Eosinophile Ösophagitis
Eosinophile Ösophagitis
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Was ist eine eosinophile Ösophagitis?
Definition
Eine Ösophagitis ist eine Entzündung der Speiseröhre (Ösophagus). Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, an der das Immunsystem beteiligt ist. In der entzündeteten Schleimhaut des Ösophagus sammeln sich bestimmte Zellen des Immunsystems. Diese Zellen heißen eosinophile Granulozyten.
Symptome
Erwachsene Personen haben oft Schluckbeschwerden (Dysphagie) und leiden darunter, dass immer wieder Nahrung im Ösophagus steckenbleibt (Bolusobstruktion). Oft kommt es auch zu Sodbrennen durch aufsteigenden Magensaft, der die Entzündung verstärkt (gastroösophageale Refluxkrankheit, GERD). Andere Patient*innen klagen über unspezifische Oberbauchschmerzen.
Kinder haben oft weniger eindeutige Beschwerden. Sie leiden häufig unter Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Oft weigern sie sich zu essen. Viele Kinder fallen durch verzögertes Wachstum oder eine Gedeihstörung auf.
Ursachen
Die Ursachen nicht nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich liegt die Ursache in den Genen. Sie führt dazu, dass das Immunsystem auf Moleküle (Antigene) in bestimmten Nahrungsmitteln reagiert. Personen mit einer entsprechenden genetischen Anfälligkeit (Prädisposition) erleiden, wenn sie solche Nahrungsmittel zu sich nehmen, eine fehlgeleitete Immunantwort. Die Reaktion ist fehlgeleitet, weil das Lebensmittel selbst harmlos ist. Eine Immunreaktion wäre tatsächlich nicht nötig.
Dass die Gene eine Rolle spielen, führt dazu, dass oft mehrere Familienmitglieder erkranken. Möglicherweise sind auch Ereignisse in der frühen Kindheit beteiligt, z. B. ein Kaiserschnitt oder eine Behandlung mit einem Antibiotikum.
Es gibt also einige prädisponierende Faktoren, die die Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöhen:
- Atopische Erkrankungen wie allergische Rhinitis, Asthma bronchiale, atopische Dermatitis („Neurodermitis“)
- Männliches Geschlecht
- Genetische Prädisposition (familiäre Häufung)
- Möglicherweise besondere frühkindliche Ereignisse (Antibiotikagabe, Kaiserschnitt)
Häufigkeit
Die Häufigkeit der eosinophilen Ösophagitis nimmt in letzter Zeit zu. Jungen und Männer erkranken etwa 3-mal so häufig wie Mädchen und Frauen. Bei den meisten Erwachsenen wird die Erkrankung zwischen dem 30.–40. Lebensjahr festgestellt. Im jüngeren Alter zeigen sich die meisten Erkrankungsfälle im 3. Lebensjahr sowie bei Jugendlichen.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Im Arztgespräch werden die Beschwerden besprochen, z. B. Schluckbeschwerden. Wichtig ist auch der Hinweis auf etwaige Nahrungsmittelallergien eine atopische Erkrankung, beispielsweise eine atopische Dermatitis.
Es gibt allerdings keine spezifischen Befunde bei der Untersuchung, die auf eine eosinophile Ösophagitis hinweisen. Möglicherweise wird eine Blutentnahme durchgeführt. Biochemische Entzündungsmarker sind jedoch nicht sinnvoll für die Diagnostik oder die Verlaufskontrolle der Erkrankung. Nur bei knapp jeder dritten betroffenen Person finden sich vermehrt eosinophile Granulozyten (bestimmte weiße Blutkörperchen) im Blut.
Endoskopie
Eine Endoskopie der Speiseröhre (Spiegelung der Speiseröhre) ist die wichtigste Methode, um eine eosinophile Ösophagitis nachzuweisen. Bei einem Erkrankungsverdacht sollte immer eine Endoskopie stattfinden. Normalerweise kann eine Endoskopie ambulant stattfinden. Bei der Endoskopie wird ein biegsamer Schlauch mit einer Lichtquelle und einer Kamera durch den Mund geschoben. Der Ablauf ähnelt also einer Magenspiegelung. Die untersuchende Person sieht die Bilder auf einem Bildschirm. Um die Untersuchung zu erleichtern, wird meist ein kurzwirksames Schlafmittel gegeben. Dadurch kann sich die Person entspannen und in einen Dämmerschlaf gleiten. Die Person atmet selbstständig weiter. Eine Beatmung ist daher nicht nötig. Oft erinnert sich die Person danach nicht an die Untersuchung.
