Gasbrand
Gasbrand
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Was ist Gasbrand?
Definition
Gasbrand ist eine lebensgefährliche Infektion der Weichteile (Bindegewebe, Muskeln und Fettgewebe), die mit Gasbildung einhergeht – d. h. es entwickeln sich Gasblasen in der Nähe des infizierten Bereiches. Verursacher sind Bakterien der Gattung Clostridium species, die überall vorkommen können, insbesondere im Erdboden sowie in der normalen Darmflora und der weiblichen Genitalflora.
Gasbrand kann sich nach Operationen oder Verletzungen entwickeln, bei denen die Wunde verunreinigt wird. Möglich ist auch eine Infektion mit Bakterien, die aus der körpereigenen Flora (z. B. Darm oder Genitalbereich) stammen.
Symptome
Es tritt eine sich rasch ausbreitende Wundinfektion auf, die extrem schmerzhaft ist und ein schweres Krankheitsgefühl verursacht. Das betroffene Gewebe schwillt an, und die Haut ist rotbraun verfärbt. Bei Druck auf die Wundumgebung ist durch die Gasbildung im Gewebe ein auffälliges Knistern zu hören.
Durch Übertreten der Toxine (Gifte) in den systemischen Kreislauf kann es zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen mit u. a. Fieber, Herzrasen und niedrigem Blutdruck.
Bei offenen Wunden kann ein süßlich-fauliger Geruch entstehen.
Ursachen
In einem gesunden Gewebe verhindert ein hoher Sauerstoffgehalt die Ansiedlung der anaeroben (in sauerstofffreiem Milieu lebenden) Clostridien.
Über das verletzte oder zerstörte Weichteilgewebe können die Erreger in den menschlichen Körper eindringen und sich schnell vermehren. Die von den Bakterien gebildeten Toxine (Gifte) zerstören die Zellmembran und hemmen die Funktionalität der Leukozyten und Erythrozyten (weißen und roten Blutkörperchen) im Blut. Dadurch werden Schwellung, Absterben von Muskelgewebe und die Auflösung von roten Blutkörperchen verursacht, was zu Schockzuständen führen kann.
Durch die Toxin- und CO2-Bildung wird der befallene Bereich noch sauerstoffärmer, und die Wachstumsbedingungen für die Clostridien werden verbessert.
Risikofaktoren
- Tiefe, verunreinigte Wunden (z. B. Kriegsverletzungen)
- Große Weichteiloperationen
- Immunschwäche (z. B. nach Chemotherapie)
Häufigkeit
Gasbrand tritt in der heutigen Zeit äußerst selten auf. Häufiger, wenn auch immer noch selten, sind Infektionen mit Bakterien, die aus der körpereigenen Flora (z. B. dem Darm) stammen.
Untersuchungen
Die Erkrankung ist lebensgefährlich, deshalb muss die Diagnose unverzüglich und sicher gestellt werden. Wegweisend ist das schwere Krankheitsbild: Wundinfektion, starke Schmerzen und Schwellung sowie Gasbildung im Gewebe.
Bildgebende Verfahren, z. B. Computertomografie (CT), machen ggf. Gas im Gewebe sichtbar. Zur Diagnosesicherung können Blutkulturen angelegt und Gewebeproben aus der Wunde entnommen werden.
Bei Verdacht auf Gasbrand muss ein sofortiger Notfalltransport ins Krankenhaus veranlasst werden.
Behandlung
Schon bei Verdacht auf Gasbrand muss sofort mit der Behandlung begonnen werden: Hohe Dosen Antibiotika, typischerweise Penicillin, die intravenös verabreicht werden. Abgestorbenes und infiziertes Gewebe muss vollständig operativ entfernt werden. Ggf. ist eine Amputation der infizierten Gliedmaßen nötig.
Autorin
- Ulrike Boos, Redakteurin von Deximed, Freiburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Gasbrand. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Haggenmüller B, Breining T, Kloth C et al. Letaler Verlauf bei ausgeprägtem infektiösem Weichteilemphysem. Radiologe 2021; 61: 748-51. link.springer.com
- Dicheva S, Walter S, Handrick W, et al. Gasbrand nach Injektion von Arzneimitteln. Arzneiverordnung in der Praxis 2017. www.akdae.de
- Wegner A, Doberentz E, Madea B. Gasbrand – Folge einer Injektionstherapie bei Rückenschmerz?. Rechtsmedizin 2020; 30: 180-83. link.springer.com
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