Oberschenkelbruch, unterer Teil
Oberschenkelbruch, unterer Teil
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Was ist ein Oberschenkelbruch?
Definition
Der Oberschenkelknochen wird auch Femur genannt. Er läuft in zwei dicken Fortsätzen aus, den Kondylen, die den oberen Teil des Kniegelenks bilden. In diesem Artikel geht es um Brüche im Bereich der Femurkondylen. Man spricht von einer distalen Femurfraktur.
Symptome
Der Bruch (Fraktur) ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch dazu führen, dass das Bein verkürzt erscheint und der Oberschenkel eine Fehlstellung aufweist. Das Bein lässt sich durch den Schmerz nicht mehr belasten. Eine Schwellung kann zu sehen sein ebenso wie ein Bluterguss (Hämatom). Die Kontur des Kniegelenks kann durch die Schwellung verstrichen sein. Der betroffene Bereich ist druckschmerzhaft. Die Bruchstücke können hör- und fühlbar aneinanderreiben (Krepitation).
Ursachen
Jüngere Personen erleiden die Fraktur oft durch einen Verkehrsunfall. Betroffene ab 65 Jahren sind meist weiblich und stürzen auf der Ebene. Meist wirkt die Kraft entlang der Achse des Knochens (axial) auf den Knochen. Da sich in der nahen Umgebung der Femurkondylen in der Kniekehle Blutgefäße, Nerven und Bänder befinden, können Begleitverletzungen auftreten.
Risikofaktoren für eine Femurfraktur:
- Verletzung z. B. bei Verkehrsunfällen (Hochenergetisches Trauma)
- Osteoporose
- Knochenmetastasen (selten am fußwärtigen Femur)
- Knochenzysten
- Osteosarkom (Knochenkrebs)
- Ewing-Sarkom (seltener Knochenkrebs im Kindes- und Jugendalter)
Häufigkeit
Diese Verletzung macht nur etwa 6 % aller Femurfrakturen aus. Frakturen im oberen Teil des Oberschenkelknochens (proximale Femurfrakturen) sind etwa 10-mal häufiger.
Im Alter unter 40 Jahren sind meist Männer betroffen, oft durch einen Verkehrsunfall oder ein anderes Hochrasanztrauma. Ab einem Alter von 50 Jahren sind es eher Frauen. In diesen Fällen wirken meist weniger große Kräfte. Personen zwischen 40 und 50 Jahren sind seltener betroffen.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
- Sie werden zum Unfallhergang befragt.
- Das Knie wird durch Betrachten und Abtasten untersucht.
- Es wird untersucht, ob eine Beeinträchtigung der Durchblutung, der Motorik und/oder des Gefühlsempfindens vorliegt.
- Bei Verdacht auf eine Fraktur erhalten Sie eine Einweisung in ein Krankenhaus mit einer Abteilung für Unfallchirurgie.
Im Krankenhaus
Folgende bildgebende Verfahren können im Krankenhaus in Betracht gezogen werden:
- Röntgen
- Computertomografie (CT) bei Verdacht auf eine Fraktur mit Gelenkbeteiligung
- Magnetresonanztomografie (MRT) bei Verdacht auf eine Begleitverletzung der Bänder
- Gefäßbildgebung (z. B. Duplexsonografie, Kontrastmittel-CT oder Angiografie), besonders bei einer Fraktur mit Ausrenkungen (Luxationsfraktur)
Klassifikation
Die Verletzung wird nach der AO/OTA-Klassifikation eingeteilt. Dabei unterscheidet man zwischen Frakturen ohne Beteiligung des Kniegelenks (extraartikuläre Frakturen) und solchen mit Gelenkbeteiligung (intraartikuläre Frakturen):
- Typ A: Fraktur ohne Gelenkbeteiligung (extraartikuläre Fraktur)
- Typ B: Fraktur im Bereich eines Kondylus (intraartikuläre monokondyläre Fraktur)
- Typ C: Fraktur im Bereich beider Kondylen (intraartikuläre bikondyläre Fraktur)
- Sonderform: Fraktur bei einer Knieprothese (periprothetische Fraktur)
Behandlung
Eine möglichst frühzeitige Operation ist die Behandlung der ersten Wahl. Ein konservatives Vorgehen, also eine Behandlung ohne Operation, führt zu einer deutlich schlechteren Prognose.
