Ohrmuschel, Krankheiten und Verletzungen
Ohrmuschel, Krankheiten und Verletzungen
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Was sind Krankheiten und Verletzungen der Ohrmuschel?
Die Ohrmuschel ist ein von Haut überzogener Knorpel und gehört zum äußeren Ohr. Nur das Ohrläppchen ist knorpelfrei, es besteht aus gut durchblutetem Fettgewebe. Zu den Krankheiten der Ohrmuschel zählen Entzündungen, Fehlbildungen und Tumore. Durch verschiedene äußere Einflüsse kommt es nicht selten auch zu Verletzungen oder Erfrierungen.
Was kann die Ursache sein?
Angeborene Veränderungen
Ohrmuschelfehlbildungen können alleine auftreten oder in Kombination mit anderen Fehlbildungen. Auch die Spanne an Fehlbildungen ist sehr weit: Evtl. handelt es sich nur um abstehende Ohren oder verkleinerte und vergrößerte Ohren, andererseits kann auch das gesamte Gesicht mit Ohrmuschel fehlgebildet sein, oder es kann die Ohrmuschel komplett fehlen. Als Therapie kommen chirurgische Interventionen vor allem in Betracht oder eine Umformung durch Schienung.
Verletzungen
Diese können sehr unterschiedlicher Art sein: Beispielsweise können Autounfälle oder Bissverletzungen die Ohrmuschel einreissen lassen oder gar dazu führen, dass sie abgetrennt wird. In manchen Fällen kann sie dann wieder reimplantiert werden. Verletzungen entstehen häufig auch durch Schläge aufs Ohr (stumpfe Traumata). Dann kommt es nicht selten zu einem Bluterguss. Passiert das häufiger, kann der Ohrknorpel geschädigt werden und sich die Ohrmuschel dauerhaft verformen, ein sog. „Blumenkohlohr” entsteht.
Um einen dauerhaften Schaden zu verhindern, ist es wichtig, einen Bluterguss so schnell wie möglich zu behandeln, damit das Blut etwa mittels einer Punktion abfließen kann. Da Ohren oftmals ungeschützt der Kälte ausgesetzt sind, kommt es nicht selten zu Erfrierungen oder bei starker Hitze zu Verbrennungen.
Wundrose
Durch kleine Hautdefekte kann es zu einer bakteriellen Infektion der Ohrmuschel mit Streptokokken kommen. Dann entsteht eine Wundrose (Erisypel). Die Haut an der betreffenden Stelle rötet sich und glänzt, es kommt zu einer mit Schmerzen verbundenen Schwellung. Durch die Infektion entsteht manchmal Fieber, die Lymphknoten schwellen an und es kommt mitunter auch zu Schüttelfrost. Ohne Therapie kann es zu einer fortschreitenden Infektion und Blutvergiftung kommen. Um eine Wundrose am Ohr zu behandeln, werden in der Regel Antibiotika über die Vene als Infusion gegeben.
Gehörgangsentzündung
Durch Pilze, Allergene, Bakterien oder Giftstoffe kann sich die Haut des äußeren Gehörgangs entzünden (Otitis externa), wobei manchmal auch Trommelfell und Ohrmuschel mitbetroffen sind. Akute Entzündungen von bis zu 6 Wochen sind meist von Bakterien ausgelöst worden. Bei den eher seltenen chronischen Entzündungen von mehr als 3 Monaten und bei wiederkehrenden Entzündungen handelt es sich hingegen meist um eine Pilzinfektion oder eine Neurodermitis (allergische Entzündung der Haut).
Eine Sonderform ist eine Entzündung, die sich auf umliegende Knochen ausbreitet und Gewebe absterben lässt; gefährdet hierfür sind insbesondere Menschen mit Diabetes und geschwächtem Immunsystem. Auch Grippeviren können eine Entzündung des äußeren Gehörgangs verursachen, es entstehen dann Blutbläschen auf Gehörgang und Trommelfell.
Ohrknorpel-Entzündung
Dabei entzündet sich der Ohrknorpel (Perichondritis), meist durch Bakterien. Die genaue Ursache lässt sich oft nicht herausfinden. Infrage kommen Bagatellverletzungen, aber auch ein Piercing, Erfrierungen und Verbrennungen. Oder die Infektion eines Blutergusses im Ohr, die dann auf den Knorpel übergreift. Bemerkbar macht sich die Entzündung durch eine Schwellung und Rötung der Ohrmuschel, während das Ohrläppchen nicht betroffen ist. Manchmal entsteht auch eine allgemeine Abgeschlagenheit, die Lymphknoten schwellen an und es kommt zu Fieber. Unbehandelt besteht das Risiko, dass sich ein Abszess bildet, der den Knorpel zerstört. Zur Behandlung der Infektion eignen sich unterschiedliche Antibiotika.
Gürtelrose
Im Verlauf einer Gürtelrose können auch die Ohren mitbetroffen sein (Zoster oticus). Im Bereich der Ohrmuschel treten dann die typischen schmerzhaften Bläschen auf der geröteten Haut auf. Es handelt sich in diesem Fall um einen komplizierten Verlauf einer Gürtelrose: Die Folge können Schwindel sein, ein Tinnitus und schlimmstenfalls sogar ein Hörverlust oder eine Gesichtslähmung. In schweren Fällen wird daher intravenös ein Anti-Viren-Medikament verabreicht, dazu entzündungshemmende Hormone (Kortison) und Schmerzmittel. Meist werden Fachärzt*innen für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten und neurologische Krankheiten zur Behandlung hinzugezogen.
Tumore
Es gibt viele gutartige Tumore der Ohrmuschel, und auch Alterswarzen können am Ohr lokalisiert sein. Dank der sonnenexponierten Lage sollten bei der Hautkrebsvorsorge immer die Ohren mit überprüft werden. Dabei lassen sich Tumore und ihre Vorstufen (vor allem aktinische Keratosen) besser durch Abtasten als durch Betrachten erkennen. Am Ohr können auch Basalzellkarzinome vorkommen, die nicht sehr aggressiv sind, aber in umliegendes Gewebe einwachsen können.
Dennoch bilden sie nur sehr selten Metastasen. Ein weiterer Tumor ist das Plattenepithelkarzinom; es gilt als aggressiver als ein Basalzellkarzinom, vor allem wenn es am Ohr auftritt.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
Wenn Sie Schmerzen an der Ohrmuschel haben oder Ihnen beim Betasten oder Betrachten Veränderungen auffallen. Ein Notfall besteht bei Schwellung, Schmerzen und Fieber oder begleitendem Schwindel, Gesichtslähmung oder Hörverlust.
Untersuchungen
Ärzt*innen erkennen die meisten Krankheiten und Verletzungen durch Betrachten und Betasten der Ohren. Manchmal kann es nötig sein, eine Gewebeprobe zu entnehmen und zu analysieren. Oder es wird ein sog. Antibiogramm angefertigt, mit dem sich herausfinden lässt, welches Antibiotikum gegen die Infektion hilft.
Autoren
- Claus Peter Simon, Wissenschaftsjournalist, Hamburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Ohrmuschel, Krankheiten und Verletzungen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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- Jansen T. Romiti R . Memmel U. Altmeyer P. Aurikularanhänge und ihre Bedeutung für die Dermatologie. Aktuelle Dermatologie. 27. 233-235. 10.1055/s-2001-15690. 2001 www.thieme-connect.com
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft. S3-Leitlinie Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut. AWMF-Leitlinie Nr. 032-022OL, Stand 2022. register.awmf.org
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