Funktionelle Dyspepsie (Reizmagen)
Funktionelle Dyspepsie (Reizmagen)
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Was ist funktionelle Dyspepsie?
Definition
Unter funktioneller Dyspepsie versteht man Oberbauchbeschwerden wie z. B. ein Völlegefühl oder Schmerzen und Brennen in der Magengegend, ohne dass eine Entzündung der Magenschleimhaut oder andere Erkrankungen nachgewiesen werden können.
Früher wurde die funktionelle Dyspepsie auch als „Reizmagen“ bezeichnet.
Symptome
Bei einer Dyspepsie kommt es zu Schmerzen oder Brennen im Bereich des Magens, Völlegefühl nach dem Essen, frühes Sättigungsgefühl oder auch einem Blähgefühl im Oberbauch. Eventuell treten zusätzlich Übelkeit und Erbrechen auf. Mögliche Begleitbeschwerden sind Schwitzneigung, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Muskelverspannungen.
Diese Symptome sind im letzten halben Jahr über 3 Monate andauernd oder wiederholt aufgetreten. Die Beschwerden sind im Verlauf unterschiedlich stark ausgeprägt. Sie nehmen aber nicht stark zu. Oft wird eine Abhängigkeit von Stress und Belastung bemerkt.
Etwa 30 % der Patient*innen leiden darüber hinaus an einem Reizdarmsyndrom mit Verstopfung oder Durchfall und Blähungen.
Folgende Punkte sprechen gegen die Diagnose einer funktionellen Dyspepsie und sollten dringend ärztlich abgeklärt werden:
- Erstmaliges Auftreten bei Menschen, die älter als 40 Jahre sind.
- Kontinuierliche Verschlechterung der Beschwerden
- Störung des Nachtschlafs durch die Symptome
- Wiederholtes Erbrechen oder blutiges Erbrechen
- Schluckstörungen
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Unklares Fieber
- Blut im Stuhl oder ganz schwarzer Stuhl
- Große und übelriechende Stuhlmengen (Fettstühle)
Ursachen
Die genaue Ursache der Erkrankung ist unklar, wahrscheinlich tragen verschiedenen Vorgänge zu den Beschwerden bei:
- Die Entleerung des Magens ist bei mehr als 1/3 der Patient*innen mit funktioneller Dyspepsie nachweislich verzögert.
- Ursächlich können auch begrenzte kleine Entzündungen und Störungen der mikrobiellen Besiedlung der Schleimhaut sein. Manchmal wird das Bakterium Helicobacter pylori nachgewiesen.
- Möglicherweise reagieren die Nerven-Sensoren im Magen empfindlicher auf mechanische oder chemische Reize, und Nervensignale aus dem Magen werden im Gehirn nicht richtig verarbeitet.
- Psychische und soziale Faktoren könnten das Auftreten und die Stärke der Beschwerden beeinflussen.
- Eine genetische Veranlagung wird ebenfalls vermutet.
Häufigkeit
- Beschwerden aufgrund von Dyspepsie sind sehr häufig, bis zu 20 % der Bevölkerung leiden zeitweise darunter.
- Die Symptome sind unterschiedlich stark ausgeprägt, bei mehr als 10 % der Betroffenen ist die Beeinträchtigung im Alltag so stark, dass sie ärztlichen Rat suchen.
- Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
- Die Häufigkeit dyspeptischer Beschwerden nimmt mit dem Alter ab.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Im ärztlichen Gespräch werden Sie zu Ihren Beschwerden befragt, dem Verlauf der Erkrankung, zu weiteren Symptomen, zur Medikamenteneinnahme, zu vorbekannten Erkrankungen sowie zu psychischen Belastungen. Außerdem ist es für Ihre Ärztin oder Ihren Arzt wichtig zu wissen, welche Untersuchungen bereits durchgeführt worden sind.
Bei der körperlichen Untersuchung ist meist nur wenig festzustellen, eventuell besteht eine Druckempfindlichkeit im Oberbauch.
In einer Blutuntersuchung können Entzündungswerte, Blutzellen sowie Bauchspeicheldrüsen-, Leber- und Nierenwerte kontrolliert werden. Aber auch eine Glutenintoleranz (Zöliakie) kann durch eine Blutuntersuchung weitgehend ausgeschlossen werden.
Außerdem kann eine Stuhlprobe auf unsichtbares (okkultes) Blut untersucht werden. Mit einer Stuhlprobe kann auch untersucht werden, ob Ihr Magen mit dem Bakterium Helicobacter pylori besiedelt ist oder ob bei entsprechenden Beschwerden eine chronisch entzündliche Darmerkrankung vorliegt.
In der Ultraschalluntersuchung (Abdomen-Sonografie) wird untersucht, ob andere Erkrankungen des Oberbauchs wie Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Gallensteine vorliegen.
Diese Untersuchungen in der Hausarztpraxis sind wichtige erste Schritte, um abzuklären, ob Ihren Beschwerden eine bestimmte nachweisbare Erkrankung zugrunde liegt.
Bei Spezialist*innen
Um zu untersuchen, ob bestimmte Erkrankungen des Magens vorliegen, werden Sie einmalig an eine gastroenterologische Praxis überwiesen, um eine Magenspiegelung (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, ÖGD) durchzuführen. In einer ÖGD kann festgestellt werden, ob die Magenschleimhaut entzündet ist, ein Magengeschwür (Ulkus) oder auch eine Besiedelung mit dem Bakterium Helicobacter pylori vorliegt.
Selten sind weitere Untersuchungen notwendig: Atemtests können bakterielle Fehlbesiedlungen des Dünndarms und Unverträglichkeiten von Milchzucker (Laktose) oder Fruchtzucker (Fruktose) nachweisen. Bei Verdacht auf Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (Reflux) kann der pH-Wert in der Speiseröhre gemessen werden. Bei Verdacht auf eine Tumorerkrankung kann zur weiteren Abklärung eine Computertomografie des Bauchs durchgeführt werden.
Behandlung
Wichtig ist zunächst der Ausschluss einer behandelbaren und/oder ernsten Erkrankung. Dann kann davon ausgegangen werden, dass Sie an einer funktionellen Dyspepsie leiden. Dies ist zwar eine oft chronische Erkrankung mit sehr unangenehmen Beschwerden. Sie ist aber ungefährlich und führt nicht zu gefährlichen Komplikationen.
Es gibt keine bestimmte Therapie, die allen Betroffenen hilft. Es kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht, die aber nur individuell ausprobiert werden können. Generell sollte jeder Therapieversuch über mindestens 4 Wochen durchgeführt werden.
Wenn vor allem Oberbauchschmerzen im Vordergrund stehen, kann eine Therapie mit sog. Protonenpumpenhemmern probiert werden. Diese reduzieren die Magensäureproduktion. Falls vor allem Völlegefühl und frühe Sättigung im Vordergrund stehen, ist eine Therapie mit pflanzlichen Medikamenten möglich. Bei Nachweis von dem Bakterium Helicobacter pylori wird Ihnen eine Antibiotikatherapie empfohlen.
Begleitend oder bei fehlendem Ansprechen der anderen Therapien kann eine Psychotherapie erwogen werden, wenn Sie stark psychisch belastet sind. Auch eine Therapie Antidepressiva gegen die Beschwerden kann erwogen werden.
Autorin
- Marlies Karsch-Völk, Dr.med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Funktionelle Dyspepsie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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