Oberschenkelbruch
Oberschenkelbruch
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Was ist ein Oberschenkelbruch?
Definition
Bei einem Oberschenkelbruch ist der längste und stärkste Knochen im Körper gebrochen. Der Bruch befindet sich im mittleren Teil des Oberschenkelknochens (Femurschaftfraktur).
Je nach Richtung und Stärke der Krafteinwirkung kann es dabei zu verschiedenen Brucharten kommen. Unterschieden wird zwischen Querfraktur, Schrägfraktur, Spiralfraktur und Trümmerfraktur. Zudem gibt es geschlossene und offene Brüche.
Symptome
Ein Oberschenkelbruch verursacht starke Schmerzen, das betroffene Bein ist nicht mehr belastbar. Aufgrund der starken Durchblutung des Oberschenkelknochens, kann es zu hohen Blutverlusten kommen, die einen hämorrhagischen Schock verursachen können. In diesem Fall ist die Blutversorgung der Organe nicht mehr gewährleistet.
Etwa 30 % der Patient*innen erleiden den Oberschenkelbruch im Rahmen eines Polytraumas, bei dem mehrere Verletzungen gleichzeitig vorliegen und von denen eine oder die Kombination aus mehreren lebensbedrohend ist. Häufig kommt es zudem zu Begleitverletzungen an Knie- und Hüftgelenk.
Ursachen
Ein Oberschenkelbruch ist oft die Folge eines schweren Unfalls, bei dem durch einen starken Aufprall, Brems- oder Beschleunigungsvorgang enorme Kräfte auf den Körper eingewirkt haben (Hochrasanztrauma). Typische Situationen sind z. B. ein Verkehrsunfall, eine Sportverletzung beim Skifahren, Fußball, Eishockey, Motorsport oder ein Sturz aus großer Höhe. Indirekte Krafteinwirkungen durch Biegung und/oder Rotation führen dabei meist zu geschlossenen Brüchen. Bei offenen Brüchen ist oft eine direkte Krafteinwirkung erfolgt.
Bricht der Oberschenkelknochen ohne starke Krafteinwirkung (z. B. bei einem Sturz), liegt in der Regel eine Erkrankung vor, die eine Schwächung des Knochens bewirkt. Dazu gehören Osteoporose, Knochenmetastasen, Tumoren, Knochenzysten oder die Erbkrankheit Osteogenesis imperfecta. Auch rund um künstliche Gelenke ist der Knochen anfälliger für Brüche (periprothetische Femurfraktur).
Die langjährige Einnahme von Bisphosphonaten, die gezielt in den Knochenstoffwechsel eingreifen, kann einen atypischen Oberschenkelbruch verursachen, der ohne Gewalteinwirkung von außen entsteht. Bei Kindern unter 1 Jahr gilt ein Oberschenkelbruch als Warnsignal für eine Misshandlung.
Häufigkeit
Ein Oberschenkelbruch betrifft pro Jahr 10–20 von 100.000 Menschen. In den meisten Fällen ist er die Folge eines Hochrasanztraumas und tritt vor allem bei Menschen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren (40 % der Fälle) sowie Kindern und Jugendlichen (35 % der Fälle) auf. Oberschenkelbrüche in Folge einer geringeren Gewalteinwirkung sind seltener und betreffen vor allem Frauen mit Osteoporose (25 % der Fälle).
Untersuchungen
Die meisten Patient*innen mit einem Oberschenkelbruch sind schwer verletzt und werden notärztlich sowie im Krankenhaus behandelt.
In einer körperlichen Untersuchung wird auf Schwellungen, Blutergüsse, Fehlstellungen, eine Verkürzung des Oberschenkels sowie fühl- und hörbare Geräusche, die beim Aneinanderreiben von Knochenteilen entstehen, geachtet. Die Durchblutung, Motorik und das Gefühl unterhalb der verletzten Stelle werden überprüft und nach weiteren Verletzungen an Knie, Hüfte und Becken gesucht.
Es werden Röntgenaufnahmen vom Oberschenkel und der benachbarten Gelenke angefertigt oder bei Patient*innen mit Polytrauma eine Ganzkörper-Computertomografie durchgeführt.
Behandlung
Operation
Aufgrund des Blutverlustes, derGefahr eines Blutgerinnsels und der meist massiven Schmerzen muss ein Oberschenkelbruch zeitnah operiert werden. Dabei wird der Bruch stabilisiert und die korrekte Knochenachse wiederhergestellt. Zur Verfügung stehen drei Methoden, die in Abhängigkeit von der Bruchart, den Gewebe- und weiteren Verletzungen, Vorerkrankungen sowie des Alters der Patient*innen ausgewählt werden:
- Marknagelosteosynthese: Stellt den Goldstandard bei der Behandlung des Oberschenkelbruchs dar. Der Bruch wird durch das Einsetzen eines Marknagels in den Markraum (Höhle im Inneren des Knochens, die das Knochenmark enthält) des Knochens stabilisiert.
- Plattenosteosynthese: Kommt bei Brüchen, die nah an angrenzenden Gelenken liegen oder bei denen der Marknagel nicht am Knochen verriegelt werden kann sowie bei Brüchen im Bereich von Hüft- und Knieprothesen zum Einsatz. Die Stabilisierung erfolgt mit Platten und Schrauben.
- Externer Fixateur: Ein Fixateur ist eine starre Haltevorrichtung, mit der Brüche übergangsweise stabilisiert werden können, die nicht sofort mit einer Marknagel- oder Plattenosteosynthese versorgt werden. Das kann z. B. bei komplizierten Brüchen mit offenen Wunden der Fall sein.
Medikamente
Nach der Operation erhalten alle Patient*innen Medikamente zur Schmerzlinderung und Vorbeugung einer Thrombose (Blutgerinnsel). Bei offenen Brüchen kann ein Antibiotikum, bei hohem Blutverlust eine Bluttransfusion notwendig sein.
Nachbehandlung
Nach einer Marknagel- oder Plattenosteosynthese können Patient*innen mit einer Quer- und Schrägfraktur das Bein theoretisch direkt voll belasten. Die tatsächliche Belastung richtet sich nach den Schmerzen der Patient*innen. Nach der Versorgung von komplexen Brüchen darf das Bein in den ersten 6–8 Wochen nur teilbelastet werden.
Autorin
- Carina Steyer, Medizinjournalistin, Wien
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Femurfraktur, Schaft. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU). Oberschenkelschaftfraktur. S1, AWMF-Leitlinie Nr. 187-030. Stand 2018. www.awmf.org
- Schramm D, Marzi I. SOP Femurschaftfraktur. Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2019; 14(3): 237-42. www.thieme-connect.com
- Malcherczyk D, Buhl M, Hessmann MH. Femurschaftfrakturen. Trauma Berufskrankh 2019; 21: 95-103. link.springer.com
- Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Gewalt gegen Kinder und Jugendliche - Ärzteleitfaden Bayern - Vertiefende Information. Stand 2010. Letzter Zugriff 03.11.2022. www.aerzteleitfaden.bayern.de
- Hagel A, Siekmann H, Delank KS. Periprosthetic femoral fracture— an interdisciplinary challenge. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 658–64. DOI: 10.3238/arztebl.2014.0658 www.aerzteblatt.de
- EMA: Questions and answers on the review of bisphosphonates and atypical stress fractures. London, 14. April 2011. www.ema.europa.eu
- Connelly CL, Bucknall V, Jenkins PJ, et al. Outcome at 12 to 22 years of 1502 femur shaft fractures. Bone Joint J 2014; 96(10): 1370-7. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
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