Läuse

Läuse

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Was sind Läuse?

Definition

Es gibt drei Arten von Läusen, von denen der Mensch befallen werden kann.

  • Kopfläuse sind 2–3 mm lang und grau oder braun. Die ausgewachsenen Läuse sind flügellos, haben sechs Beine und hakenförmige Krallen, mit denen sie sich an die Haare klammern.
  • Filzläuse sind kleiner als Kopfläuse. Sie gedeihen an Stellen mit starker Körperbehaarung, v. a. in Scham- und Achselhaaren.
  • Kleider- oder Körperläuse sind etwa 4 mm groß. Sie legen ihre Eier in den Fasern von Kleidungsstücken ab, von wo die Läuse auf den Körper wandern, um Blut zu saugen. Sie sind in Mitteleuropa eher selten. Ein Befall durch Kleiderläuse entsteht durch mangelnde Hygiene. Kleiderläuse können verschiedene Krankheiten übertragen, z. B. Fleckfieber und Rückfallfieber.

Die Läuse ernähren sich von menschlichem Blut.

Symptome

Die Läuse verursachen Juckreiz, da die Inhaltsstoffe des Läusespeichels eine allergische Reaktion hervorrufen. Viele Betroffene bleiben jedoch lange beschwerdefrei.

Kopfläuse und ihre Eier (Nissen) sind gut zu erkennen. Häufig besteht ein Hautausschlag, bei Kopfläusen insbesondere hinter den Ohren, am Hinterkopf und Nacken. Durch Kratzen können kleine Wunden in der Haut entstehen. Die Lymphknoten können anschwellen. Bei Filzläusen sind bläuliche Bissspuren auf der Haut zu sehen.

Ursachen

Kopfläuse haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun und können nicht mit normalem Shampoo entfernt werden. Läuse verbreiten sich nur durch engen Kontakt.

Kopfläuse leben ausschließlich auf der menschlichen Kopfhaut und ernähren sich von Blut. Die Läuse legen ihre Eier (Nissen) am Haarschaft ab. Nach 7–8 Tagen schlüpfen die jungen Läuse, die nach 9–11 Tagen geschlechtsreif werden. Läuse leben ca. 4 Wochen lang. Getrennt vom Wirt sterben sie innerhalb von 2 Tagen ab.

Kopfläuse können weder springen noch fliegen, kriechen aber gern von einem Kopf zum anderen. Sie breiten sich häufig zwischen Kindern aus, die beim Spielen ihre Köpfe zusammenstecken. Die Läuse können gelegentlich auch durch Mützen, Bürsten oder Kämme übertragen werden, die innerhalb einer kurzen Zeitspanne gemeinsam benutzt werden.

Filzläuse befallen vor allem Stellen mit Schweißdrüsen, wie Scham- und Achselhaare. Sie werden durch engen Körperkontakt (v. a. Sexualkontakt) oder Benutzung gemeinsamer Bettwäsche übertragen.

Ein Befall durch Kleiderläuse entsteht durch mangelnde Hygiene. Sie werden durch engen Körperkontakt sowie durch Teilen von Kleidung oder Handtüchern übertragen. Sie können sich nur bei längerfristig unzureichend hygienischen Bedingungen und unzureichendem Kleidungswechsel am Menschen vermehren.

Häufigkeit

Läusekamm
Läusekamm

Epidemien von Kopfläusen treten sehr häufig auf und zwar meistens in Kindergärten, Schulen und an solchen Orten, wo Kinder engen Kontakt haben. Überwiegend befallen werden Kinder im Alter von 7–9 Jahren, jedoch können auch Erwachsene betroffen sein. Mädchen mit längeren Haaren sind deutlich häufiger betroffen.

Auch Filzläuse treten gelegentlich auf, v. a. unter schlechten hygienischen Bedingungen.

Kleiderläuse kommen in Industrieländern nur selten vor.

Untersuchungen

Bei der ärztlichen Untersuchung wird versucht, die Läuse und Eier auf der Kopfhaut und an anderen Stellen mit Symptomen zu finden. Die Diagnose wird nur durch den Nachweis von lebenden Läusen gesichert. Leere Eihüllen können noch wochen- bis monatelang im Haar zu sehen sein.

Beim Kämmen der nassen Haare sehen Sie die Läuse auf dem Kamm. Benutzen Sie einen richtigen Läusekamm und kämmen Sie das Haar möglichst in hellem Licht. Verwenden Sie ggf. eine Lupe. Streifen Sie den Kamm auf einem hellen Handtuch oder Küchenpapier ab und untersuchen Sie Kamm und Tücher gründlich auf Läuse.

