Osteopetrose

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Was ist Osteopetrose?

Definition

Im menschlichen Skelett findet ein stetiger Ab- und Aufbau von Knochengewebe statt. Altes Knochengewebe wird durch neues ersetzt. In diesem Prozess spielen zwei Arten von Zellen eine zentrale Rolle – die Osteoklasten und die Osteoblasten. Die Osteoklasten bauen das alte Knochengewebe ab, und die Osteoblasten bauen neues Knochengewebe auf.

Bei Osteopetrose ist die Funktion der Osteoklasten herabgesetzt, und der Abbau von Knochengewebe ist verschlechtert. Dies geht mit einer Störung der Modellierung und Remodellierung von Knochengewebe einher, und es führt zu einem brüchigen Skelett, obwohl die Menge an Knochengewebe und die Knochendichte erhöht sind.

Die Erkrankung wurde erstmals 1904 von dem deutschen Radiologen Heinrich Ernst Albers-Schönberg beschrieben.

Einteilung

Es gibt drei verschiedene Formen, die von unterschiedlichen erblichen Genveränderungen ausgehen:

  1. Beginn im Jugendlichen- und Erwachsenenalter, autosomal-dominante Form (ADO)
  2. Beginn im Säuglingsalter, autosomal-rezessiv (ARO)
  3. Intermediäre Form.

Symptome

Bei Beginn im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter (ADO)

Die Erkrankung beginnt zwischen dem 10. und 40. Lebensjahr und wird auch benigne Osteopetrose oder Albers-Schönberg-Krankheit genannt.

Etwa die Hälfte der Patient*innen mit diesem Typ von Osteopetrose hat keine Symptome. Die Diagnose wird oft durch Zufall gestellt, meist gegen Ende des Jugendalters, wenn ein Knochenbruch oder eine Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis) auftreten. Bei anderen Betroffenen wird die Diagnose frühzeitiger gestellt, wenn bereits Familienangehörige von der Krankheit betroffen sind.

Die Knochen sind brüchig und brechen leicht. Bei rund 40 % der Erkrankten treten wiederholte Knochenbrüche (Frakturen) auf. Viele Betroffene haben Knochenschmerzen. Es kommt oft zu Skelettveränderungen, was dazu führen kann, dass Nerven eingeklemmt werden. Dies kann spezifische Probleme wie Taubheit und Gesichtslähmung verursachen.

Die Knochenmarkfunktion ist nur selten in Form einer leichten Blutarmut (Anämie) oder eines Blutplättchenmangels (Thrombozytopenie) beeinträchtigt.

Bei Beginn im Säuglingsalter (ARO)

Diese Form wird als infantile maligne Osteopetrose bezeichnet. Die Krankheit manifestiert sich in den ersten Lebensmonaten und führt unbehandelt innerhalb der ersten Lebensjahre in vielen Fällen zum Tod.

Knochenmarksschwund führt dazu, dass betroffene Kinder eine Blutarmut (Anämie) entwickeln. Die Blutgerinnung ist infolge der zu geringen Anzahl von Blutplättchen gestört, was leicht zu blauen Flecken und inneren Blutungen führen kann. Infolge einer zu geringen Anzahl von weißen Blutkörperchen ist die Immunabwehr herabgesetzt, und die Betroffenen können sich wiederholt Infektionen zuziehen.

Weitere körperliche Befunde sind eine Wachstumsminderung, eine verstopfte Nase, eine hervortretende Stirn, Hydrozephalus (Wasserkopf), Zucken der Augen (Nystagmus) und X-Beine (Genu valgum).

Knochenveränderungen können zu einem Einschließen oder Einklemmen der Nerven führen. Dies kann bei Druck auf den Sehnerven z.B. zu Sehstörungen führen.

Intermediäre Form

Die Krankheit macht sich im 1. bis 2. Lebensjahr bemerkbar. Es kann zu Verkalkungen des Gehirns kommen, zu Entwicklungsstörungen mit geistiger Behinderung, Kleinwuchs und evtl. Nierenfunktionsstörungen. 

Ursachen

Die Erkrankung geht auf verschiedene Genveränderungen zurück. Betroffene weisen ein breites Spektrum von Krankheitszeichen auf. Ärzt*innen unterscheiden drei Hauptformen der Osteopetrose, die in unterschiedlichen Altersbereichen auftreten, aber vor allem auch verschiedene Merkmale des Knochenabbaus aufweisen.

1) Beginn im Jugendlichen- und Erwachsenenalter

  • Autosomal-dominante Form (ADO)
  • Betroffene Gene sind LRP5 (Typ I) oder CLCN7 (Typ II).

2) Beginn im Säuglingsalter, autosomal-rezessiv (ARO)

  • Autosomal-rezessive Form
  • Die betroffenen Gene sind TCIRG1 oder CLCN7.

3) Intermediäre Form

  • Rezessiv vererbte Veränderung in den Genen CLCN7, CA2 oder CTSK

Häufigkeit

Es handelt sich um eine seltene Erkrankung. Sie betrifft 1:20.000 Personen bei der adulten Form (ADO) und 1:250.000 Personen bei der schwerwiegenderen Form mit Beginn im Kindesalter.

Untersuchungen

Schilderungen von wiederholten Knochenbrüchen oder Entzündungen des Knochenmarks können Hinweise bei Erwachsenen sein. Auch die Familiengeschichte kann wertvolle Hinweise liefern.

Bei Blutuntersuchungen können Störungen des Knochenstoffwechsels festgestellt werden:

  • Bei Erwachsenen: Vitamin-D-Mangel und Erhöhung der alkalischen Phosphatase
  • Bei Kindern: erniedrigter Kalziumspiegel und Erhöhung des Parathormons

Bei Säuglingen und etwas älteren Kindern können die Anamnese und das typische Aussehen den Verdacht auf die Krankheit nahelegen.

Die Diagnose wird mithilfe von Röntgenaufnahmen, MRT- oder CT-Untersuchungen bestätigt. Außerdem können molekulargenetische Untersuchungen die Genveränderungen nachweisen.

Behandlung

Es ist wichtig, dass  Osteopetrosepatient*innen Aktivitäten meiden, die das Risiko von Knochenbrüchen erhöhen.

Benigne Osteopetrose mit Beginn im Erwachsenenalter

Die gutartige Form der Osteopetrose, die im Erwachsenenalter einsetzt, erfordert abgesehen von einer Vitamin-D-Einnahme und Behandlungen möglicher Knochenbrüche keine Behandlung.

Osteopetrose mit Beginn im Kindesalter

Die Therapie besteht in einer Übertragung von hämatopoetischen Stammzellen (Stammzellentransplantation).

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