Trochanter-major-Schmerzsyndrom
Trochanter-major-Schmerzsyndrom
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Was ist ein Trochanter-major-Schmerzsyndrom?
Definition
Das Trochanter-major-Schmerzsyndrom beschreibt schmerzhafte Veränderungen der Weichteile, Sehnen oder Schleimbeutel über dem Knochenvorsprung des Oberschenkelknochens an der seitlichen Hüfte (Trochanter major, großer Rollhügel).
Ein anderer Ausdruck für die Krankheit ist „peritrochantäres Schmerzsyndrom“.
Symptome
Das Hauptsymptom der Krankheit sind Schmerzen an der seitlichen Hüfte im Bereich des Trochanter major, unter Umständen strahlen die Schmerzen in den unteren Teil des Oberschenkels aus. Meist werden die Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite stärker. Bei Belastungen wie z. B. Treppensteigen verstärken sich die Schmerzen ebenfalls.
Ursachen
Die vermutlich häufigste Ursache für das Trochanter-major-Schmerzsyndrom sind chronisch geschädigte Sehnen des mittleren Gesäßmuskels (Musculus gluteus medius).
Bei Langstreckenläufer*innen ist eine langfristige Überbelastung oft die Ursache. Dabei reibt eine Sehnenplatte (Tractus Iliotibialis) immer wieder über den Knochenvorsprung des Oberschenkelknochens (Trochanter major).
Ein Unfall oder eine Arthrose (umgangssprachlich „Gelenkverschleiß“) des Kniegelenks (Gonarthrose) oder des Hüftgelenks (Coxarthrose) können dazu führen, dass sich das Gangbild verändert. Dadurch wird der Körper anders belastet, und ein Trochanter-major-Schmerzsyndrom kann entstehen. Bei einem Unfall und einem Sturz seitlich auf die Hüfte können sich Schmerzen auch direkt an dieser Stelle entwickeln.
Bestimmte Faktoren begünstigen die Entwicklung eines Trochanter-major-Schmerzsyndroms. Dazu zählen u. a. Rheuma- Erkrankungen und Kreuzschmerzen. Auch Menschen mit Übergewicht oder mit unterschiedlich langen Beinen (Beinlängendifferenz) entwickeln eher das Schmerzsyndrom.
Häufigkeit
Das Trochanter-major-Schmerzsyndrom ist eine sehr häufige Ursache von Hüftschmerzen. In der Hausarztpraxis haben 18 von 10.000 Patient*innen ein Trochanter-major-Schmerzsyndrom.
Frauen sind viermal häufiger betroffen als Männer. Die Krankheit tritt selten bei jungen Patient*innen unter 20 Jahren auf. Unter Sportler*innen sind vor allem Langstreckenläufer*innen anfällig für die Krankheit.
Untersuchungen
Vorerkrankungen wie z. B. eine Rheuma-Erkrankung sowie Medikamente und bisherige Behandlungen der Symptome sind wichtige Informationen beim Arztgespräch. Die Ärzt*innen überprüfen, ob das Gangbild verändert ist. Außerdem werden die Beine vermessen, um eine Beinlängendifferenz festzustellen. In der Tastuntersuchung wird auf den Knochenvorsprung (Trochanter major) an der Hüfte Druck ausgeübt. Druckschmerz über dem Trochanter major kann die Diagnose bestätigen.
Anschließend wird geprüft, wie beweglich die Hüfte ist. Bei bestimmten Manövern kann der Schmerz gezielt ausgelöst werden, um die Diagnose zu bestätigen (u. a. beim Stehen auf einem Bein für 30 Sekunden). Zur Überprüfung der Diagnose kann auch ein örtliches Betäubungsmittel gespritzt werden. Wenn die Schmerzen dadurch gelindert werden, spricht das für das Trochanter-major-Schmerzsyndrom.
Um andere Ursachen der Beschwerden abzugrenzen, werden auch die Wirbelsäule und die Hüfte untersucht.
Wenn die Schmerzen sich unter Übungsbehandlung und Therapie mit Medikamenten nicht bessern, werden Betroffene an eine orthopädische Praxis überwiesen. Dort kann eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Unter Umständen ist auch ein Röntgenbild oder eine MRT notwendig.
Behandlung
Mit der Behandlung soll erreicht werden, dass Patient*innen keine Schmerzen mehr in der Hüfte haben und sich normal bewegen können.
Die Behandlung besteht aus mehreren Maßnahmen. Dazu gehören Dehn- und Kräftigungsübungen der Becken- und Oberschenkelmuskulatur zur Verbesserung der Beweglichkeit. Es gibt Übungen, die Betroffene auch eigenständig zu Hause durchführen können. Außerdem können Physiotherapeut*innen helfen, das Gangbild zu verbessern. Schmerzmittel, wie z. B. Ibuprofen, können zur kurzfristigen Schmerzlinderung verschrieben werden.
Im weiteren Verlauf können Orthopäd*innen Spritzen mit Kortison und einem örtlichen Betäubungsmittel einsetzen. Je nach Studie verbessern die Spritzen die Beschwerden bei 49–100 % der Patient*innen bei geringen Risiken.
Auch eine Stoßwellentherapie (extrakorporale Stoßwellentherapie, ESWT) kann durchgeführt werden. Dabei werden kurze Impulse über ein Gerät auf die schmerzenden Körperteile abgegeben. In Kombination mit anderen Maßnahmen führt die Stoßwellenbehandlung nach einiger Zeit oft zu einer Schmerzlinderung.
Wenn durch andere Behandlungen nach über 6 Monaten keine ausreichende Besserung erreicht wird, kann je nach Ursache für das Trochanter-major-Schmerzsyndrom auch eine Operation infrage kommen.
Autorin
- Lara Kolk, Dr. med., Ärztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin, Bad Schwartau
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Trochanter-major-Schmerzsyndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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