Konservative Behandlung
Nur in Ausnahmefällen verzichtet man auf eine Operation. Dies ist der Fall bei Personen, deren Allgemeinzustand keine sichere Narkose erlaubt. Auch bei bettlägerigen Palliativpatient*innen ohne motorischen Anspruch kann dieser Weg gewählt werden.
Bei der konservativen Behandlung wird meist zunächst eine Gipsschiene an der Rückseite des Beines angelegt (dorsale Gipsschiene). Nach etwa 1 Woche sollte die Schwellung zurückgegangen sein. Dann wechselt man auf einen zirkulären, also ringförmigen Oberschenkelgips. Diesen sollen Sie unter vollständiger Entlastung für weitere 6–8 Wochen tragen.
Operation
Das Vorgehen bei der Operation hängt vom Frakturtyp ab:
- Typ A (extraartikuläre Fraktur): Entweder wird ein Nagel in den Markraum des Knochens eingesetzt (Marknagelosteosynthese), oder man verbindet die Knochenfragmente, indem man im Rahmen einer minimalinvasiven Operation eine Platte aufbringt (minimalinvasive Plattenosteosynthese).
- Typ B und C (intraartikuläre Frakturen): Zunächst bringt man die Gelenkflächen in ihre ursprüngliche Position zurück (Reposition) und fixiert die Fragmente mit Schrauben. Das weitere Vorgehen ist ähnlich wie bei Frakturen vom Typ A, also eine Marknagelosteosynthese oder eine Plattenosteosynthese.
Bei bestimmten, lebensbedrohlichen Verletzungsmustern (Polytrauma) mit lebensgefährlichen Begleitverletzungen wird die Person zunächst stabilisiert und eine Haltevorrichtung angebracht. Die Vorrichtung befindet sich außerhalb des Körpers und ist mit Schrauben durch die Haut mit dem Knochen verbunden (Fixateur externe). Später erfolgt die endgültige Versorgung der Femurfraktur.
Nach der Operation
- Es werden Kontroll-Röntgenbilder gemacht, bis die Fraktur sicher verfestigt ist.
- Physiotherapeutische Maßnahmen sollen die Schwellung lindern und Verklebungen verhindern.
- Es kann eine CPM-Schiene verwendet werden (auch bei Frakturen ohne Gelenkbeteiligung). CPM steht für „Continuous Passive Motion”. Die Schiene bewegt Ihr Bein, ohne dass Sie es aktiv bewegen müssen. So sollen Vernarbungen der Muskulatur auf der Knochenhaut (Periost) verhindert werden.
Sie sollten das Bein frühzeitig belasten, allerdings nicht sofort mit vollem Gewicht. Nach der Operation sollten Sie es für 6 Wochen mit 20 kg teilbelasten. In weiteren 6 Wochen sollten Sie dies langsam zur Vollbelastung steigern.
Medikamente
Sie erhalten folgende Medikamente:
- Schmerzmittel (Analgetika)
- Evtl. Antibiotika (Medikamente gegen Bakterien, angezeigt bei einer offenen Fraktur)
- Medikamente zur Thromboseprophylaxe
Autor
- Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Femurfraktur, distale. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Mair O, Biberthaler P, Hanschen M. Distale Femurfrakturen. Unfallchirurg 2020; 123: 547-559. link.springer.com
- Müller F, Buchner M, Doblinger M et al. Die distale Femurfraktur beim geriatrischen Patienten. Unfallchirurg 2021; 124: 568-73. link.springer.com
- Harms C, Mittlmeier T. SOP Distale Femurfraktur. Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2019; 14(5): 463-8. www.thieme-connect.com
- AWMF Arbeitsgem. der Wiss. Medizin. Fachgesellschaften. S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie. AWMF-Leitlinie 003-001, Stand 2015 (abgelaufen). www.awmf.org
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