Polyurie (erhöhte Urinausscheidung)

Polyurie (erhöhte Urinausscheidung)

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Was ist eine erhöhte Urinausscheidung (Polyurie)?

Von einer Polyurie wird meist gesprochen, wenn eine Person mehr als 3 l Harn pro Tag ausscheidet. Die genaue Definition hängt vom Alter und vom Körpergewicht ab. Normalerweise bildet der Körper pro Tag etwa 800 ml Harn. Der Harn wird von den Nieren produziert. Sie bilden den Harn aus Flüssigkeit (Wasser) und aus Stoffwechselprodukten aus dem Blut.

Mit Polyurie ist jedoch nicht häufiges Wasserlassen mit jeweils kleiner Harnmenge gemeint. Gleiches gilt für Toilettengänge in der Nacht – solange die Gesamtproduktion in 24 Stunden normal ist.

Was kann die Ursache sein? 

Häufige Ursachen

  • Medikamente
    • harntreibende Medikamente (Diuretika)
    • Lithium (z. B. zur Vorbeugung bei einer bipolaren Störung)
    • SGLT-2-Hemmer (z. B. Empagliflozin bei Diabetes mellitus)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche, typisch ist vermehrtes Wasserlassen auch in der Nacht)

Weniger häufige Ursachen

Seltene Ursachen

Mechanismen

Es können drei Mechanismen zur Polyurie führen:

  1. Vermehrtes Trinken (bei primärer Polydipsie)
  2. Hormonstörung des Hormons ADH (Diabetes insipidus)
    • ADH bremst die Harnproduktion.
    • Die ADH-Produktion im Hypothalamus kann beeinträchtigt sein (zentraler Diabetes insipidus).
    • Die ADH-Wirkung in den Nieren kann beeinträchtigt sein (renaler Diabetes insipidus, z. B. durch Medikamente oder bei einer Nierenschwäche).
  3. Osmotische Wirkung durch lösliche Substanzen im Harn (z. B. Glukose (Zucker) im Urin bei Diabetes mellitus)

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

  • Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie mehr Wasser lassen müssen als üblich.
  • Wenn Sie nachts häufiger zur Toilette gehen müssen, besonders dann, wenn Sie nachts mehr als 1/3 der Gesamtmenge ausscheiden.
  • Wenn Sie in letzter Zeit starken Durst verspüren.
  • Wenn bei Ihnen eine Vorerkrankung festgestellt wurde, z. B. Diabetes mellitus oder Nierenerkrankungen.

Untersuchungen

In der Hausarztpraxis

Mögliche Untersuchungen in der Hausarztpraxis sind:

  • Blutentnahme
  • Urinprobe
  • Tagebuch über Trinkmenge und Harnmenge (Miktionstagebuch)
  • Ultraschalluntersuchung der Nieren
  • Messung der Harnmenge über 24 Stunden
  • Einfacher Durstversuch
    • Hierbei sollen Sie für etwa 8–10 Stunden nichts trinken – in der Regel über Nacht.
    • Anschließend (am nächsten Morgen) gehen Sie in die Praxis.
    • Dort wird eine Blutentnahme durchgeführt und Sie geben eine Harnprobe ab.
    • Im Anschluss dürfen Sie wieder trinken.

Bei Spezialist*innen

In einer Spezialpraxis bzw. im Krankenhaus sind weitere Untersuchungen möglich:

  • Durstversuch auf der Station
    • Auf einer Krankenhausstation verzichten Sie für bis zu 10 Stunden auf Flüssigkeit.
    • Währenddessen finden regelmäßige Untersuchungen statt (u. a. Körpergewicht, Blutdruck, Harnproben, Blutentnahmen).
    • Ggf. erhalten Sie während des Versuchs ein Medikament, das die Harnproduktion senkt (Desmopressin).
  • Copeptin-Messung (häufig zur Diagnose eines Diabetes insipidus)
  • Magnetresonanztomografie (MRT) der Hirnanhangsdrüse bei Verdacht auf bestimmte Erkrankungen

Behandlung

Die Behandlung hängt vom Auslöser der Polyurie ab. 

  • Oft ist eine Medikamentenbehandlung möglich, z. B. bei einem Diabetes mellitus.
  • Ein vermehrtes Trinken (Polydipsie) durch eine psychische Ursache wird evtl. psychiatrisch behandelt.
  • Bei Diabetes insipidus
    • Diabetes insipidus centralis: z. B. Behandlung mit Desmopressin
    • Diabetes insipidus renalis: z. B. Behandlung durch salzarme Ernährung und mit einem Thiazid (wassertreibendes Medikament)
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