Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)

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Was ist MRSA?

Defintion

Die Abkürzung MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Bei Staphylococcus aureus handelt es sich um eine Untergruppe von Bakterien, die zur Gattung der Staphylokokken gehört. Staphylokokken sind Bakterien, die natürlicherweise auf der menschlichen Haut vorkommen und in der Regel keine Beschwerden verursachen. Die Untergruppe des Staphylococcus aureus („der goldene Staphylokokke“) hingegen kann zu teilweise schweren Entzündungen führen.

Methicillin ist ein Antibiotikum, das Staphylokokken üblicherweise wirksam bekämpft. Der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus hat sich genetisch jedoch so verändert, dass das bewährte Mittel nicht mehr wirksam ist: Er ist unempfindlich (= resistent) gegenüber Methicillin. Die Methicillin-resistenten Bakterien sind oft auch gegen eine Reihe weiterer Antibiotika resistent und stellen in den meisten europäischen Ländern ein großes Problem dar.

Symptome

Man unterscheidet eine Besiedelung (Kolonisation) mit MRSA von einer Infektion mit MRSA. Während es bei einer Besiedelung lediglich zu einem unbemerkten Wachstum und Verbleib der MRSA-Bakterien auf der menschlichen Haut oder Schleimhaut (insbesondere im Nasen-Rachen-Raum) kommt, reagiert der Körper bei einer MRSA-Infektion mit entzündlichen Reaktionen und weiteren Symptomen auf die Bakterien.

Besonders häufig sind Infektionen der Haut (insbesondere von Wunden) und Eiteransammlungen in Form von Abszessen. Gelangt MRSA jedoch ins Blut, kann er auch in anderen Regionen des Körpers schwere Infektionen auslösen, die bis hin zur Blutvergiftung (Sepsis) führen können.

Ursachen

Das Haupt-Erregerreservoir von MRSA ist der Mensch, insbesondere dessen Nasen und Rachenraum. Da die Bakterien äußerst widerstandsfähig gegenüber Trockenheit und Hitze sind, können sie zudem teilweise über Monate auf unbelebten Flächen überleben.

Bakterien des Typs MRSA können sowohl von besiedelten oder infizierten Personen selbst als auch über kontaminierte Gegenstände übertragen werden. Zu den häufigsten Übertragungswegen zählen Handkontakt, Tröpfchen (Niesen, Husten) und mit Bakterien kontaminierte Flächen.

Man unterscheidet eine Übertragung von MRSA im Krankenhaus (Hospital-aquired = HA-MRSA) und außerhalb des Krankenhauses erworbene MRSA-Infektionen (Community-aquired = CA-MRSA). Sie unterscheiden sich in ihren Eigenschaften und ihrer länderspezifischen Ausbreitung. Die Gruppe des CA-MRSA bildet häufig ein besonders schweres Gift, das Immunzellen angreift und dadurch besonders schwere Haut- und Weichteilinfektionen auslösen kann.

Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Faktoren, die Patient*innen besonders empfänglich für MRSA-Infektionen machen:

  • hohes Alter
  • Immobilität
  • funktionelle Störungen im Bereich der Nahrungsaufnahme (z. B. Schluckstörung) oder der Ausscheidung (z. B. Blasenentleerungsstörung)
  • chronische Schädigungen der Haut
  • Diabetes mellitus, Dialysepflichtigkeit
  • chronische Erkrankungen
  • häufige Krankenhausaufenthalte
  • wiederholte Antibiotikatherapien
  • invasive Maßnahmen (Gefäßkatheter, Blasenkatheter, Ernährungssonden, Trachealkanülen)

Häufigkeit

Nachdem der Anteil von MRSA an der Staphylococcus-aureus-Population seit 1990 stetig zugenommen hat, nimmt er seit einigen Jahren wieder ab. In Deutschland sank der Anteil von noch 13 % im Jahr 2010 auf 6 % im Jahr 2019. Auch im europäischen Durchschnitt sank der Anteil von 18 % im Jahr 2013 auf 15,5 % im Jahr 2019. In süd- und osteuropäischen Ländern (z. B. Italien, Griechenland, Rumänien) lag er auch im Jahr 2019 weiterhin bei mehr als 35 %.

Mehr als 82 % der Betroffenen sind 60 Jahre oder älter. Etwa 7,6–9,2 % der Menschen, die die in Langzeit-Pflegeeinrichtungen in Deutschland leben, sind mit MRSA besiedelt.

CA-MRSA-Infektionen nehmen in Deutschland aktuell nicht zu.

Untersuchungen

MRSA kann durch einen Abstrich mit einem Tupfer nachgewiesen werden, der anschließend an ein für Mikroorganismen spezialisiertes Labor geschickt wird. Je nachdem, wo eine Besiedelung oder Infektion vermutet wird, kann der Abstrich von verschiedenen Stellen entnommen werden, z. B. vom Nasen- und Rachenraum oder von Wunden.

In Deutschland gibt es derzeit keine allgemeine vorsorgliche Testung (Screening) auf MRSA, weder für Patient*innen noch für medizinisches Personal. Eine Testung auf MRSA mittels Abstrichs muss daher klar angezeigt sein. Ein MRSA-Abstrich in der Hausarztpraxis kann u. a. in folgenden Fällen sinnvoll sein:

  • bei Wunden, insbesondere bei Verdacht auf eine Wundinfektion
  • vor Verlegung von Patient*innen in eine Pflegeeinrichtung bei bestehenden Risikofaktoren
  • bei Entlassung aus dem Krankenhaus und gleichzeitig bestehenden Risikofaktoren

Behandlung

Welche Therapie zum Einsatz kommt, und ob diese überhaupt notwendig ist, hängt in erster Linie davon ab, ob Patient*innen eine reine Besiedelung oder eine Infektion mit MRSA aufweisen.

