Hautausschlag bei Neugeborenen

Hautausschlag bei Neugeborenen

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Was sind Hautausschläge bei Säuglingen?

Die Haut von Neugeborenen kann in den ersten vier Wochen nach der Geburt noch eine Reihe von Veränderungen durchmachen. Die meisten dieser Veränderungen verursachen keine Beschwerden und gehen von selbst zurück. Einige erfordern allerdings eine diagnostische Untersuchung, um eine Infektion oder eine zugrunde liegende Erkrankung auszuschließen. In diesem Artikel werden einige der häufigsten Hautausschläge beschrieben, die in den ersten Wochen nach der Geburt beobachtet werden können.

Was sind die häufigsten Ursachen?

Vorübergehende Veränderungen bei der Durchblutung der Haut

Blutgefäße in der Haut können bei Neugeborenen kurzzeitige Veränderungen der Hautdurchblutung verursachen. Sie sehen aus wie Hautausschlag, sind es aber eigentlich nicht.

Marmorierung der Haut

Die Marmorierung der Haut erscheint als ein feinmaschiges Netz von kleinen Blutgefäßen direkt unter der Haut. Sie wird mit einer Reaktion der Blutgefäße auf Kälte in Verbindung gebracht und verschwindet in der Regel, wenn die Haut warm wird. Diese Hautveränderungen erscheinen auf beiden Seiten, und sie können sowohl auf dem Körper, den Armen und den Beinen beobachtet werden. Die Neigung zur marmorierten Haut kann mehrere Wochen bis Monate bestehen, manchmal sogar die ganze frühe Kindheit lang. Es ist keine Behandlung erforderlich, da sich der Ausschlag von alleine zurückbildet.

Harlekinfarbwechsel

Harlekinfarbwechsel hängt vermutlich mit einer Unreife im Gehirnzentrum (Hypothalamus) zusammen, die die Expansion und Kontraktion der kleinen Blutgefäße in der Außenhaut steuert. Das Phänomen tritt bei bis zu 10 % aller Säuglinge nach einer vollständigen Schwangerschaft (ohne Frühgeburten) auf, wird aber aufgrund der Bekleidung des Kindes häufig nicht bemerkt. Die Hautveränderungen treten auf, wenn das Neugeborene auf der Seite liegt. Die Haut auf der oben liegenden Seite wird rot, während die Haut auf der gegenüberliegenden Seite verblasst. Die Farbänderung tritt plötzlich auf und dauert 30 Sekunden bis 20 Minuten an. Sie verschwindet bei erhöhter Muskelaktivität und beim Schreien. Am häufigsten tritt das Phänomen zwischen dem zweiten und fünften Tag nach der Geburt auf, und es kann sich bis zu drei Wochen fortsetzen. Die Verfärbung geht von selbst zurück und erfordert keine Behandlung.

Pustulöse Hautveränderungen

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Acne neonatorum (Quelle: Wikimedia)

Pusteln sind kleine Bläschen, die auf der Hautoberfläche auftreten können. Diese Hautveränderungen treten bei bis zu 20 % der Neugeborenen auf. Sie bestehen typischerweise aus weißen Pickeln mit Talg (Komedonen) auf der Stirn, der Nase und den Wangen. Andere Lokalisierungen sind aber auch möglich. Manchmal können entzündliche Veränderungen und kleine Pickel auftreten.

Es wird angenommen, dass die Stimulation der Talgdrüsen durch Hormone (Androgene) von der Mutter oder dem Kind selbst verursacht wird. Der Ausschlag geht in der Regel innerhalb von vier Monaten ohne Narbenbildung zurück.

Eine Behandlung ist in der Regel nicht erforderlich, aber wenn der Ausschlag sich stark ausgebreitet hat und mehrere Monate besteht, kann das Kind nach ärztlicher Rücksprache ggf. mit 2 % Benzoylperoxid-Lösung (in der Apotheke nur in 4- bis 5-prozentiger Lösung erhältlich) behandelt werden.

