinenz

Bei einer Dranginkontinenz oder einer überaktiven Blase wird das Toilettentraining empfohlen, bei dem Sie nach und nach die Zeit zwischen den Blasenentleerungen erhöhen. Das Ziel ist es, wieder die Kontrolle über die Blasenfunktion zu erlangen und dieser wieder zu vertrauen. Das Toilettentraining kann durch Beckenbodentraining in Gruppen- oder Einzelbehandlung oder durch Elektrostimulation und Biofeedbackgeräte unterstützt werden.

Eine medikamentöse Behandlung wird aufgrund der Risiken für das ungeborene Kind nicht empfohlen.

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