Blutungen während der Schwangerschaft

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Was sind Blutungen während der Schwangerschaft?

Definition

Blutungen während der Schwangerschaft werden nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens eingeteilt: Vaginale Blutungen bis zur vollendeten 12. Schwangerschaftswoche (im 1. Trimenon) nennt man frühe Blutungen, bei einem Auftreten im 2. und 3. Trimenon spricht man von Blutungen in der Spätschwangerschaft.

Symptome

Blutungen können stark oder schwach ausfallen oder als Schmierblutung auftreten. Darüber hinaus sind weitere Symptome möglich:

  • Schmerzen, möglicherweise auch durch gereiztes Bauchfell (Peritonismus) verursacht
  • Wehen
  • Schlechtes Allgemeinbefinden
  • Präeklampsie: Bluthochdruck zusammen mit Proteinurie (erhöhtes Ausscheiden von Eiweiß, erkennbar an schaumigem, seifigem Urin)

Ursachen

Im 1. Trimenon

Wenn in den ersten Wochen der Schwangerschaft Blutungen auftreten, sollten Sie diese umgehend abklären lassen. In Zusammenhang mit der Schwangerschaft sind folgende Ursachen denkbar:

  • möglicherweise bevorstehende Fehlgeburt bei eher schwachen, von mäßigen Schmerzen begleiteten Blutungen
  • unvollständige Fehlgeburt bei starken, hellroten Blutungen mit zunehmenden Schmerzen
  • ektope/extrauterine Schwangerschaft (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter), Schmerzen und leichte Blutungen in der 6.–8. Schwangerschaftswoche
  • möglicherweise im Schwangerschaftsverlauf leicht erhöhtes Risiko für Frühgeburten und Plazentaablösungen

Vaginale Blutungen können bei intakter Schwangerschaft auftreten. Außerdem sind schwache Blutungen möglich, wenn sich die Eizelle in der Gebärmutterwand einnistet (Implantationsblutung). Diese treten etwa zum Zeitpunkt der erwarteten Menstruationsblutung auf und haben in der Regel keine medizinischen Folgen.

Darüber hinaus sind Ursachen möglich, die nichts mit der Schwangerschaft zu tun haben:

  • blutende Polypen im Gebärmutterhals (Zervixpolypen)
  • Gebärmutterhalsentzündung (Zervizitis)
  • Scheideninfektionen
  • Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

Im 2. und 3. Trimenon

Mögliche Ursachen für späte Blutungen sind:

  • Zeichnungsblutung (Blutung kurz vor Beginn der Geburt, hervorgerufen durch Ablösung des Schleimpfropfens am Muttermund): Meist schwache, dunkle Blutungen, die aber auch stärker ausfallen können.
  • Fehllage der Plazenta vor dem Muttermund (Placenta praevia): In der Regel schmerzlose Blutungen, deren Intensität in Richtung des Geburtstermins zunimmt.
  • Plazentalösung: Schwere und plötzlich auftretende Blutungen, die häufig mit Schmerzen in Unterleib und Rücken verbunden sind. Häufigster Grund für schwere Blutungen in der Spätschwangerschaft. Lebensbedrohlicher Notfall!
  • Trophoblasterkrankungen
    • gutartige oder bösartige tumorartige Vermehrung von Embryonalzellen
  • Schleimhautrisse in der Vagina
  • Kontaktblutungen nach Geschlechtsverkehr bei Ektopie am Muttermund (unübliche Gewebebildung am Muttermund)
  • Krampfadern im Genitalbereich (Vulvavarizen)
  • Bei einer künstlichen Öffnung der Fruchtblase während der Geburt (Amniotomie) oder wenn die Fruchtblase platzt: Gerissene Blutgefäße in den Eihäuten, die den Fötus umgeben (Vasa praevia).
  • In seltenen Fällen Gebärmutterhalskrebs und Polypen im Gebärmutterhals

Häufigkeit

Bei etwa 25 % aller schwangeren Frauen treten in den ersten Wochen der Schwangerschaft Blutungen auf. Späte Blutungen im 2. und 3. Trimenon lassen sich in etwa 6 % der Fälle beobachten.

Wenn sich die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter einnistet, treten zudem häufig harmlose Blutungen auf.

Untersuchungen

In der Hausarztpraxis

Zunächst kann Ihnen Ihr Arzt/Ihre Ärztin einige Fragen zur Schwangerschaft bzw. zu den Blutungen stellen. Wichtig sind u. a. folgende Angaben:

  • Menge und Regelmäßigkeit der Menstruation
  • Zeitpunkt der letzten Menstruation
  • Menge und Dauer der Blutungen in der Schwangerschaft
  • Beschaffenheit (z. B. Blutpfropfen oder Reste von Membranen)

Mögliche Untersuchungen sind:

  • Messung von Puls und Blutdruck
  • Vorsichtiges Abtasten des Bauches
  • Schwangerschaftstest mittels Urinuntersuchung (bei noch nicht festgestellter Schwangerschaft)

Insbesondere niedriger Blutdruck, Herzrasen (Tachykardie) und weiteren Anzeichen von Kreislaufproblemen (sog. hämodynamische Instabilität) gelten als Hinweise auf schwere Komplikationen. In der Regel erfolgt die umgehende Einweisung in eine Klinik.

Bei Spezialist*innen

In einer gynäkologischen Praxis oder Klinik können folgende Untersuchungen vorgenommen werden:

  • Ultraschalluntersuchung
  • Untersuchung des Muttermundes und beidhändige Tastuntersuchung (ohne vorherige Ultraschalluntersuchung nur im 1. Trimenon)
  • Abtasten des Bauches
  • Bestimmung der Höhe des Schwangerschaftshormons Beta-hCG im Blut
  • Bei Verdacht auf Infektion: Untersuchung auf Chlamydien und Gonorrhö

Behandlung

Blutungen im 2. und 3. Trimenon haben in der Regel zur Folge, dass Sie in eine Klinik überwiesen werden. Dies gilt auch für starke Blutungen im 1. Schwangerschaftsdrittel. 

Autorin

  • Nina Herrmann, Wissenschaftsjournalistin, Flensburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Blutungen während der Schwangerschaft. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Hendriks E, MacNaughton H, MacKenzie MC. First Trimester Bleeding: Evaluation and Management.nAm Fam Physician. 2019 Feb 1;99(3):166-174. www.aafp.org
  2. Prabhu M, Eckert LO, Belfort M, Babarinsa I, Ananth CV, et al. Antenatal bleeding: Case definition and guidelines for data collection, analysis, and presentation of immunization safety data. Vaccine. 2017;35(48 Pt A):6529. www.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Sakornbut E, Leeman L, Fontaine P. Late pregnancy bleeding. Am Fam Physician 2007; 75: 1199-206. www.aafp.org
  4. Lykke JA, Dideriksen KL, Lidegaard O, Langhoff-Roos J. First-trimester vaginal bleeding and complications later in pregnancy. Obstet Gynecol 2010; 115: 935-44. PubMed
  5. Taran FA, Kagan KO, Hübner M, Hoopmann M, Wallwiener D, Brucker S. The diagnosis and treatment of ectopic pregnancy. Dtsch Arztebl Int 2015. www.aerzteblatt.de
  6. Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG). S2k-Leitlinie Gestationsbedingte und nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 032-049, Stand 2022. register.awmf.org
  7. Albers JR, Miller TH. Placenta praevia. BMJ Best Practice, Last updated: 31 Jan 2023 (letzter Zugriff 11.07.23). bestpractice.bmj.com
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