Darminfarkt

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Was ist ein Darminfarkt?

Definition

Ein Darminfarkt ist eine akut auftretende Durchblutungsstörung des Darms mit Gewebeschädigung. Bei einer Verengung eines der großen Blutgefäße, die den Darm versorgen, erleidet ein Teil des Darms einen Sauerstoffmangel und stirbt ab, falls nicht schnell genug Gegenmaßnahmen erfolgen.

Symptome

Der Darminfarkt tritt in der Regel akut auf und äußert sich durch sehr starke Schmerzen im Bauchbereich. Den Schmerzen folgen Übelkeit und Erbrechen, und nach relativ kurzer Zeit kommt es auch zur durchfallartigen Entleerung des Darms, häufig mit Blutbeimischungen im Stuhl.

Die Schmerzen treten oft im rechten Unterbauch auf, häufig können sie aber auch nicht genau beschrieben werden. Typischerweise lassen die Bauchschmerzen nach einigen Stunden nach, weil Zellen, die Schmerzen wahrnehmen, geschädigt werden. Die Schmerzen nehmen dann wieder zu, wenn eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) entstanden ist.

Ein Darminfarkt ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die zu Kreislaufversagen und Blutvergiftung führen kann, wenn sich Bakterien aus dem Darm im Körper ausbreiten!

Ursachen

Es kommt zu einer Durchblutungsstörung in den großen Darmarterien- oder venen. Wenn die Blutzufuhr und damit auch die Sauerstoffzufuhr in einem Bereich des Darmes zu gering sind, entwickeln sich Symptome eines Sauerstoffmangels. Diese Symptome können sich in Form von Funktionsausfällen oder Schmerzen zeigen. Bei einem völligen Verschluss eines Blutgefäßes stirbt der Bereich ab, der normalerweise über das betroffene Blutgefäß mit Sauerstoff versorgt wird.

Es können venöse oder arterielle Darmgefäße betroffen sein. Außerdem wird bei der Entstehung eines Darminfarkts zwischen Thrombosen und Embolien unterschieden:

  • Wenn sich ein Blutgerinnsel vor Ort im Gefäß gebildet hat und dieses verstopft, dann spricht man von einer Thrombose.
  • Wenn ein Blutgerinnsel in einem Gefäß entsteht, es mit dem Blutstrom in ein anderes Gefäß gelangt ist und dort einen Verschluss verursacht, nennt man dies eine Embolie.

In 70 % der Fälle ist ein arterielles Darmgefäß betroffen, Embolien sind häufiger als Thrombosen. Thrombosen der Darmvenen (Mesenterialvenen) kommen in 15 % der Fälle vor.

Die restlichen 15 % entfallen auf Darminfarkte, die durch eine Minderdurchblutung aufgrund eines stark verminderten Blutdrucks entstehen, z. B. während einer Blutwäsche (Hämodialyse) oder aufgrund einer Operation, die den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine erfordert.

Bestimmte Erkrankungen begünstigen einen Darminfarkt

Häufigkeit

  • Der Darminfarkt kommt im Unterschied zum Herzinfarkt und Schlaganfall nur selten vor. Daten zufolge treten etwa 13 Fälle auf 100.000 Einw. auf.
  • Bei 1 % aller Patient*innen, die plötzlich auftretende starke und anhaltende Bauchschmerzen (akutes Abdomen) haben, ist ein Darminfarkt die Ursache.
  • Am häufigsten ist die obere Mesenterialarterie betroffen (Arteria mesenterialis superior).

Untersuchung

Bei starken Bauchbeschwerden kommen viele verschiedene Ursachen infrage (siehe auch Artikel Akutes Abdomen).

Möglicherweise geben Vorerkrankungen wie Vorhofflimmern oder bestimmte begünstigende Vorerkrankungen Hinweise auf einen Darminfarkt bei der Erhebung der Krankengeschichte.

Eine gründliche körperliche Untersuchung mit Fokus auf den Bauch (Abhorchen, Abtasten, Abklopfen) gibt Hinweise auf den Schweregrad der Erkrankung. Ist der Bauch sehr druckempfindlich oder gespannt, spricht dies für eine Reizung bzw. Entzündung des Bauchfells.

Bei Verdacht auf einen Darmverschluss oder eine andere schwerwiegende Erkrankung des Bauchraumes werden die Betroffenen in ein Krankenhaus eingewiesen. Dort können weitere Untersuchungen wie eine Blutentnahme und bildgebende Verfahren (z. B. Röntgen, CT-Angiografie) durchgeführt werden.

Behandlung

Ein Darminfarkt ist ein Notfall, der unverzüglich behandelt (operiert) werden muss, und ohne Behandlung meist tödlich verläuft!

Bei der Operation wird versucht, die Blutzufuhr zum betroffenen Bereich mithilfe von gefäßchirurgischen Maßnahmen oder durch eine Ballonerweiterung der verengten Gefäße mit Katheter wiederherzustellen. Letzteres ist nur möglich, wenn noch keine Entzündung des Bauchfells vorliegt (Peritonitis). In diesem Fall wird eine Operation durchgeführt.

Wenn der Darminfarkt bereits länger als einige Stunden andauert, bleibt meist keine andere Möglichkeit, als den Teil des Darms zu entfernen, der nicht mehr mit Blut versorgt wird.

Dabei handelt es sich um einen großen Eingriff, bei dem ein hohes Risiko für eine Blutvergiftung und eine Überbelastung des Herzens besteht. Ganz allgemein gilt, dass die Prognose umso besser ist, je schneller die Diagnose gestellt wird und die Behandlung beginnen kann. Die Dauer des Gefäßverschlusses ist für die Überlebenschance  entscheidend:

  • 70 % bei Behandlung innerhalb der ersten 6 Stunden nach Symptombeginn
  • 40 % bei Behandlung zwischen 6 und 12 h nach Symptombeginn
  • 0–20 % bei Behandlung > 24 h nach Symptombeginn.

Autorin

  • Susanna Allahwerde, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Berlin

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Darmischämie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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