Methanolvergiftung
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Was ist eine Methanolvergiftung?
Definition
Methanol (Methylalkohol) ist eine farblose, flüchtige und leicht entzündliche Flüssigkeit, die nach Alkohol riecht. Frostschutzmittel oder Treibstoffe für Modellautos und -flugzeuge können Methanol enthalten. Außerdem kann die Substanz unsachgemäß alkoholhaltigen Getränken beigemischt werden (z. B. bei „gepanschten” Spirituosen). Zu einer Vergiftung kann es auch bei Tätigkeiten in der Industrie kommen, wenn dort Beschäftigte mit Methanol in Berührung kommen.
Wird Methanol – unabsichtlich oder in suizidaler Absicht – eingenommen, können schwere Vergiftungen auftreten mit einer dauerhaften Schädigung der Augen und Organversagen. Eine Methanolvergiftung ist lebensgefährlich, sie sollte schnell erkannt und umgehend behandelt werden.
Symptome
Die Symptome treten je nach eingenommer Menge oft erst spät in Erscheinung. Durchschnittlich liegen 24 Stunden zwischen der Aufnahme von Methanol und dem Beginn der Beschwerden, aber ein deutlich früherer oder späterer Beginn ist auch möglich.
Meistens treten Sehstörungen auf, weitere Symptome sind Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sowie Hyperventilation (eine zu schnelle und zu tiefe Atmung, die zu Schwindel und Ohnmacht führen kann).
In schweren Fällen kommt es zu neurologischen Störungen, die der Parkinson-Krankheit ähneln. Die Sehstörungen können zu Erblindung führen, Krämpfe und Koma sind möglich. Schließlich können Atemstillstand und Tod eintreten.
Ursachen
Methanol kann eingenommen, inhaliert oder über die Haut aufgenommen werden.
Vergiftungserscheinungen treten erst durch den Abbau des Methanols in der Leber auf. Dann entstehen Formaldehyd und Ameisensäure, die im Körper eine metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung des Blutes) in Gang setzt. Es dauert zwischen 15–72 Stunden, bevor ausreichend Ameisensäure angesammelt wird, um erste Symptome wie Hyperventilation und Sehstörungen zu verursachen.
Am stärksten gefährdet sind die Sehnerven und Bereiche im Hirn (Basalganglien), die u. a. für die Motorik wichtig sind. Die Folge sind Sehstörungen und Symptome, die der Parkinson-Krankheit ähneln.
Eine tödliche Dosis liegt bei 30–200 ml vor, Erblindung kann bereits nach 4–15 ml eintreten.
Wenn Methanol nicht abgebaut wird, scheidet der Körper es unverändert über den Urin und die Atemluft über mehrere Stunden wieder aus.
Häufigkeit
Methanolvergiftungen kommen sehr selten vor, doch immer wieder treten Massenvergiftungen auf, wenn methanolhaltige („gepanschte”) Spirituosen in Umlauf geraten und getrunken werden.
Im Rahmen der Covid-19-Pandemie kam es weltweit zu einer großen Zahl an Methanolvergiftungen, u. a. durch die Einnahme von Desinfektionsmittel.
2011 wurden in Deutschland 21 Krankenhausbehandlungen wegen akuter Methanolvergiftung registriert.
Untersuchungen
Kurz nach der Aufnahme des Methanols zeigen sich häufig noch keine Auffälligkeiten, die typischen Symptome treten erst im weiteren Verlauf auf. Möglicherweise wird ein absichtlicher Konsum von Methanol aus Schamgefühl verschwiegen. Die Anamnese sollte sorgfältig erhoben werden, folgende Informationen können wichtig sein:
- Welche Menge und in welchem Zeitraum wurde Methanol eingenommen?
- Hat die Person zusätzlich Medikamente oder Drogen eingenommen? Welche und wie viel?
- Können weitere Personen betroffen sein (z. B. bei „gepanschtem” Alkohol)?
- Liegt ein Alkoholproblem vor?
- Steht die Vergiftung in einem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit?
Bei Verdacht auf eine Methanolvergiftung erfolgt eine Einweisung ins Krankenhaus. Dort werden verschiedene Blut- und Urinuntersuchungen vorgenommen. Bei einer schweren Vergiftung können bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen.
Behandlung
Eine Methanolvergiftung wird im Krankenhaus behandelt. Ziel der Behandlung ist es, die Wirkung des Methanols weitestgehend zu begrenzen. Die Behandlung muss umgehend begonnen werden, um schwere Organschädigungen zu vermeiden.
Eine Magenspülung ist angezeigt, wenn weniger als zwei Stunden seit der Einnahme einer großen Menge von Methanol vergangen sind. Ggf. wird ein Natriumhydrogenkarbonat zur Behandlung der metabolischen Azidose gegeben. Eine Hämodialyse („Blutwäsche”) kann durchgeführt werden.
Als Gegengift (Antidot) können Fomepizol oder Ethanol (Alkohol) eingesetzt werden. Allerdings ist Fomepizol in Deutschland zurzeit nicht zur Behandlung einer Methanolvergiftung zugelassen. Die Anwendung erfolgt dann „off label”.
Brechmittel und Aktivkohle werden nicht mehr empfohlen.
Autorin
- Ulrike Boos, Redakteurin von Deximed, Freiburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Methanolvergiftung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Sivilotti MLA, Winchester JF. Methanol and ethylene glycol poisoning. Wolters Kluwer 2017; UpToDate, last updated Dec 05, 2016. www.uptodate.com
- Müller D, Desel H. Common causes of poisoning— etiology, diagnosis and treatment.. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(41): 690-700. doi:10.3238/arztebl.2013.0690 DOI
- Wuchty B, Perneczky J, Sellner J. Methanolintoxikation: ein Kollateralschaden der COVID-19-Pandemie: Akute und chronische neurologische Komplikationen der Methanolvergiftung, in: psychopraxis. neuropraxis. 2021;24(4):238–41 www.ncbi.nlm.nih.gov
- Rietjens SJ, de Lange DW, Meulenbelt J. Ethylene glycol or methanol intoxication: which antidote should be used, fomepizole or ethanol? Neth J Med. 2014 Feb;72(2):73-9 pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Ashurst JV, Nappe TM. Methanol Toxicity. 2022 Jun 21. In: StatPearls www.ncbi.nlm.nih.gov
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