Leistenzerrung

Leistenzerrung

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Was ist eine Leistenzerrung?

Definition

Bei einer Leisten- oder Adduktorenzerrung handelt es sich um eine Entzündung und/oder Überlastung der Sehnen im Bereich der Adduktorenmuskeln des Hüftgelenks. Diese Muskelgruppe besteht aus 6 unterschiedlichen Muskeln, die am Schambein (Symphyse) entspringen und über dem größten Teil der Rückseite des Oberschenkelknochens ansetzen. Die Muskeln sind in mehreren Schichten angeordnet und dienen der Heranführung des Oberschenkels an den Körper und der Stabilisierung des Beckens.

Symptome

Bei intensiver körperlicher Belastung (z. B. Wettkampfsport) treten Schmerzen in der Leistengegend auf, die im Verlauf stärker werden. Die Beschwerden können in die Innenseite des Oberschenkels ausstrahlen. Sie treten häufig bei bestimmten Bewegungen auf, die für die jeweilige Sportart typisch sind.

Eine akute Verletzung (Zerrung, Muskelfaserriss) zeigt sich durch plötzlich einschießende Leistenschmerzen.

Ursachen 

Häufig treten Verletzungen der Adduktoren infolge einer ruckartigen Seitwärtsbewegung auf, z. B. bei einem Richtungswechsel. Sportartenspezifische Bewegungen können zu hohen Belastungen der Adduktoren führen, z. B. Pass-/Schussbewegungen beim Fußball mit dem Innenrist, Tritte bei Karate oder Dribblings mit abruptem Richtungswechsel im Handball.

Eine Sehnenentzündung kann durch Überlastung, aber auch durch Erkrankungen wie  rheumatoide Arthritis oder Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) entstehen. Wenn die Überlastung anhält, findet ein Umbau des Sehnenegewebes statt.

Risikofaktoren sind eine vorausgegangene Verletzung der Adduktoren, eine (altersbedingte) Schwäche des Bindegewebes, Schwäche der Adduktorenmuskulatur und die Ausübung bestimmter Sportarten.

Häufigkeit

Leistenzerrungen sind ein häufiges Problem bei Personen, die körperlich aktiv sind, vor allem im Leistungssport (z. B. Fußball, Handball, Sprinten). Laut Studien treten bis zu 18 Verletzungen pro 100 Fußballspieler*innen pro Jahr auf.

Bei Ausübung der gleichen Sportarten sind Männer etwa 2,5-mal so häufig von Adduktorenverletzungen betroffen wie Frauen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter an.

Untersuchungen

  • Die Symptome sowie die Beschreibung des Verletzungshergangs lenken in der Regel den Verdacht auf eine Leistenzerrung. Andere Ursachen, wie ein Leistenbruch, sollen ausgeschlossen werden.
  • Bei der körperlichen Untersuchung werden Becken, Beine und Wirbelsäule begutachtet, um mögliche Ursachen für die Fehlbelastung zu erkennen. Zudem wird die Leiste abgetastet.
  • Mit verschiedenen Tests wird die Funktion des Hüftgelenks überprüft.
  • Bei unsicherer Diagnose wird in einigen Fällen eine Röntgenuntersuchung, Ultraschall oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt.

Behandlung

  • Therapieziel ist zunächst die Schmerzlinderung, dann die schnelle Rückkehr zur körperlichen Aktivität und Vorbeugung von Rückfällen.
  • Schmerzauslösende Bewegungen sollten beendet werden.
  • Im akuten Verletzungsfall sind die üblichen Erste-Hilfe-Maßnahmen in Form von Ruhe, Kühlung, Druck auf die verletzte Stelle und Hochlagerung des Beines zu ergreifen.
  • Gehstützen können die ersten paar Tage verwendet werden, um die Schmerzen zu lindern.
  • Bei Überlastung und chronischen Beschwerden besteht die wichtigste Therapie in unterschiedlichen Trainingsmaßnahmen. Eine solche konservative Therapie ist langwierig, sie dauert oft 4–6 Monate oder länger.

Medikamente

  • In der Akutphase können für 3–4 Tage entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) gegeben werden.

Physiotherapie

  • Es darf nicht vergessen werden, dass zu intensive Rehabilitationsmaßnahmen und die frühzeitige Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten die häufigste Ursache für chronische Beschwerden darstellen.
  • Mit aktiven Bewegungsübungen ohne Widerstand kann begonnen werden, sobald die Patient*innen diese ohne Schmerzen durchführen können.
  • Nach einer Weile kann vorsichtig mit Kräftigungsübungen begonnen werden. Erhöhen Sie die Belastung allmählich. Belastungsübungen, bei denen gleichzeitig die Muskeln gedehnt werden (exzentrische Übungen), sind zu empfehlen.
  • Machen Sie gleichzeitig Kräftigungsübungen für die Hüft- und Rumpfmuskulatur. 
  • Nach einer Weile können Sie mit einem Radfahrtraining beginnen.
  • Erst wenn alle Übungen mit hoher Intensität schmerzfrei durchgeführt werden können, darf mit dem Lauftraining begonnen werden.
  • Sobald Lauftraining mit Richtungswechseln schmerzfrei möglich ist, kann zum sportartspezifischen Training zurückgekehrt werden.

Operative Therapie

  • Bei einem seltenen kompletten Abriss der Adduktorensehne kann eine Operation nötig sein.
  • Die Sehne wird dann über Knochenanker oder Schraubensysteme befestigt.

Videos

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Adduktoren-Tendopathie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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