- Befund nach EREFS-Klassifikation: Bei der Endoskopie finden sich bei einer eosinophilen Ösophagitis in der Regel weißliche Auflagerungen auf der Schleimhaut des Ösophagus. Flüssigkeit kann austreten. Die Speiseröhre bekommt häufig Ringe und Furchen. Ihre Schleimhaut ist oft geschwollen und verengt. Möglicherweise sind einige Stellen vernarbt und dadurch zusätzlich verengt (Striktur). Die wichtigsten Kriterien werden mit dem Begriff EREFS abgekürzt (Exsudate, Ringe, Ödeme, Furchen, Strikturen).
- Histologie: Es ist entscheidend, dass die untersuchende Person Gewebeproben zur Untersuchung entnimmt. Es werden mindestens 6 Proben aus verschiedenen Bereichen des Ösophagus entnommen. Sie dienen zur histologischen Untersuchung. Unter dem Mikroskop werden dabei die eosinophilen Granulozyten gezählt. Als Schwellenwert gilt die Zahl von 15 eosinophile Granulozyten in einem Gesichtsfeld (High Power Field, HPF) des Mikroskops.
Behandlung
Erwachsene
- Zuerst sollen die Symptome nachlassen (Remission). Um eine Remission herbeizuführen, wird zur Behandlung ein kortisonähnliches Medikament empfohlen. Ein möglicher Wirkstoff heißt Budesonid. Das Budesonid sollte in Form von Schmelztabletten verabreicht werden. Möglich ist auch eine Therapie über die Atemwege mit dem Wirkstoff Fluticason für 6–8 Wochen.
- Alternativ können Medikamente verwendet werden, die die Bildung von Magensäure hemmen (Protonenpumpenhemmer, kurz PPI). Auch eine Behandlung mit einer speziellen Ernährungsweise ist möglich. Bei dieser Diät soll die betroffene Person folgende 6 Lebensmittelgruppen weglassen: Kuhmilch, Hühnerei, Fisch, Weizen, Soja und Erdnüsse. Diese Diät heißt 6-Food-Eliminationsdiät (kurz 6-FED). Die Effektivität dieser Therapie soll nach 8–12 Wochen klinisch und endoskopisch überprüft werden.
- Um die Remission aufrechtzuerhalten, ist es nötig, die Behandlung langfristig fortzuführen. Am besten ist es, dieselbe Therapie fortzuführen, mit der die erkrankte Person eine Remission erreicht hat. Es sollten alle 1–2 Jahre Kontrollen einschließlich einer Endoskopie mit Biopsie stattfinden.
- Es gibt weniger strenge Eliminationsdiäten (4-Food- oder 2-Food-Eliminationsdiät); sie sind sind aber nicht so effektiv wie die 6-FED.
- Es sollte keine Allergietest-basierte Eliminationsdiät erfolgen, da sie nur begrenzt wirkt.
Kinder
- Kinder und Jugendliche sollten nach der Erstdiagnose die Möglichkeit bekommen, mit einer Ernährungsfachkraft zu sprechen. Dies dient dem Zweck, eine Gedeihstörung zu vermeiden bzw. zu lindern.
- Wenn keine Striktur vorliegt, dann werden säureproduktionshemmende Mittel (PPI) empfohlen, um eine Remission zu erreichen. Die PPI sollten hochdosiert als Tabletten eingenommen werden. Alternativ ist eine 6-Food-Eliminationsdiät möglich (Weglassen von Kuhmilch, Hühnerei, Fisch, Weizen, Soja und Erdnüssen). Auch eine spezielle, ballststoffreie Diät (Elementardiät) kann alternativ erwogen werden. Eine weitere Möglichkeit sind Glukokortikoide (Kortison).
- Wenn eine Ösophagusstriktur (narbige Verengung) nachweisbar ist, dann sollte man die Erkrankung zunächst mit Glukokortikoiden behandeln.
- Bei Kindern ist eine Eliminationsdiät möglich, die sich nach einem individualisierten Allergietest richtet. Dann fällt es minderjährigen Patient*innen oft auch leichter, die Diät einzuhalten.
Endoskopische Behandlung
Einige Patient*innen haben Strikturen, also narbige Verengungen der Speiseröhre. In diesen Fällen kann es nötig sein, eine Endoskopie zur Behandlung durchzuführen. Die betroffene Person erhält in der Regel zunächst ein Medikament, das sie schläfrig macht. Bei Bedarf kann sie auch ein Schmerzmittel erhalten. Bei der Endoskopie können Engstellen mit einem speziellen Gerät aufgedehnt werden (Bougierung). Außerdem kann ein Ballon eingeführt und aufgeblasen werden, um die Engstelle zu weiten (Ballondilatation). Der Ballon wird unmittelbar danach wieder entfernt.
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