Erythema toxicum neonatorum

Dies ist der häufigste eitrige Ausschlag bei Neugeborenen, er kommt bei 40–70 % der Säuglinge vor, meist bei Neugeborenen, die termingerecht zur Welt kommen. Der Hautausschlag kann bereits bei der Geburt vorhanden sein, meistens setzt er aber während des zweiten oder dritten Tages ein. Typische Hautveränderungen bestehen aus 2–3 mm großen roten Flecken (Makel) und kleinen Beulen (Papeln), die schließlich eiterhaltig werden (kleine Pickel, Pusteln). Der Ausschlag kommt im Gesicht, am Körper und an den Oberarmen und Beinen vor. Handflächen und Fußsohlen sind nicht betroffen.

Die Ursache ist ungewiss, eine zugrunde liegende Erkrankung oder angeborene Störungen sind nicht bekannt. Der Ausschlag verschwindet in der Regel nach fünf bis sieben Tagen, kann aber mehrmals für ein paar Wochen zurückkehren. Es ist keine Behandlung nötig. Wenn Ihr Baby krank wirkt, sollten andere Diagnosen, insbesondere Infektionen, ausgeschlossen werden.

Transiente neonatale pustulöse Melanose

Es handelt sich um flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die an allen Körperstellen auftreten können, einschließlich der Handflächen und Fußsohlen. Die erhabenen Pusteln platzen leicht und hinterlassen einen Pigmentfleck, der nach einigen Wochen verblasst. Es ist keine spezifische Behandlung notwendig.

Miliaria

Miliaria werden auf unreifes Hautgewebe zurückgeführt. Bei Miliaria sind die Schweißdrüsen verschlossen, sodass der Schweiß nicht aus der Haut austreten kann. Dies betrifft bis zu 40 % aller Säuglinge und tritt in der Regel während der ersten Lebensmonate auf. Es gibt mehrere Unterarten; Miliaria cristallina und Miliaria rubra sind am häufigsten.

Miliaria cristallina besteht aus 1–2 mm kleinen Bläschen (Vesikel), die von rötlicher Haut umgeben sind, meist auf dem Kopf, Hals oder Körper. Die Blasen platzen nach einer Weile mit nachfolgender Entleerung, was Stunden bis Tage andauern kann.

Miliaria rubra wird als auch Hitzeausschlag bezeichnet. Der einfache Hautausschlag entsteht durch den Verschluss der tieferen Schweißdrüsen. Es entstehen kleine rote Beulen und Blasen, meist auf Teilen der Haut, die abgedeckt sind.

Miliaria ist harmlos und geht von selbst vorüber. Um den Ausschlag einzudämmen, sollte eine Überhitzung des Kindes vermieden und überflüssige Kleidung entfernt werden.

Acropustulosis infantilis

Es handelt sich um juckende Hautveränderungen, die vor allem an Handflächen und Fußsohlen auftreten. Sie können sich jedoch auch über den Hand- und Fußrücken erstrecken. Nach dem Abheilen der Bläschen kann eine Hyperpigmentierung (stärkere Hautfärbung) vorliegen.
Läsionen können bereits bei der Geburt vorhanden sein oder innerhalb der ersten Lebensmonate auftreten. Sie können innerhalb von 2 Jahren wiederholt auftreten. Es kann ein Behandlungsversuch mit dem Wirkstoff Dapson erfolgen, ein Medikament, das entzündungshemmend wirkt. Auch Medikamente gegen Juckreiz können verordnet werden.

Eosinophile pustulöse Follikulitis

Es handelt sich um juckende, kreisförmige fleckförmige Bläschen, die im Bereich der Kopfhaut, im Gesicht, am Körperstamm sowie an Armen und Beinen auftreten können. Meistens heilen sie spontan von alleine ohne Narben ab. Die Haut kann im betroffenen Bereich etwas dunkler gefärbt sein. Medikamente gegen Juckreiz oder kortisonhaltige Salben können angewendet werden.