Therapie bei MRSA-Besiedelung (Sanierung)

Sind Patient*innen lediglich von MRSA besiedelt, ohne eine Infektion aufzuweisen, ist die sehr aufwändige Bekämpfung der Bakterien (Sanierung) nur unter gewissen Umständen sinnvoll. Dazu gehören:

  • Patient*innen mit bekannten Risikofaktoren
  • Angehörige mit bekannten Risikofaktoren, die sich durch engen Kontakt mit der besiedelten Person infizieren könnten.
  • Träger*innen von CA-MRSA und deren Angehörige
  • unter bestimmten Umständen vor einer Einweisung in eine Klinik oder andere Gesundheitseinrichtungen (Pflegeeinrichtung, Rettungsdienst etc.)
  • Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen

Da ein Leben mit MRSA und mit den damit verbundenen Vorkehrungen manchmal weniger belastend ist als wiederholte erfolglose Sanierungsversuche, sollte eine MRSA-Sanierung stets eine dividuelle Entscheidung sein, die von Patient*innen und Ärzt*innen gemeinsam getroffen wird.

Vorgehensweise bei der Sanierung

Bei einer Sanierung kommen verschiedene Maßnahmen zum Einsatz:

  • Anwendung einer antibiotischen Nasensalbe 2–3 x tgl. über 5–7 Tage in beiden Nasenvorhöfen
  • Tägliche Ganzkörperreinigung samt Haarwäsche mit desinfizierender Waschlotion
  • 3 x tgl. Mundpflege und Behandlung der Mundpflege- und Zahnputzutensilien bzw. der Zahnprothese mit einem für die Mundschleimhaut geeigneten Antiseptikum, das die Erreger abtötet.
  • Tägliches Wechseln der Bettwäsche und der gesamten Kleidung
  • Desinfektion oder Austausch aller Gegenstände, die Kontakt mit der Haut haben (Brille, Zahnbürste, Zahnprothese, Deoroller u. a.).
  • Wischdesinfektion aller Flächen, die in Kontakt mit der Haut kommen können.

Der Erfolg der Sanierung wird durch Abstriche kontrolliert, wobei der erste Abstrich nach 48 Stunden erfolgt, anschließend zwei weitere im täglichen Abstand. Nach drei negativen Abstrichen können die Therapiemaßnahmen abgesetzt werden. Langfristig werden nach 3–6 Monaten und nach 12 Monaten erneute Kontrollabstriche durchgeführt.

Maßnahmen für Betroffene

Für Angehörige von MRSA-Träger*innen außerhalb von medizinischen Einrichtungen ist das Ansteckungsrisiko gering, eine Isolierung ist daher nicht notwendig. Enge Körperkontakte können zwar zu einer vorübergehenden MRSA-Besiedlung von Familienangehörigen führen, stellen in der Regel jedoch keine Bedrohung für sie dar. Gefährdet sind Personen mit offenen Wunden oder Hautläsionen oder bekannten Risikofaktoren für eine Infektion mit Staphylococcus aureus (Menschen mit Diabetes, dialysepflichtige Personen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem). In diesen Fällen sollten sich MRSA-Träger*innen bis zur erfolgreichen Sanierung distanzieren. Nehmen MRSA-Träger*innen medizinische Leistungen in Anspruch, sollten sie möglichst selbst auf ihren vorausgegangenen positiven MRSA-Befund hinweisen.

Therapie bei MRSA-Infektion

Die Behandlung einer MRSA-Infektion richtet sich nach ihrem Ausmaß. Bei oberflächlichen Haut- und Wundinfektionen ist eine lokale Behandlung häufig ausreichend, wohingegen bei schweren Infektionen der Einsatz von systemischen (sich im ganzen Körper verteilenden) Antibiotika notwendig werden kann. Da MRSA-Bakterien häufig viele Resistenzen gegen gängige Antibiotika aufweisen, sollte möglichst vorab im Labor getestet werden, auf welche zur Verfügung stehenden Wirkstoffe sie empfindlich reagieren. Anschließend können Patient*innen mit dem geeigneten Antibiotikum behandelt werden. Dabei handelt es sich nicht selten um sog. Reserve-Antibiotika (z. B. Linezolid oder Vancomycin), die nur bei besonders widerstandsfähigen Erregern zum Einsatz kommen.

Autorin

  • Lisa Huber, Cand. med., München

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel MRSA im Krankenhaus. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle von Methicillinresistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA) in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen. Bundesgesundheitsbl 2014 · 57:696–732 DOI 10.1007/s00103-014-1980-x Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014 www.rki.de
  2. RKI. Ratgeber für Ärzte: Staphylokokken-Erkrankungen, insbesondere Infektionen durch MRSA. Stand 5/2016, Zugriff 10.06.2024. www.rki.de
  3. RKI. Eigenschaften, Häufigkeit und Verbreitung von MRSA in Deutschland – Zur Situation 2019/2020 Epid Bull 2021;40:3 -12. www.rki.de
  4. European Centre for Disease Prevention and Control. Antimicrobial resistance in the EU/EEA (EARS-Net) Annual Epidemiological Report 2022.17 Nov 2023. www.ecdc.europa.eu
  5. Robert Koch-Institut. Infektionsprävention in Heimen. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut (RKI). Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2005 · 48:1061–1080. edoc.rki.de
  6. Robert Koch-Institut. Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI). Bundesgesundheitsbl 2016, 59:1189–1220. www.rki.de
  7. Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG) Zugriff 10.05.2024. www.gesetze-im-internet.de
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