Binge Eating
Binge Eating
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Was ist Binge Eating?
Definition
Die Binge-Eating-Störung ist durch häufige Essattacken gekennzeichnet, bei denen innerhalb eines begrenzten Zeitraums (z. B. zwei Stunden) große Mengen Lebensmittel verzehrt werden, ohne dass sie, im Gegensatz zur Bulimie, wieder erbrochen werden. Während der Essattacke haben betroffene Personen das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, das heißt, sie können nicht mehr aufhören zu essen. Es besteht ein deutlicher Leidensdruck wegen der Essanfälle.
Die Essanfälle treten im Durchschnitt mindestens einmal pro Woche über einen Zeitraum von 3 Monaten auf.
Symptome
Typische Symptome der Binge-Eating-Störung können sein:
- In einem abgegrenzten Zeitraum, z. B. innerhalb eines zweistündigen Zeitabschnitts, wird eine Nahrungsmenge gegessen, die eindeutig größer ist als das, was die meisten Menschen in einem vergleichbaren Zeitabschnitt und unter ähnlichen Umständen verzehren würden.
- Essattacken mit dem Gefühl, das Essen nicht beenden zu können, oder nicht bestimmen zu können, was und wie viel gegessen wird.
- Sehr schnelles Essen von großen Nahrungsmengen, ohne Hunger zu verspüren.
- Unangenehmes Völlegefühl nach dem Essen
- Alleine essen aus Scham vor den Mitmenschen.
- Gefühle von Scham, Schuld und Ekel im Anschluss an die Attacken
Im Unterschied zum einfachen „Überessen“ sind die Symptome der Binge-Eating-Störung viel schwerer und der Leidensdruck der Betroffenen ist größer.
Ursachen
Die Essattacken können als ein Versuch angesehen werden, mit Stress und emotionalen Problemen umzugehen. Das Essverhalten selbst, die psychische Motivation für die Essattacken (z. B. Stressbewältigung, Beruhigung), der Kontrollverlust und die Folgen wie Adipositas sorgen für ein Aufrechterhalten bzw. eine Verschlimmerung der Erkrankung. Sehr wenig bekannt ist über die Ursachen, die Entstehung der Erkrankung und den Zusammenhang zwischen Essattacken und Übergewicht.
Viele Betroffene (50–80 %) leiden gleichzeitig unter anderen psychischen Problemen wie spezifischer Phobie (37 %), sozialer Phobie (32 %) und anderen Angststörungen, Depression (32 %), posttraumatischer Belastungsstörung (26 %), Persönlichkeitsstörungen, Alkoholmissbrauch (21 %) und Drogenabhängigkeit.
Häufigkeit
In Deutschland leiden 0,1 % der Erwachsenen an einer Binge-Eating-Störung. Männer scheinen ähnlich häufig betroffen zu sein wie Frauen. Das durchschnittliche Ersterkrankungsalter liegt bei 23 Jahren.
Untersuchungen
- Bei der ärztlichen Untersuchung werden zunächst die Symptome erfasst. In einem ausführlichen Gespräch werden Sie u. a. nach Dauer und Art der Essattacken sowie nach weiteren Beschwerden gefragt.
- Spezielle Fragebögen können den Verdacht auf eine Essstörung oder eine gleichzeitig auftretende psychische Störung bestätigen.
Körperliche Untersuchung
- Bei einer ausführlichen körperlich-neurologischen Untersuchung werden u. a. Größe, Gewicht, Puls und Blutdruck erfasst.
- Zusätzlich können Blutuntersuchungen durchgeführt werden.
- In begründeten Fällen kann auch eine Ultraschalluntersuchung vom Bauch gemacht werden.
- Im Rahmen der körperlichen Untersuchung werden Ärzt*innen ebenfalls nach Hinweisen auf mögliche Begleiterkrankungen schauen und bei Bedarf weitere Untersuchungsschritte einleiten.
Überweisung zu Spezialist*innen
- Betroffene Personen werden in der Regel zur weiteren Abklärung und Behandlung zu Psychotherapeut*innen überwiesen.
- Im Idealfall arbeiten diese mit entsprechend geschulten Ernährungsberater*innen zusammen.
Behandlung
Psychotherapie
Die Therapie der Wahl zur Behandlung der Binge-Eating-Störung ist eine Psychotherapie. Die bevorzugte Therapiemethode ist die kognitive Verhaltenstherapie, die sowohl als Einzel- als auch als Gruppentherapie stattfinden kann. Angeleitete Selbsthilfe nach Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie kann als vereinfachte Therapieform etwa gleich gute Ergebnisse erzielen. Kindern und Jugendlichen wird eine Psychotherapie unter Einbeziehung der Eltern empfohlen.
Medikamente
Aktuell sind keine Medikamente zur Behandlung einer Binge-Eating-Störung zugelassen. Bei Bedarf ist es jedoch möglich, die Behandlung unter sorgfältiger Aufklärung über Risiken, Nutzen und Nebenwirkungen medikamentös zu unterstützen, v. a. wenn eine alleinige Psychotherapie nicht zum Erfolg führt oder diese von betroffenen Personen abgelehnt wird.
Als mögliche Medikamente kommen infrage: Antidepressiva oder bestimmte Medikamente zur Behandlung der ADHS.
Einweisung in ein Krankenhaus
Wenn eine ambulante Behandlung nicht ausreicht, die Störung sehr ausgeprägt ist, weitere psychische oder körperliche Erkrankungen oder das Umfeld einen ambulanten Therapieerfolg verhindern, kann in seltenen Fällen eine Behandlung in einem Krankenhaus eingeleitet werden.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Binge-Eating-Störung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Iqbal A, Rehman A. Binge Eating Disorder 2022. In: StatPearls Internet. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2023 Jan–. PMID: 31869164. PubMed
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- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). ICD-10-GM Version 2023. Stand 06.12.2022. www.dimdi.de
- World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics. Version Januar 2023 icd.who.int
- Jacobi F, Höfler M, Strehle J, et al. Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul Psychische Gesundheit (DEGS1-MH). Der Nervenarzt 2014; 85:77–87. DOI: 10.1007/s00115-013-3961-y DOI
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- Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie. S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Essstörungen. AWMF-Leitlinie Nr. 051-026, Stand 2018 (abgelaufen). register.awmf.org
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