Weitere Hautausschläge

Milien

Milien sind 1–2mm große weiße oder gelbe, flache Unebenheiten in der Haut. Es handelt sich dabei um eine Ansammlung der Hornsubstanz Keratin, die nicht durch die Hautoberfläche entweicht. Häufig sind sie auf Stirn, Wangen, Nase und Kinn lokalisiert, können aber auch auf dem oberen Rumpf, Armen und Beinen, Genitalien oder Schleimhäuten auftreten. Etwa die Hälfte der Neugeborenen hat Milien. Sie verschwinden spontan, in der Regel innerhalb des ersten Monats, können aber bis in den zweiten oder dritten Monat hinein fortbestehen.

Seborrhoische Dermatitis („Milchschorf“)

Prädilektionsstellen des seborrhoischen Ekzems beim Säugling sind die Kopfhaut, die intertriginösen Bereiche und der Windelbereich.
Milchschorf

Es besteht eine erhöhte Aktivität der Talgdrüsen. Die genaue Ursache ist unbekannt, sowohl Pilzinfektionen als auch hormonelle Faktoren können eine Rolle spielen. Sie tritt häufig im Neugeborenenalter auf.

Die seborrhoische Dermatitis äußert sich durch rote Haut und fettige Schuppen. Der Ausschlag ist in erster Linie auf der Kopfhaut lokalisiert, kann aber auch im Gesicht, am Hals und an den Ohren auftreten. Am deutlichsten ist die Rötung der Haut in den Gelenkbeugen und an Stellen, wo Haut an Haut liegt. Die Schuppung kommt aber vor allem auf der Kopfhaut vor. Ein Ekzem als Folge neigt dazu, sich im Windelbereich auszubreiten.

Windeldermatitis mit Pilzbefall, Junge
Windeldermatitis

Es kann manchmal schwierig sein, seborrhoische Ekzeme von atopischer Dermatitis oder Schuppenflechte (Psoriasis) zu unterscheiden. Die seborrhoische Dermatitis im Säuglingsalter ist in der Regel selbstlimitierend und bildet sich innerhalb von Wochen bis Monaten zurück. Eine schuppenlösende Behandlung mit Shampoo und vorsichtigem Kämmen der Kopfhaut kann ausprobiert werden. Bei hartnäckigen Beschwerden eignet sich evtl. ein teerhaltiges Shampoo oder die lokale Anwendung eines Feuchtigkeitsmittels. Lösungen mit Salicylsäure sollten wegen der möglichen Aufnahme in den Körper nicht verwendet werden. Bei einer unzureichenden Wirkung des teerhaltigen Shampoos kann man lokale Antimykotika (Medikamente gegen Hautpilz) versuchen, evtl. auch kortisonhaltige Cremes.

Muttermale

Angeborene Muttermale

Braun bis schwarz gefärbte Muttermale. Sie sind meist flach, können aber auch erhaben sein. Sie kommen bei 0,2–2,1 % der Neugeborenen vor. Es wird angenommen, dass dem eine Störung von Vorläuferzellen pigmentbildender Zellen während der Embryonalentwicklung zugrunde liegt.

In den allermeisten Fällen sind Muttermale gutartig, können sich aber bei 0,5–0,7 % der Betroffenen in einem mittleren Alter von 15,5 Jahren zu einem Melanom (schwarzem Hautkrebs) entwickeln. Muttermale sollten daher je nach Größe durch den behandelnden Kinderarzt oder von einer Hautärztin beobachtet werden. Ab einer Größe von 7 cm wird eine operative Entfernung empfohlen.

Kongenitale dermale Melanozytose

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Kongenitale dermale Melanozytose (Quelle: Wikimedia)

Dabei handelt es sich um grau-bläulich gefärbte Muttermale, die meist im Bereich des unteren Rückens, des Kreuzbeins, an Armen und Beinen, in der Leiste oder an der Brust vorkommen. Im Rahmen der Embryonalentwicklung kommt es zu einer fehlerhaften Einwanderung oder zu einem verminderten Abbau von pigmentbildenden Zellen der Haut.

Sie treten meist direkt nach der Geburt oder kurze Zeit später auf und bilden sich meist innerhalb des 1. Lebensjahres zurück. Eine Behandlung ist nicht notwendig.

Autorin

  • Susanna Allahwerde, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Berlin

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hautausschlag bei Neugeborenen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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