Behandlung

Ziel der Behandlung ist, die Läuse zu beseitigen und eine weitere Übertragung zu verhindern. Bei Läusebefall sollten alle im Haushalt lebenden Personen sowie enge Kontaktpersonen untersucht und ggf. behandelt werden.

Kopfläuse

Medikamente

Mit Medikamenten sollten nur diejenigen behandelt werden, die wirklich von Läusen befallen sind.

Dimeticon ist für alle Altersgruppen geeignet und kann auch während Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden. Der Wirkstoff tötet die Läuse vermutlich dadurch, dass sie abgedeckt und verklebt werden, sodass sie ersticken. Das Produkt wird in das Haar und die Kopfhaut einmassiert und muss eine bestimmte Zeit lang einwirken. Anschließend werden die Haare mit einem Läusekamm durchgekämmt und mit normalem Shampoo gewaschen. Die Behandlung soll nach 8–10 Tagen wiederholt werden. Derartige Präparate bekommen Sie rezeptfrei in der Apotheke.

Permethrin ist ein Nervengift für Läuse, einige Läuse sind jedoch gegen den Wirkstoff resistent. Die Anwendung wird bei Säuglingen unter 2 Monaten und während der Schwangerschaft nicht empfohlen. Die Lösung wird gut in das feuchte Haar einmassiert. Tragen Sie dabei möglichst Einmalhandschuhe, um unnötigen Hautkontakt zu vermeiden. Nach 30–45 Minuten Einwirkungszeit werden die Haare gründlich mit Wasser ausgespült und mit einem Läusekamm ausgekämmt. Benutzen Sie in den ersten 3 Tagen nach der Anwendung kein Shampoo. Die Behandlung soll nach 8–10 Tagen wiederholt werden.

Nasses Auskämmen

Kämmen Sie das nasse Haar mit dem Läusekamm während der Behandlungszeit und nach Abschluss der Behandlung regelmäßig noch 1–2 Wochen, damit wirklich alle Läuse entfernt sind. Um das Auskämmen zu erleichtern, können Sie eine Haarpflegespülung benutzen.

Empfohlenes Behandlungsschema:

  • Tag 1: Mit einem Kopflausmittel behandeln und anschließend nass auskämmen.
  • Tag 5: Nass auskämmen, um früh nachgeschlüpfte Larven zu entfernen, bevor sie mobil sind.
  • Tag 8, 9 oder 10: Erneut mit dem Kopflausmittel behandeln, um spät geschlüpfte Larven abzutöten.
  • Tag 13: Kontrolluntersuchung durch nasses Auskämmen
  • Tag 17: evtl. letzte Kontrolle durch nasses Auskämmen
  • 1–2 Wochen danach: vorzugsweise nasses Auskämmen mit Läusekamm zur Therapiekontrolle
  • Wiederholtes bzw. häufigeres Auskämmen verbessert die Erfolgschancen der Therapie und stellt Therapiekontrollen sicher.

Filzläuse

Filzläuse werden mit den gleichen Medikamenten behandelt wie Kopfläuse, jedoch ist kein Kämmen notwendig. Permethrin Creme oder Pyrethrumblütenextrakt mit Allethrin/Piperonyl Butoxid werden auf sämtliche Körperregionen aufgetragen, die mit Filzläusen befallen sind, und nach 10 Minuten abgewaschen. Die Behandlung soll nach 7–10 Tagen wiederholt werden.

Zusätzlich sollten die Eier mit einer Pinzette entfernt werden. Waschen Sie Kleidung, Bettwäsche, Handtücher usw. in der Waschmaschine bei mindestens 50 °C oder verschließen Sie sie für mindestens 3 Tage luftdicht in Plastiktüten.

Kleiderläuse

Bei Kleiderläusen kann Ivermectin zum Einnehmen als Einmaldosis verschrieben werden. Kleidung und Wäsche soll bei mindestens 50 °C für 30 min gewaschen und/oder luftdicht (z. B. in einen Sack verschlossen) für 14 Tage bei Zimmertemperatur gelagert werden.

Kindergarten und Schule

  • Kinder mit Kopfläusen dürfen wieder in die Schule oder den Kindergarten gehen, wenn die Behandlung mit einem zugelassenen Kopflausmittel begonnen wurde.
  • Die Eltern müssen die Gemeinschaftseinrichtung unverzüglich informieren.
  • Leitungen von Gemeinschaftseinrichtungen sind nach § 34 Abs. 1 IfSG (Infektionsschutzgesetz) verpflichtet, das Gesundheitsamt über einen mitgeteilten oder selbst festgestellten Kopflausbefall namentlich zu benachrichtigen.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Läuse. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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