Herpes simplex/Lippenbläschen
Herpes simplex/Lippenbläschen
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Was ist eine Herpes-simplex-Infektion der Haut?
- Siehe auch Patienteninformation Lippen-Bläschen in Leichter Sprache.
Definition
Bei einer Infektion mit Herpes-simplex-Viren (HS-Viren) sind Haut und Schleimhäute betroffen, auf denen sich kleine Bläschen mit einem roten Hof bilden. Lippenherpes kann jucken oder schmerzhaft sein, heilt jedoch von selbst aus. Die Beschwerden kehren jedoch häufig zurück. Herpes-simplex-Viren können eine Vielzahl von Infektionen hervorrufen. Am häufigsten sind Infektionen des Mund-Rachen-Raumes und des Genitaltraktes (Herpes genitalis). Herpes-simplex-Viren können jedoch auch andere Hautbereiche und in seltenen Fällen innere Organe befallen. Dieser Artikel beschreibt in erster Linie die Lippenbläschen.
Symptome
Bei Lippenbläschen (Herpes labialis) tritt die Erstinfektion meist zwischen dem 1. und 5. Lebensjahr auf. Die Infektion verläuft bei der überwiegenden Mehrheit der Kinder symptomfrei, kann in einigen Fällen jedoch zu ausgeprägten Beschwerden führen (sog. Gingivostomatitis herpetica):
- Es können mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen auf der Mundschleimhaut, an Zunge und Zahnfleisch auftreten.
- Die Bläschen platzen mit der Zeit auf und werden zu schmerzhaften Geschwüren.
- Sie gehen oft mit Fieber, geschwollenen Lymphknoten, vermehrtem Speichelfluss, Schmerzen und Appetitlosigkeit einher.
- Bei Jugendlichen und Erwachsenen kann auch eine schwere Rachenentzündung auftreten.
Nach der Erstinfektion im Mund-Rachen-Raum überleben die Herpes-simplex-Viren inaktiv in den Nerven im Gesichtsbereich (Ganglion trigeminale). Nach Monaten oder Jahren kann die Infektion zu Lippenherpes führen.
- Dieser beginnt häufig mit Juckreiz, Brennen oder Kribbeln. Danach bilden sich nach 12–36 Stunden kleine Bläschen auf der Lippe.
- Die Bläschen platzen auf und bilden danach Schorf, der nach 7–10 Tagen abgestoßen wird.
- Es kommt zu keiner Virusausscheidung mehr, wenn alle Bläschen abgeheilt sind.
Ursachen
Infektionen mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV) werden in der Regel durch zwei verschiedene Virustypen, HSV-1 und HSV-2, verursacht. Lippenbläschen (Herpes labialis) werden in 90 % der Fälle durch HSV-1 hervorgerufen. Herpesbläschen auf den Genitalien (Herpes genitalis) werden in 90 % der Fälle durch HSV-2 verursacht.
HSV-1 wird meist im Kindesalter durch Kontakt mit virenhaltigem Speichel übertragen. Die Viren überleben in Nervengewebe der infizierten Person. Eine Herpes-simplex-Infektion bleibt lebenslang bestehen und kann wiederholt zu Bläschen auf Haut und Schleimhaut führen.
Nach der Erstinfektion können unterschiedliche Belastungen die Viren erneut aktivieren und einen neuen Ausbruch auslösen. Die häufigsten Auslöser für einen erneuten Ausbruch sind ultraviolettes Licht (Sonnenstrahlung), Verletzungen, Zahnbehandlungen, Stress, Fieber oder ein geschwächtes Immunsystem, beispielsweise bei einer Chemotherapie. Dann wird das Virus über das Nervensystem zur Haut transportiert, wo ein neues Bläschen entsteht.
Häufigkeit
In der erwachsenen Bevölkerung haben rund 90 % der Menschen Antikörper gegen das Herpes-simplex-Virus-1, d. h. die meisten Menschen hatten bereits einmal eine Herpesinfektion, oft ohne es zu wissen.
Untersuchungen
- Symptome und Aussehen der Herpesbläschen, aber auch die Beschwerden bei Gingivostomatitis herpetica sind in der Regel so typisch, dass normalerweise keine weiteren Untersuchungen nötig sind.
- Bei Unklarheit kann ein Abstrich aus den Bläschen entnommen und weiter untersucht werden. Das Herpes-simplex-Virus kann mittels PCR nachgewiesen werden.
Behandlung
- Bei den meisten Betroffenen bilden sich Lippenbläschen innerhalb von 7–10 Tagen von selbst zurück.
- Bei unkompliziertem Lippenherpes können zur Besserung der Beschwerden Salben mit virushemmenden Wirkstoffen angewandt werden. In Apotheken sind rezeptfreie virushemmende Mittel erhältlich, die Aciclovir oder Penciclovir enthalten.
- Auch Lippenpflegemittel (z. B. Vaseline) und Lidocain-Gel (5 %) können die Beschwerden lindern.
- Bei Erstinfektionen und sehr ausgedehntem Befall sowie bei Patient*innen mit Immunschwäche werden Tabletten mit virushemmenden Wirkstoffen (z. B. Aciclovir) verschrieben.
Autorinnen
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
- Marlies Karsch-Völk, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Herpes simplex. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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